2017-01-13

Freeman: Mein Interview auf Russlands NTV

Als die Bild-Zeitung in der letzten Woche des vergangenes Jahres die Schlagzeile brachte, "Vermittlungen zwischen Washington und Moskau - Kissinger soll neuen Kalten Krieg verhindern", wurde ich von einer der grössten russischen privaten Fernsehsender NTV gefragt, was ich davon halte, Kissinger soll als Vermittler zwischen Trump und Putin dienen und ob das mit Bilderberg zu tun habe? Ein Kamerateam kam vorbei und machte ein Interview mit mir. Meine Aussage wurde am Silvesterabend um 19:00 Uhr in einer der Hauptnachrichten gezeigt. NTV ist in Russland für über 117 Millionen Menschen empfangbar; er gilt als wichtiger Bestandteil der russischen Medienlandschaft. Ausser auf dem russischen Territorium ist NTV auch in den GUS-Staaten sowie teilweise in Westeuropa, dem Nahen Osten, den USA, Kanada und Australien zu sehen. Seit 2007 gehört NTV ganz dem Energieriesen Gazprom.


Da ist die Tür ... und Tschüss!

Im Bild-Artikel wird behauptet, "Kissinger soll der Vermittler zwischen Moskau und Washington werden. Trump gehe es um einen Wiederannährung an den Kreml. Zu dessen Herrscher, Russlands Präsident Wladimir Putin (64), wird ihm eine ungewöhnlich große Nähe nachgesagt."

Als ich das las musste ich schmunzeln, denn diese Aussage ist falsch. Erstens, keiner der beiden will oder braucht Kissinger als Vermittler. Zweitens, Kissinger hat keine ungewöhnliche grosse Nähe zu Putin. Er hat ihn einige Male getroffen, na und? Was hier passiert, man versucht durch solche Artikel Kissinger ins Spiel zu bringen, damit er beide Seiten beeinflussen kann.

Als ich beim letzten Bilderberg-Treffen in Dresden im Juni 2016 die Teilnehmerin Christa Markwalder zwei Stunden lang befragen konnte, brachte sie zum Ausdruck, die Bilderberger hassen Brexit, sie hassen Trump und sie hassen Putin. Hillary Clinton wäre ihre Kandidatin für die US-Präsidentschaft.

Jetzt ist aber genau das passiert, was die Bilderberger auf keinem Fall wollten. Die Briten haben sich für den Ausstieg aus der EU entschieden. Die Amerikaner haben Donald Trump als ihren nächsten Präsidenten gewählt. Putin steht mit der Befreiung von Aleppo als Friedensmacher da.

Die Projekte, die Bilderberg nach dem Krieg in die Wege geleitet hat, die NATO, die EU und den Euro, sind sehr stark gefährdet. Trump hat sogar gesagt, die NATO habe ihren Zweck verloren. Ohne Hillary haben sie keinen Einfluss mehr im Weissen Haus. Auf Putin sowieso nicht.

Auf der ganzen Linie haben sie ihre Macht verloren und ihr Plan fällt auseinander, deshalb mussten sie sich was ausdenken, um wieder Einfluss zurück zu gewinnen. Wie will man das erreichen? In dem man den Ur-Bilderberger als Vermittler zwischen Trump und Putin vorschlägt.

Henry Kissinger war zum ersten Mal 1957 beim Bilderberg-Treffen, so lange nimmt er schon teil, und ist zusammen mit David Rockefeller, den Ehrenpräsidenten, die graue Eminenz in diesem geheimen Klub. In Dresden war er ja auch und ich habe ihn gefilmt.

Er kann dann beiden Staatspräsidenten jeweils als "Berater" was ins Ohr flüstern und so die russische und amerikanische Aussenpolitik steuern ... denken sich die Bilderberger. Das heisst, Kissinger soll bei beiden die Fäden im Hintergrund ziehen.

Wir müssen wissen, warum ausgerechnet die Bild-Zeitung benutzt wurde, um Kissinger als Vermittler zwischen Trump und Putin zu nennen? Die "Nachricht" ging ja um die Welt und kam auch in Moskau an. Deshalb wurde ich um meine Meinung gefragt.

Die Bild-Zeitung gehört zu Axel Springer Verlag und Springer-Vorstand Mathias Döpfner war beim Bilderberg-Treffen in Dresden dabei. Also hat man einen der "ihren" und seinem einflussreichen Medium dazu benutzt, um den Ball ins Rollen zu bringen.

Alle diese Fakten zusammen mit meiner Beurteilung habe ich im Interview zum Ausdruck gebracht und die russischen Zuschauer davor gewarnt, man soll ja nicht mit Kissinger etwas zu tun haben. Alleine schon deswegen, weil Kissinger ein Massenmörder ist und einer der "Regimewechsel" als Werkzeug der Aussenpolitik erfunden hat.

Kissinger war für den Bombenkrieg gegen Vietnam, Laos und Kambodscha mitverantwortlich, wodurch über 2 Millionen Tonnen Bomben von der US Air Force abgeworfen und 3 Millionen Menschen getötet wurden. Die Putsche die er veranlasst hat sind zahlreich, wie der Sturz und die Ermordung von Salvador Allende in Chile.

Ihn irgendwie zu trauen und in die Nähe kommen zu lassen, ist äusserst gefährlich. Auf keinem Fall darf man ihn als Berater und damit als Beeinflusser engagieren. NIEMALS, sagte ich den russischen Zuschauern. Das ganze kam leider sehr verkürzt an, nicht alles was ich in die Kamera sprach haben sie gesendet.

Die Aufnahme von Kissinger mit dem Rollstuhl die gezeigt wird stammt von mir aus Dresden. Mein Auftritt ist ab Minute 13,37:


Mittlerweile haben alle privaten wie auch staatlichen russischen TV-Sender Interviews mit mir geführt und gesendet. Ist es nicht beschämend? In der "Heimat" werde ich entweder boykottiert oder man macht falsche Beschuldigungen gegen mich, in Russland sind sie an meiner Meinung interessiert und bringen diese.
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