2017-04-11

Und wie wäre es, wenn Trump sich nicht geändert hätte? von Thierry Meyssan

Die Kanzleramte und die Presse versichern, dass Präsident Trump seine Politik geändert hat und seine Wähler durch die Annahme des Rücktritts von General Flynn, und dann durch die Bombardierung von Schayrat verraten hat. Thierry Meyssan bemerkt unterdessen Ungereimtheiten, die auf das Gegenteil hindeuten: die US-militärische Aggression gegen Syrien könnte in Wirklichkeit gegen die Alliierten von Washington gerichtet sein.


Michael T. Flynn und sein Freund Sebastian Gorka, beide mit dem Buch des anderen in der Hand. 

General Flynn, der die anti-Dschihadisten-Politik verkörpert, wurde zum Rücktritt von seiner Funktion als nationaler Sicherheitsberater gezwungen. Sebastian Gorka ist nach wie vor der stellvertretende Berater von Präsident Trump. Ihm zufolge verdeckt der Anschein der Bombardierung von Schayrat die Realität der gegenwärtigen Politik des Weißen Hauses.

Donald Trump, der auf Grund seines Programms für das Ende des Imperialismus und für die Interessen seines Volkes gewählt worden war, hat er nun plötzlich seinen Kurs gewechselt, nur drei Monate nach seiner Ankunft im Weißen Haus?

Das ist die ganz allgemeine Auslegung der Bombardierung des Flugplatzes Schayrat am 6. April 2017. Alle Verbündeten der Vereinigten Staaten haben diese Aktion im Namen humanitärer Grundsätze gutgeheißen. Alle Bündnispartner von Syrien verurteilten sie im Namen des internationalen Gesetzes.

Das Argument eines chemischen Angriffs von Damaskus wurde jedoch nicht einmal von dem Beauftragten des Generalsekretärs während der Debatte im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen unterstützt. Im Gegenteil, dieser betonte die Unmöglichkeit zu diesem Zeitpunkt, zu wissen, wie dieser Angriff stattfinden konnte. Bolivien hat sogar die Existenz dieses Angriffs in Frage gestellt, der nur durch die Weißhelme, d.h. von einer Gruppe von Al-Kaida, welche das MI6 für seine Propagandazwecke leitet, bekannt gemacht wurde. Darüber hinaus betonen alle Militärexperten, dass Giftgas durch Artillerie-Beschuss verbreitet werden muss und nie, absolut nie durch Bombardierung aus der Luft.

Wie auch immer, der amerikanische Angriff auf die Militärbasis Schayrat zeichnet sich durch seine scheinbare Brutalität aus: die 59 BGM-109 Tomahawk-Raketen hatten eine Gesamt-Sprengleistung von fast zwei Atombomben von Hiroshima. Trotz allem ist die Aggression jedoch durch ihre Ineffizienz gekennzeichnet: wenn es auch Märtyrer gab, die versuchten, ein Feuer zu löschen, sind die Schäden so gering, dass die Basis am nächsten Tag wieder in Betrieb genommen wurde.

Man muss daher feststellen, dass die US-Marine entweder ein "Papiertiger" ist, oder dass diese Operation nur eine Inszenierung war.

In diesem Fall versteht man dann besser, warum die russische Flak-Abwehr nicht reagierte. Man muss daraus schließen, dass die S-400 Raketen zur Abwehr gegen Raketen, deren Betrieb automatisch ist, im Voraus bewusst deaktiviert wurden.

Alles ging also so vor sich, als ob das Weiße Haus eine List ausgedacht hätte, um seine Verbündeten in einen Krieg gegen die Nutzer von chemischen Waffen zu führen, d.h. gegen die Dschihadisten. In der Tat, bis heute, laut der UNO, sind die einzigen etablierten Fälle vom Einsatz dieser Waffen in Syrien und Irak, ihnen allein zugeschrieben.

Im Laufe der letzten drei Monate haben die Vereinigten Staaten mit der Politik des Republikaners George Bush Jr. (Unterzeichner der Kriegs-Erklärung des Syrian Accountablity Act) und von Barack Obama gebrochen (der den "arabischen Frühling", d.h. die Neuauflage des von den Briten organisierten "großen arabischen Aufstands von 1916" unterstützte). Donald Trump war es jedoch nicht gelungen, seine Verbündeten, insbesondere die Deutschen, Briten und Franzosen, davon zu überzeugen.

London stürzt sich also auf etwas, was als eine radikale Änderung der US-Politik erscheint, und verbreitet Erklärungen gegen Syrien, Russland und den Iran. Sein Außenminister, Boris Johnson, hat seinen Besuch in Moskau abgesagt.

Aber jetzt: wenn Washington seine Politik geändert hat, warum hat dann Staatssekretär Rex Tillerson seine Reise nach Moskau bestätigt? Und warum hat Präsident Xi Jinping, Gast während der Bombardierung von Schayrat seines amerikanischen Kollegen, so schlaff reagiert, obwohl sein Land sechs Mal von seinem Vetorecht Gebrauch gemacht hat, um Syrien im Sicherheitsrat zu schützen?

In Mitten dieser rhetorischen Einigkeit und seiner sachlichen Widersprüche verbreitet der stellvertretende Berater von Präsident Trump, Sebastian Gorka, gegensinnige Nachrichten. Er versichert, dass das Weiße Haus Präsident Al-Assad immer noch als legitim und die Dschihadisten als den Feind betrachte. Gorka ist ein besonders enger Freund von General Michael T. Flynn, der den Trump-Plan gegen die Dschihadisten im Allgemeinen und gegen Daesch im Besonderen entworfen hatte.

Thierry Meyssan

Übersetzung
Horst Frohlich

Quellen:
Al-Watan (Syrien)
http://www.voltairenet.org/article195929.html
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