2017-05-08

Der ärmste Präsident der Welt ruft auf zum Rauswurf der Reichen aus der Politik


José „Pepe“ Mujica, als früherer Präsident von Uruguay bekannt als der „ärmste Präsident der Welt“, hat die weltweite Öffentlichkeit dazu aufgerufen, reiche Leute aus der Politik rauszuwerfen.

Wir berichteten schon mehrfach über den ehemaligen Präsidenten Pepe Mujica aus Uruguay und seine vorbildlichen Taten. Auch als Uruguays Präsident blieb er bescheiden. Er lebt in einer Art Gartenlaube, fährt einen alten VW-Käfer und spendete fast sein gesamtes Gehalt. Und José Mujica ist der Ansicht: „Politik ist nicht dazu da Geld zu verdienen“.

Pepe ist bereits 80 Jahre alt und wird gefeiert, als sei er der größte Popstar der Welt.

Mujica, der oft beschrieben wurde als der „weltweit bescheidenste Präsident“, zog sich im Jahr 2015 aus dem Amt zurück. Seine Zustimmungswerte lagen bei 70 Prozent. In einem diese Woche in Spanisch geführten Interview mit CNN kritisierte der ehemalige Präsident Uruguays, dass die führenden Politiker dieser Welt nicht mehr wirklich die Menschen vertreten.

„Wir haben dieses Ding mit dem schönen Namen „‚Repräsentative Demokratie“ erfunden und wir sagen, dass es die Mehrheit ist, die entscheidet“, äußert sich Mujica gegenüber CNN. „So erscheint es mir richtig, dass wir [Staatsoberhäupter] auch so leben sollten wie die Mehrheit und nicht wie eine kleine Minderheit.“

Wie verlautet, spendet Mujica 90 Prozent seiner Bezüge für wohltätige Zwecke. Das Beispiel, das er abgibt, bildet einen starken Kontrast zu den Vereinigten Staaten, wo ein durchschnittlicher Kongressabgeordneter politisch mehr als $ 1 Million Dollar wert ist und Unternehmen vielfach die gleichen Rechte haben wie Privatpersonen, wenn es darum geht, für politische Kampagnen zu spenden.

(Dazu auch Vorbildlich! José Mujica spendete als Präsident von Uruguay 550 000 $ von seinem Gehalt)

„Der rote Teppich, Menschen, die Spiele spielen - solche Sachen“, spricht Mujica in einem Ton, der ein Kornett nachahmt. „All diese Dinge sind Überbleibsel der Feudalherrschaft. Und das Personal, das den Präsidenten umgibt, ist wie sein Hofstaat.“

Mujica betonte, dass er per se nichts gegen reiche Leute habe, jedoch glaube er nicht, dass sie ihre Aufgabe, die Interessen der Mehrheit, die nicht reich ist, zu vertreten, gut machen.

„Ich bin nicht gegen Leute, die Geld haben, Geld mögen oder verrückt danach sind“, sagte Mujica. „Aber in der Politik müssen wir da unterscheiden. Wir müssen die Menschen, die das Geld zu sehr lieben, aus der Politik herausnehmen, denn sie sind eine Gefahr in der Politik ... Menschen, die auf Geld aus sind, sollten sich der Industrie, dem Handel, der Vermehrung des Reichtums verschreiben. Politik hingegen ist das Ringen um das Glück aller.“

Auf die Frage, warum reiche Leute schlechte Vertreter der Armen sind, antwortete Mujica: „Sie neigen dazu, die Welt aus ihrer Perspektive zu betrachten, die eine Perspektive des Geldes ist. Selbst wenn sie mit guter Absicht handeln, ist ihre Sicht auf die Welt, das Leben und ihre Entscheidungen, durch Reichtum genährt. Wenn wir in einer Welt leben, in der die Mehrheit regieren soll, müssen wir versuchen, unsere Sichtweise in der der Mehrheit zu verankern, nicht in der der Minderheit.“

Mujica ist bekannt für seine Ablehnung jeglicher Statussymbole. In einem Interview im Mai wetterte er im spanischen Fernsehen gegen Krawatten - die Kommentare verbreiteten sich wie ein Lauffeuer.

„Die Krawatte ist ein nutzloser Lappen, der deinen Hals einengt“, sagte Mujica im Interview. „Ich bin ein Gegner des Konsumdenkens. Wegen unseres Hyper-Konsumerismus vergessen wir die fundamentalen Dinge und verschwenden unsere Kraft an Frivolitäten, die wenig mit unserem Glücklichsein zu tun haben.“

Zusammen mit seiner Frau, der Uruguayarin Lucia Topolansky, und ihrem dreibeinigen Hund Manuela lebt er auf einem kleinen Bauernhof am Rande der Hauptstadt Montevideo. Er sagte, er verschmähe jedem Materialismus, weil ihm dieser die Zeit raube, die er lieber dafür nutze, seine Leidenschaften wie die Pflege seiner Blumenfarm und das Arbeiten im Freien zu genießen.

„Ich habe nicht die Hände eines Präsidenten“, sagte Mujica CNN. „Sie sind ein wenig zerschunden.“

Zurzeit ist Pepe in Japan, auch dort wird er wie ein Rockstar gefeiert


Kommentar: 

Herr Mujice ist wirklich einer der wenigen, die sich so verhalten, wie Führungspersonen es tun sollten: Mit eigenem Beispiel vorangehen, es selbst vorleben:

Die ursprüngliche Idee einer Führungsrolle liegt eigentlich darin, die Interessen der Mehrheit zum Wohle von allen zu verfolgen. In unserer ponerisierten Welt ist das genaue Gegenteil der Fall: Führungspersonen dienen sich selbst und ihren eigenen Interessen, auf Kosten der gesamten Weltbevölkerung.

Aus dem Artikel Das große globale Spiel des Wandels: Unsere Zivilisation steuert auf das Verhängnis der Bronzezeit zu - Untergang:

Auf jeden Fall scheinen wir zweifellos eine Zeit zu durchleben, die derjenigen sehr ähnlich ist, die am Ende der Bronzezeit vorherrschte und die Vergleiche geben mir sehr wenig Hoffnung. Tatsächlich ist unsere eigene Zivilisation vielleicht weit anfälliger und die Menschen weit weniger fähig, dies zu bewältigen. Wir haben autoritäre Gefolgsleute und Psychopathen in Machtpositionen, welche das Global Change Game live vor unseren Augen spielen, und der kritische Wendepunkt, an dem die Bauern mit Mistgabeln und Brandfackeln aufstehen, ist noch nicht erreicht. Mittlerweile scheinen diese globalen Eliten zu denken, dass die vermehrte Kontrolle über Bevölkerungen die von ihnen gefürchteten Aufstände verhindern werden. Sie verstehen jedoch nicht, dass sie nur die Zunahme der Frustrationen beschleunigen und die Wahrscheinlichkeit von mehr und länger anhaltender Gewalt, wenn dieser Trigger schließlich betätigt wird. Ich weiß nicht, was es sein wird oder wo es passieren wird, aber so sicher wie die Sonne morgen aufgeht, wird es kommen. Es kam 1177 v. Chr., und dann wieder in Rom zwischen 410 und 540 n. Chr. und folgte immer demselben Muster. Zwischendurch gab es Minizyklen, aber ich denke, dass dies die zwei Riesendinger der vergangenen 5000 Jahre waren: Zivilisationsbeender gefolgt von dunklen Zeitaltern.

Wird es ein Bombardement durch Kometen oder Asteroidenfragmenten in unserer nahen Zukunft geben? Ich weiß es nicht. Es ist sehr wohl möglich bis hin bis zu wahrscheinlich. Wird es Massenepidemien geben, die 70% oder mehr der weltweiten Bevölkerung vernichten wird? Es ist sehr wohl möglich, sogar wahrscheinlich. Die Geschichte wiederholt sich und dies ist ein Faktor, der sich mit erschreckender Regelmäßigkeit wiederholt. Sogar wenn keiner dieser zwei Faktoren ins Spiel kommt, und wir nur auf dem augenblicklichen Weg verbleiben, wird er uns zu einem Zusammenbruch der Systeme führen, und das bedeutet Massensterben.

Offensichtlich, wenn die Leute diese Dinge betrachten -- nehmen wir mal an, sie könnten überzeugt werden, dies zu ihrer eigenen Verteidigung zu tun -- neigen sie dazu zu denken, es geschehe jemand anderem, irgendwo anders. Das ist der Denkprozess derjenigen, denen es wirklich geschieht. Jene, die denken "es könnte geschehen und es könnte mir geschehen ... Ich muss bereit sein ..." sind diejenigen, welche eine Chance haben.
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