2017-05-29

Maat: Die alte ägyptische Göttin der Wahrheit, Gerechtigkeit und Moral – der weibliche Archetyp der Weisheit

gefunden auf Stillness in the Storm, geschrieben von Justin Deschapms, übersetzt von Pippa


Kürzlich erwähnte Cobra eine weitere Operation der Lichtkräfte unter dem Namen: Justice of Maat = Gerechtigkeit von Maat (siehe HIERund HIER). Dieser unterstehende Artikel mag dazu dienen, sich in die Konzepte einzulesen, die dieser Operation zugrunde liegen (könnten).

Im entwicklungsgeschichtlichen Prozess der Entdeckung von abstrakter Wahrheit sind Dramen oder Geschichten erforderlich. Moral, Gerechtigkeit, Fairness, Güte, Kameradschaft, ein liebevoller Dienst, Mitgefühl und mehr – sind alles abstrakte Dinge, die keinen vollständigen körperlichen Ausdruck besitzen. Demzufolge können wenig erfahrene Gemüter sie nicht ohne Erläuterung verstehen. Archetypische Gottheiten wie der ägyptische Pantheon [ein Begriff aus der Religionswissenschaft für die Gesamtheit der Gottheiten in einer polytheistischen Religion; Polytheismus = „Vielgötterei“] spielten eine Rolle dabei, dem Einzelnen zu helfen, die nicht-materiellen Reiche von Moral und Tugend zu verstehen. Heute neigen wir dazu zu denken, dass die Menschen des Altertums diese Geschichten wörtlich nahmen und vielleicht taten sie es auch. Aber wir wissen auch, dass in den Mythen, Legenden und Erzählung aus der Zeit des Altertums auch eine Schatzkiste des Wissens liegt, an der die Menschen heutzutage zunehmend Interesse finden – Wissen, welches, wenn es richtig verstanden wird, fast all die Probleme lösen würde, mit denen wir als Menschheit konfrontiert sind.

Für viele scheint der Gedanke des Studiums altertümlicher Kulturen langweilig und sinnlos zu sein – was könnten diese Dinge mit meinem jetzigen Leben zu tun haben?

Aber es gibt grundlegende oder archetypische Wahrheiten, mit denen alle Menschen durch die gesamte Geschichte hindurch konfrontiert wurden. Eine dieser Wahrheiten ist die Wirklichkeit der Moral, der Gerechtigkeit und der Persönlichkeitsentwicklung – das epische Ringen darum, eine freie und gerechte Gesellschaft zu erschaffen.

Das Konzept eines Archetypus ist sehr nützlich.

Wenn jemand eine von allen gelebte gemeinsame Erfahrung eindampfen und eine Form daraus machen würde, dann wäre das ein Archetyp. Zum Beispiel ist die übliche Gestalt, die alle menschlichen Wesen gemeinsam benutzen, die eines Mannes oder einer Frau mit zwei Armen, Beinen, einem Kopf und so weiter. Somit ist das Bild eines menschlichen Wesens ein Archetypus – ein abstraktes Symbol, das als Schwerpunkt für das Gedankengut dient oder wirkt.



Archetypisches Bild einer Familie, mit der sich alle Menschen identifizieren können (Bild: Quelle)

Was Archetypen so stark macht ist, dass alle Menschen sie auf irgendeiner Ebene wiedererkennen können.

Als Ergebnis des hergestellten Kontakts mit einem Archetypus– ob als Bild oder Idee – wird das Bewusstsein eines Menschen katalysiert oder angesprochen und hat das Verstehen des Sinns und andere Erkenntnisse zur Folge. Dies hilft dabei, tägliche Erfahrungen in ein einheitliches Verständnis oder Leitbild zu ordnen – eine Methode, das Leben so zu leben, damit man produktiv, erfolgreich und erfüllt ist. Ein anderer Begriff für diese nicht-physische Frucht, die aus Archetypen geboren ist, ist Philosophie – die Art, wie wir die Welt betrachten und verstehen.

Obwohl in der heutigen Welt die meisten Menschen, besonders im Westen, die Vorstellung persönlicher Evolution (Spiritualität) ablehnen, phantasiert fast jeder heimlich davon.

Einer der Gründe, warum Hollywood und Filme, Fernsehshows, Comic-Bücher und dergleichen so einen Eindruck hinterlassen ist, dass sie oftmals reichlich mit archetypischen Geschichten und Bildern versehen oder ausgefüllt sind. Diese Dramen erlauben es uns, Konzepten nachzugehen, die wir normalerweise nicht verfolgen würden – wie die Entwicklung der Seele, aber auch der Moral und der Kampf des menschlichen Lebens.

Ähnlicher Artikel: Wecke deine Kraft – Science Fiction und Psychologie – Star Wars, Das alte Tibet und die Jedi-Ausbildung

Die folgenden Artikel handeln von einem ägyptischen Archetypus der Wahrheit, Gerechtigkeit und Moral: Ma’at. Sie ist die Frau von Thoth, dem männlichen Archetypus der Weisheit und des Wissens.

Das Ermächtigende und Nützliche an diesen Geschichten und Denksystemen – vorausgesetzt, man hat die Informationen in einen richtigen Kontext gesetzt – ist, dass man ihren ideellen oder begrifflichen Inhalt analysieren und in dem Prozess viel über sich selbst und die Welt lernen kann. Nochmals: für die meisten von uns ist es schwierig, über abstrakte Konzepte wie Moral, Gerechtigkeit und Fairness nachzudenken. Aber es ist weitaus einfacher, diese Begriffe zu untersuchen, wenn in einer Geschichte oder Erzählung eine Form vorgegeben ist. Dies ist ein Grund, warum wir dazu neigen, an Dramen in Filmen Gefallen zu finden.

Die unten aufgeführte Geschichte und die Konzepte verdeutlichen euch hoffentlich die Tatsache, dass es eine Fülle von Informationen gibt, die zwischen den Zeilen altertümlicher Werke versteckt sind.

Wenn man entsprechend durch die Linse der Zeit blickt, dann sieht man, dass der Lebenskampf, die Freiheit und Gerechtigkeit allgegenwärtig sind, durch alle Gesellschaftsschichten hindurch. Und, dass die Einzelperson und deren Bewusstsein das ist, was das Wasser der Zerstörung und das Chaos zurückhalten. Jeder Einzelne ist in diesem Sinne ein Vertreter göttlichen Eingreifens, ein Einzelpunkt der Ordnung, der das Gleichgewicht herstellt und in diesem Prozess Weisheit vermittelt.

Wir alle haben diese Möglichkeit, aber bevor wir die Heiler der Welt sein können, die so dringend gebraucht werden, müssen wir unser kosmisches Training fortführen, um selbstbeherrschte, weise Wesen zu werden; die Personifizierung der hohen Ideale des Universums, die so wunderschön in den symbolischen Arbeiten von einst zum Ausdruck gebracht werden. Justin.

Maat: Die alte ägyptische Göttin der Wahrheit, Gerechtigkeit und Moral – der weibliche Archetyp der Weisheit

(Brian Hilliard) Maat, auch bekannt als Ma’at oder Mayet, war eine weibliche Göttin in der altertümlichen ägyptischen Religion, welche Wahrheit, Gerechtigkeit, Gleichgewicht und Moral repräsentierte. Die Tochter des ägyptischen Sonnengottes Ra und Frau des Mondgottes Thoth versorgte die Ägypter mit einer Art Sinn für Gerechtigkeit. Sie entschied, ob eine Person erfolgreich das Jenseits erreichen würde, indem sie deren Seele gegen ihre Feder der Wahrheit aufwog und sie war die Personifizierung der kosmischen Ordnung und eine Vertreterin der Stabilität des Universums. Die frühesten Schriften, in denen sie erwähnt wird, reichen mehr als 2.300 Jahre in die Zeit des Alten Königreichs von Ägypten zurück.

Quelle: The Event Chronicle

Von Bryan Hilliard, 3. April 2017

Die ägyptische Kultur basierte auf Ordnung – alles hatte seinen gebührenden Platz in der Welt. Dies beinhaltete die Religion, die Gesellschaft und saisonale Veränderungen. Die Göttin Ma’at kam, um das Konzept der Balance und Ordnung zu repräsentieren, weil viele Ägypter die Welt um sich herum erklären mussten. Sie war diejenige, die die Sterne in Bewegung und die Jahreszeiten im Wandel hielt und die Ordnung von Himmel und Erde verwaltete. Die Gegenkraft hiervon war mit den antiken Begriffen als „isfet“ oder Chaos bekannt. Die alten Ägypter betrachteten die Wüste hinter dem Fluss Nil als chaotisch; wohingegen der Bereich in der Nähe des Nils als geordnet angesehen wurde. Zusammen brachten diese beiden Kräfte eine Balance in die Welt, in der sie lebten und sie waren ein wichtiger Teil des täglichen ägyptischen Lebens.

Ma’at wird üblicherweise in Form einer sitzenden oder stehenden Frau mit ausgebreiteten Flügeln abgebildet, die an ihren Armen befestigt sind. Auf anderen Darstellungen ist sie zu sehen, wie sie ein Zepter in der einen und ein Ankh (das Symbol des Lebens) in der anderen Hand hält. Ihr Denkmal war eine Steinplattform, die ein stabiles Fundament darstellt, auf der Ordnung errichtet war. Ein häufiges, mit ihr assoziiertes Symbol ist eine Straussenfeder, die sie fast immer in ihrem Haar trägt. Oft war die Feder von Ma’at ein markantes Merkmal ihres Kopfschmuckes. Weniger häufige Darstellungen der Göttin zeigten sie ohne Kopf, der stattdessen durch die Feder ersetzt wurde. In anderen Darstellungen brachte die Feder allein ihre Gegenwart zum Ausdruck. Diese Feder ist zum Ausdruck ihres Wesens geworden und genau wie die Darstellung von Gleichgewicht und Ordnung wurde diese eine Hieroglyphe für „Wahrheit“.


Namen von Ramses III.; geflügelte Ma’at kniend über Lilien des Oberen Ägypten. Szene vom Grabmal Ramses III. Von der Künstlerin Tresea Dutertre, 1842. (Wikimedia Commons)


Wandrelief von Maat im östlichen oberen Teil des Tempels von Edfu, Ägypten. Auf ihrem Kopf ist die Straussenfeder zu sehen. (Wikimedia Commons)

Ma’at wurde im altertümlichen Ägypten mit dem Gesetz in Verbindung gebracht. Von der 5. Dynastie an (2510 – 2370 v. Chr.) wurde der für die Justiz verantwortliche Wesir der Priester von Maat genannt und in späteren Zeiten trugen Richter Darstellungen von ihr. Der „Geist von Maat“ wurde vom Vorsitzenden Richter verkörpert, der für die ägyptischen Gerichtshöfe verantwortlich war. Er hatte eine Doppelrolle, indem er sowohl als Priester als auch direkt in den Gerichtshöfen und im Justizsystem arbeitete. Der „Priester von Ma’at“ begann Gerichtsverhandlungen, während er die Feder von Ma’at trug und alle anderen Hofbeamten trugen kleine goldene Darstellungen von der Göttin als Zeichen ihrer richterlichen Autorität und ebenso als Symbol, dass deren Urteil ausgewogen und gerecht wäre. Priester zogen die Feder von Ma’at mit grüner Farbe über ihre Zungen, damit die Worte, die sie sprachen, der Wahrheit entsprachen. Die Priester befanden gemäss dem Gesetz der Natur, das gebrochen wurde, über die weltlichen Strafen.

Die Bestrafungen umfassten eindrucksvolle Bussgelder, körperliche Züchtigung und in extremen Fällen die Todesstrafe. Als Straftat gegen Ma’at wurde es angesehen, wenn eine Person aus Eifersucht, Unehrlichkeit, Völlerei, Faulheit, Ungerechtigkeit und Undankbarkeit handelte. Vom schuldigen Ägypter wurde geglaubt, er hätte den Geist von Ma’at entweiht und würde während der Zeremonie der Rechtfertigung in der Halle der Zwei Wahrheiten weiteren Urteilen in der Unterwelt entgegensehen. Der „Geist von Ma’at“, der in der Weisheitsliteratur genau beschrieben war, umfasste eine praktische Orientierungshilfe mit Beispielen und einigen Regelungen, die in vorangegangenen Rechtsfällen angewandt wurden. Diese Art von Unterrichtstexten werden als „Ma’at-Literatur“ bezeichnet.


Auszug aus dem „Buch der Toten“, das auf Papyrus geschrieben ist und das „Wiegen des Herzens“ und die Feder von Maat als das Mass für das Gegengewicht zeigt. Von einem unbekannten Künstler, 1300 v. Chr. (en.wikipedia.org)

Das Buch der Toten ist eine Sammlung von Bestattungstexten und Zaubersprüchen aus dem historischen Ägypten, um einer Person damit bei der Reise durch die Unterwelt ins Jenseits zu helfen. Man glaubte, dass eine Person ohne diese Zaubersprüche nicht vorankommen konnte. In dem Buch befindet sich eine Zauberformel, die „42 Erklärungen der Reinheit“ oder „Negative Geständnisse“ genannt wird. Dieser Zauber besteht aus Beichten, von denen der Grabinhaber überzeugt war, dass er sie während seines Lebens verübt hatte. Man glaubte, dass jegliche Straftat, die gegen Ma’at begangen wurde, niedergeschrieben werden sollte, damit sie leicht vergeben werden konnte. Die gerichtliche Entscheidung über die Toten, in der Ma’at eine wichtige Rolle spielte, wurde in der Halle von Ma’at getroffen. Die Zeremonie, „Urteil von Osiris“ genannt, wurde nach Osiris benannt, dem Gott der Toten. Wenn die Toten beurteilt wurden, wurden deren Herzen gegen die Feder von Ma’at aufgewogen. Wenn ein ausgewogenes Mass getroffen wurde, wurden die Verstorbenen als würdig erachtet, Osiris im Paradies zu treffen. Die Gewichtslosigkeit ihrer Herzen zeigte an, dass deren Seele nicht mit Sünde und Bösem belastet war. Wenn sich herausstellte, dass das Herz des Toten schwerer war als die Feder von Ma’at, würde es von Ammit, dem Seelen-fressenden Monster verschlungen werden, das mit dem Kopf eines Krokodils, dem Vorderteil eines Löwen und dem Hinterteil eines Flusspferdes abgebildet war.

Andere Götter im Gerichtssaal, die Teil des Tribunals waren und das Wiegen des Herzens beaufsichtigten, wurden auch mit einer Feder in der Hand dargestellt, die Waagen aber repräsentierten immer Ma’at.

Die alten Ägypter verehrten viele Götter, wovon eine natürlich Ma’at war; obwohl ägyptische Archäologen nun glauben, dass sie vielleicht mehr einem Konzept oder einem Ideal entsprach. Es ist sinnvoll anzunehmen, dass ihre Gesetze den Menschen in Ägypten halfen, bessere Persönlichkeiten zu sein und dass sie mit dem Gewissen eines Menschen verglichen werden konnten. Es gab einen kleinen Tempel, der Ma’at von Hatschepsut, dem fünften Pharao der 18. Dynastie von Ägypten am Karnak-Tempelkomplex in Luxor gewidmet wurde – Ägyptens erstem weiblichen Pharao.

Grösstenteils in Trümmern liegend, enthält er immer noch Inschriften von einigen der Wesire von Ramses III. und XI. Ein früherer Ma’at-Tempel existierte in dieser Gegend, der durch Reliefs und Stelen angedeutet wird, welche der Regierungszeit von Amenhotep III. angehören. Der Tempel befindet sich innerhalb des Bezirks von Montu, dem kleinsten der drei Anlagen bei Ipet-Isut.

[Der zweite Artikel über Ma’at folgt nach der Literaturliste.]

Quellenangaben:
“Ancient Egyptian Gods | Ma’at.” Ancient Egyptian Gods | Ma’at. http://www.kingtutone.com/gods/maat/
“Ma’at, Goddess of Egypt.” Egyptian Goddess Maat ***. http://www.landofpyramids.org/maat.htm
Seawright, Caroline. “Ma’at, Goddess of Truth, Balance, Order.” Ma’at, Ancient Egyptian Goddess of Truth and Order.
“Ancient Egypt: The Mythology – Feather.” Ancient Egypt: The Mythology – Feather. http://www.egyptianmyths.net/feather.htm
“Ancient Egypt: The Mythology – Ma’at.” Ancient Egypt: The Mythology – Ma’at. http://www.egyptianmyths.net/maat.htm
Featured Image: This artwork, realized in 1998 by the Veronese painter Davide Tonato, is an interpretation of the traditional attributes of Maat, Egyptian Goddess of the justice. (Wikimedia Commons)


Die Göttin Maat

Quelle – Osiris, Von Thierry Benderitter, 2015


Gerechtigkeit und Wahrheit, Ordnung und Fairness: Maat ist die Basis der ägyptischen Zivilisation.

Es ist in den religiösen, kosmischen, politischen, sozialen und persönlichen Sphären gegenwärtig, dass, wie Jan Assmann erklärte „wenn von Maat gesprochen wird, ein Überblick der ägyptischen Zivilisation als Ganzes geschaffen wird“.

Es ist vorteilhaft, zuerst zwei Aspekte des Konzeptes von maat zu erkennen: die irdische maat (mit kleinem m) und die Göttin Maat (mit grossem M) – ein orthografischer Unterschied, der in der Praxis oftmals übersehen wird.

Der Ursprung des Wortes wird immer noch diskutiert; er bezieht sich auf das Verb „ maâ“, „lotsen“, was zum nautischen Vokabular gehört und in den Texten mit dem Atem oder dem Nordwind verwandt ist; mit einer grundlegenden Nebenbedeutung (göttlicher Odem) und einem korrekten Beibehalten des Kurses (Rechtschaffenheit).

Maat ist das Herzstück für das Verstehen der ägyptischen Zivilisation in ihrer Gesamtheit und die Basis ihre Langlebigkeit. Sie wird mit Ethik verbunden und damit verwechselt (einschliesslich Recht und Wahrheit), mit universeller Ordnung (kosmischer, sozialer Ordnung und politischer Ordnung) und mit sozialer Eingliederung, basierend auf Kommunikation und Vertrauen.

Als Grundlage der ägyptischen kulturellen Identität ist maat die bedeutende Schöpfung der Denker des Alten Königreiches. Sie ist es, die letztendlich einen ideologischen Rahmen für den Pharaonenstaat bietet – beides auf der Rechtfertigungsebene seiner Existenz und damit nach den Regeln, die eine gute Regierung definieren.

Freie Rede vs. Political Correctness – Ohne Diskussionen können die sozialen Probleme nicht gelöst werden

Wir wüssten jedoch nicht, was dieses Prinzip beinhaltet, wenn nicht eine Unterbrechung stattgefunden hätte. Diese Unterbrechung, welche der Zerfall am Ende des Alten Königreiches ist, der zentralisierten Einheit des Landes, die vom König verkörpert wurde. Dann die Entstehung von zahlreichen lokalen Mächten, die sich das Hoheitsgebiet während mehrerer Jahrhunderte teilten (die erste Übergangsperiode).

Die Unruhen und die gesellschaftliche Anarchie, die daraus resultierten, kennzeichneten zutiefst die ägyptische Vorstellungskraft. Durch die Not war klar, dass ausformuliert und erklärt werden musst, was in der früheren Zeit offensichtlich war.

Diese Gedanken sind in der literarischen Gattung zu finden, deren erste Schritte bis in die 3. Dynastie zurückdatieren und welche das Verhalten Einzelner betreffen: die weise Literaturwissenschat mit ihren Lehren.

Sie drückt sich auch durch einen neuen Literaturtyp aus, angemessen für die schwierige Nullpunktperiode: die Klagen oder die pessimistische Literatur. Letztere betrifft mehr die Gesellschaft als den Einzelnen. Das gleiche gilt für eine dritte Art, die Briefe eines Königs an seinen Sohn, die zum ersten Mal konkrete Vorschläge zur Regierung von Menschen machen.

Maat, die Basis des gesellschaftlichen Zements

Das Reich der Mitte wird als die Wiederherstellung der politischen und sozialen Einheit des zweifachen Staates verstanden, wiedervereinigt um das zentrale Konzept von maat. Es ist die „Geschichte von Oasis“ (oder dem redegewandten Landsmann), welche maat zu dieser Zeit am besten zusammenfasst.

Die neun Fürbitten, mit denen ein gewiefter Landsmann sich an seinen Richter wendet, liefern die drei grundlegenden Haltungen eines vorschriftsmässigen Verhaltens nach maat: für die faule Person gibt es kein Gestern, keinen Freund für den, der taub gegenüber maat ist und kein Fest für den Gierigen.

(1) Faulheit – maat erzeugen

Faulheit ist die Abwesenheit von Handlung, sie ist Trägheit. Für den Ägypter müssen alle Handlungen eine Reaktion in einer verzahnten Verbindung vergangener Handlungen (gestern) einleiten, um Handlungen darzustellen. Es ist erforderlich für denjenigen der handelt, wirklich zu handeln und das aus einem sehr deutlichen Grund: um ihm zu raten, tätig zu bleiben.

In einer Gesellschaft, in welcher der Lebensunterhalt des Einzelnen Tag für Tag erwirtschaftet wird, in einem aufwändigen zwischenmenschlichen Gewirr, kann die kleinste Unordnung das Überleben der Menschen oder die Funktionalität der administrativen Maschine gefährden. Nicht zu vergessen das Gute, das getan wird – es ist die Basis von Vertrauen. Es ist eine Solidarität des Fortbestands, das auf einem Abhängigkeitsverhältnis basiert, verkörpert durch maat.

(2) Taubheit gegenüber maat – an maat berichten

Die grösste Weisheit gemäss dem alten Ägypten ist es, zu wissen wie man in der Stille hört, über das empfangene Wort nachzudenken und somit zu handeln. Es ist nicht überraschend, wenn sich jemand der Wichtigkeit der Sprache bewusst ist, der geäusserten Worte, die eine lebende Substanz, eine wahre Nahrung sind. Soziales Leben ist nur durch den Austausch stimmiger Reden möglich, die nur die Einbeziehung all jener in Kräftespiele gestattet, welche auf das Vertrauen in Prozesse basieren, die erreicht werden sollen.

Der Taube, der dem anderen nicht zuhört, ist der Unempfängliche, der Gleichgültige. Daher hat er keine Freunde und ist nicht in die Gesellschaft integriert. Wenn jemand auf der Ebene des Einzelnen oder der Gesellschaft nicht mehr kommuniziert, dann ist dies Gewalt und das Gesetz des Stärkeren, das aufgestellt wird. Dies wird in dem „Dialog des verzweifelten Mannes und seine Seele“ gut dargestellt, ein weiterer klassischer Text aus dem Mittleren Königreich.

(3) Gier

Für den Ägypter ist es eine Eigenschaft des Herzens, auf die man keinen Einfluss hat; die Weisen sagen, dass es eine unheilbare Krankheit sei.

Sie ist in zweifacher Hinsicht negativ:

– für den Einzelnen: tatsächlich sammelt ein Mensch während seines Lebens zur Zeit der Feste eine subtile „Energie“ an, die mit der Lebensfreude in Verbindung zu stehen scheint. Er nährt sein Ka, seinen unkörperlichen Doppelgänger. Derjenige, der nicht glücklich sein kann, fügt seinem eigenen Ka Schaden zu.

– für die Gesellschaft: Egoismus, der Wunsch nach Besitztum und Neid ziehen die Zerstörung sozialer Beziehungen nach sich. Diejenigen, welche den plündern, der für sie gearbeitet hat, entziehen ihm den Lebensunterhalt, bringen ihn in Gefahr und diese Tatsache ist der Verursacher für Gewalt.

Zusätzlich unterbricht der Mensch das dynamische Interaktions-System der Gesellschaft und wird wieder Gewalt erzeugen, während er versucht, seine Abhängigkeit vom anderen zu beenden, damit er sich individualisiert. maat steht für Ehrlichkeit, Wohltätigkeit, die Abwesenheit von Neid und korrekt vergütete Arbeit.

Maat und das Grabmal

Das Ziel des Ägypters der Oberschicht ist es, ein Grabmal-Besitzer zu werden, ein Imakhu (was an sich der handfeste Ausdruck seines sozialen Standes von „gut versorgt“ ist). Das setzt voraus, dass zahlreiche Bedingungen erfüllt sind:

– eine einträgliche Aufgabe („ein gut bezahlter Job“) und königliche Berechtigung.

– eine teure Post-Mortem-Verehrung, die entweder eine gewisse Art von Abstammung unterstellt oder der von spezialisierten Priestern, auf jeden Fall von bedeutendem Einkommen.

– ein guter gesellschaftlicher Ruf. Drei Sicherheitsbedingungen werden daher gestellt, um die Menschheit moralisch dazu zu zwingen, sich anständig zu benehmen:

– Die Erfahrungsweisen werden korrekt ausgefüllt, um königliche Gunst zu erlangen.

– Ein Testament muss aufgesetzt und Güter des Verstorbenen an seine Erben weitergegeben worden sein; dies geschieht nicht automatisch. Es ist erforderlich, dass das Testament (versiegelt) vom Wesir persönlich genehmigt wurde, der enterben kann, falls Güter unrechtmässig erworben wurden.

– Der gute Leistungsnachweis, der der Gruppe hinterlassen wurde, damit die Kapelle instand gehalten und nicht beschädigt wird – und die geäusserten Rezepturen des Lebens.

Es ist unerlässlich, von seinen Hinterbliebenen viel geliebt zu sein (es geht nicht darum, einander zu mögen!). Diese mühevolle Aufgabe setzt voraus, dass man dem Weg der Verbundenheit gefolgt ist, der von maat empfohlen wird.

Die Biografien in den Grabmalen geben genau an, dass man jenen gab, die bedürftig waren (Brot, Bekleidung, Boote…), dass man keine sprachliche Sünde begangen hat (Skandalgeschichten verbreiten, üble Nachrede…) und dass man wahre Gerechtigkeit walten liess.

Es geht um ein unpersönliches Portrait, das die Anpassung an die allgemeinen Vorschriften und maat wiedergibt und welches von der „professionellen“ Karriere getrennt ist.

Die Weiterentwicklung von Konzepten

Diese Konzepte entstanden während der zahlreichen Geschichtsepochen.

(1) Im Alten Königreich

Maat vermischt sich mit dem Willen des Königs, der die Dienste der Menschen voraussetzt. Es geht nicht um die Karriere, da diese spontan und an Ehrgeiz gebunden ist. Karriere im Dienste des Herrschers und maat sind daher klar voneinander getrennt, bilden aber eine unverzichtbaren Gegensatz.

(2) In der Ersten Übergangsperiode

Nach dem Fall der Monarchie des Alten Königreiches existiert keine Karriere mehr im Dienste des Königs. Nur ein tugendhaftes Leben konform mit maat kann zur Unsterblichkeit führen.

Gerade das Wort maat jedoch, das von den Ägyptern weiterhin mit dem König und dem Staat identifiziert wird, verschwindet von den Inschriften.

Die Tugendhaftigkeit des Menschen ist nun das eigentliche Denkmal: ein guter Charakter ist ein Denkmal; es ist ein Ehrenmal, gut zu sein; der Menschheit Ehrenmal ist ihre Tugendhaftigkeit.

Ein grösseres Bedürfnis nach einem Grabmal oder einer königlichen Karriere. Könnte es sein, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ebenfalls eine Rolle bei dieser neuen Vision spielten, weil sehr wenige Menschen während dieser Zeit Zugang zu einem glaubwürdigen Denkmal hatten?

(3) Im Mittleren Königreich

Dank der Literatur, die als „Propaganda“ bekannt ist (ein ungeeigneter Begriff, ist aber in Ordnung), führt das Königreich die traditionelle Vorstellung von maat wieder ein – Dienst für den König als Notwendigkeit des Überlebens.

Dies wird den Notwendigkeiten der Tugend und der Grabstätte hinzugefügt. Grabmal und maat werden untrennbar.

(4) Danach und insbesondere während des Neuen Königreichs

Nach dem Fall des Mittleren Königreichs und der Invasion der Hyksos zeigte die zweite Übergangsperiode, dass es nicht möglich war, sich einer stabilen irdischen Welt sicher zu sein, in der maat, ohne zu teilen, regieren konnte.

Dies hat eine grosse Auswirkung auf das Jenseits: es kann nicht länger eine simple Fortsetzung irdischen Lebens sein. Der Verstorbene kann sich nicht mehr mit dem Überleben begnügen. Er muss in einen anderen Zustand übergehen, in den eines unsterblichen lebenden Gottes in das Königreich von Osiris.

Dafür benötigt der Tote seinen Neuzustand – Übergangsrituale sind erforderlich: diese werden die „Beurteilung des Toten“ sein (unter anderem das Öffnen des Mundes für die Beerdigung, … dies sind ebenfalls Rituale des Übergangs).

Die Beurteilung der Toten begründet ein wichtiges Initiationsritual, da es ein göttliches Gericht ist, das den Übergang zum unsterblichen Teil des Menschen erlaubt – repräsentiert durch sein Ba (unpassend, aber aus Mangel eines besseren Wortes übersetzt als Seele). Da er zwischen den Welten wandelt, wird Ba als Vogel mit menschlichem Kopf dargestellt.

Die Lehren von Merikare geben uns etliche Auskünfte zum Gericht: „Das Gericht ist weder schonend, noch ist es für die Ewigkeit; das, welches da ist und derjenige, der dort ohne Vergehen seinerseits ankommt, wird als ein Gott dort sein.“

Diese neue Darstellung ist als etwas übersetzt, worin der Mensch für seine eigenen Handlungen verantwortlich ist, die ihm von seinem Herzen vorgeschrieben werden.

Im traditionellen Begräbnistext, der so weit wie das Alte Königreich zurück datiert, spielt Magie eine dominante Rolle; man schreitet mit der Ausgestaltung der Aktionen voran, die mit maat zu tun haben. Man verschlüsselt sie auf diese Weise systematisch, gibt ihnen das bekannte Kapitel 125 im Buch der Toten – jenes, welches die berühmte „Bekanntgabe der Schuldlosigkeit“ enthält.

Diese „Bekanntgabe der Schuldlosigkeit“ ist in Form einer Liste von Negativen zusammengefasst, welche besagt, dass alle Handlungen, die als nicht übereinstimmend mit Maat betrachtet werden, eine Angelegenheit für Isfet („Chaos“) sind, dem Gegenteil von Maat.

Es geht, neben anderen Dingen, darum, nicht getötet, gestohlen, misshandelt, Gott gelästert, die Grenzen überschritten zu haben, etc. Damit kann der Verstorbene „von seinen Sünden abgetrennt“ werden, um sich selbst zu reinigen.

Wenn sein Herz im Gleichgewicht mit der Feder von maat ist, dann ist er in der Lage, in die Welt der Götter eingeführt zu werden; er wird ein „maa-kheru“, was „der Stimme gerecht“ bedeutet, aber auch jemand, der versorgt ist, für den auf Erden immer noch jemand agiert.

Beachtet, dass das Herz nicht leichter als die Feder sein darf, ansonsten würde es andeuten, dass es während des irdischen Lebens einen Mangel des Handelns gegeben hat, eine „Verfehlung“ so schwerwiegend wie die Ansammlung von schlechten Taten.

Warum wurde die Straussenfeder (Hieroglyphe Gardiner H6 ) als Symbol für die Göttin maat gewählt? Weil es die einzige Vogelfeder ist, die auf beiden Seiten ihrer zentralen Achse gleich breit ist (Larousse.fr), was Fairness nahelegt; und die kleinste Bewegung oder ein Windhauch wird sie mit Leben erfüllen. Diese letzte Eigenschaft macht sie tatsächlich gleichermassen zu einem Attribut des Gottes Shu, der den Raum zwischen Himmel und Erde repräsentiert, die Atmosphäre (der Name einer Feder im Ägyptischen „shut“ legt auch diesen Vergleich nahe).

Des Weiteren bestätigen Osiris und das göttliche Gericht nur die Beurteilung, welche die Gesellschaft mit dem Verstorbenen verknüpfte, indem sie ihn mit einem Grabmal, einem Buch der Toten und all den zusätzlichen materiellen Dingen versorgen liess. Da maat den Menschen in die menschliche Gesellschaft integrierte, fügte sie ihn in göttliche Gesellschaft ein; er wird ein Mitglied der Gemeinschaft der Götter und hat Zugang zu Brot – zum Bier an der Tafel von Osiris.

Maat wird dadurch ein notwendiger Zustand, nicht nur für ba ein Erfolg im irdischen Leben, oder um eine Spur im kollektiven Gedächtnis zu werden, sondern um gleichermassen die Prüfung der Balance des letzten Gerichts zu schaffen.

Die grossartige und wirklich neue Idee, die auftaucht ist die, dass es notwendig sein wird, seine Handlungen im Jenseits zu rechtfertigen.

Es ist dieses moralische Fundament, das von der jüdisch-christlichen Tradition fortgesetzt wird, sogar wenn es dies nicht auf genau die gleiche Art hören will.

Maat die Göttin

Seit den Texten der Pyramiden wird Maat in der 18. Dynastie die Tochter von Atum-Re, die mit Tefnut verschmilzt, die Achtung gebietende Löwin, welche mit einer Sonnenscheibe dargestellt wird.

Maat repräsentiert daher in einem ihrer anderen Aspekte eine gefährliche Göttin. Maat-Tefnut und ihr Bruder Shu sind Naturgesetze, die einstmals Vorrang hatten und dann zur gleichen Zeit wie der Schöpfergott Atum-Re auftauchen. In einer Passage der Sarkophag-Texte sagt Gott: „An den, der lebt: Tefnut ist meine Tochter, die mit ihrem Bruder Shu existieren wird. Er wird Leben genannt. Sie wird Maat genannt.“ Maat gestaltet die Welt, indem sie ihre Erscheinung rechtfertigt.

Maat repräsentiert den beständigen Erfolg des Kosmos, der jeden Tag seine erneuerte Präsenz am Schiffsbug der solaren Barke bekundet. Diese Fortdauer unterstellt eine gleichmässige Leistung, die eine Zusammenarbeit der Götter und der Menschen durch den Mittelsmann, den König, erfordert. Die Vereinigung von Re und Maat, welche Uräus deutlich bezeugt, erklärt die beständige Umarmung der Sonne, während Maat als Nahrung, Trank und Balsam des höchsten Gottes dargestellt wird. Kurz gesagt, alles was vorteilhaft für ihn ist und ihn am Leben lässt, ist Maat.

Also gibt Maat, Tochter von Atum-Re, ihrem Vater das zurück, was er ihr gab. Das bildet die Basis des ägyptischen Opfers: man gibt Gott das zurück, was er gegeben hat.

Man ruft Maat „ins Leben“ durch die göttliche Rezitation von Gebeten in einem unermüdlichen Bestreben, in dem einer dem anderen zuhört, in dem einer für den anderen handelt. Auf diese Weise verflechten sich das soziale und das kosmische Leben miteinander: sie sind die Reflexion des jeweils anderen.

Wenn die zivile Gesellschaft nicht länger gemäss der Norm funktioniert, ist das gesamte Universum bedroht. Also wird Apophis, der stets die Personifizierung des drohenden Chaos darstellt, im Jenseits nicht vernichtet; es ist die zivile Gesellschaft, die desorganisiert sein wird (Krieg, Rebellion…) und welche die Monarchie destabilisiert.

Maat und der Pharaonenstaat

Die Struktur der göttlichen Welt, sowie die der menschlichen Welt, sind pyramidenförmig.

Der Schöpfer und Sonnenverwalter des Himmels muss dem Pharao, dem Verwalter des Landes gegenüber Rechenschaft ablegen. Der König ist eingesetzt, um zu vollbringen (seh-kheper), maat durchzusetzen (se-mn) und Isfet („Chaos“) zu vernichten. Er stellt damit die Bedingungen sicher, sodass der einfache Sterbliche auf seinem Niveau von maat sprechen und maat vollbringen kann, was für das irdische Leben unverzichtbar ist.

Maat durchzusetzen, ist jedoch kein natürliches Phänomen, weil die spontane Tendenz der Dinge Verfall darstellt, also Entropie, oder Isfet. [Die Entropie ist ein Mass für die Unordnung in einem System und die damit verbundene Anordnungsmöglichkeit der Teilchen in einem System.] Dies ist erkennbar in der Unordnung, der Gewalt, dem Gesetz des Stärkeren, der Abwesenheit der unverzichtbaren Organisation, um ein zukunftsfähiges und florierendes ägyptisches Land zu erschaffen.

Es ist die Rolle des Pharao und des Staates, um jeden Preis gegen diese spontane Tendenz anzukämpfen, desorganisiert zu werden.

Dieser ägyptische Staat, der auf diese Weise präsentiert wird und der uns zu erdrücken erscheinen mag, hat daher das Ziel, das Leben von Menschen und Göttern möglich zu machen.

Deshalb betrifft das Hauptopfer, das der König den Göttern unterbreitet und was so oft repräsentiert wird, die Opfergabe für maat. In einem sehr traditionellen Konzept der Wechselwirkung gibt er Nahrung an die Göttlichkeit zurück, die im Gegenzug dadurch ihre Funktion rechtfertigt.

Während der Zeit von Amarna änderte sich die Bedeutung, die maat von Akhenaton erhalten hat. Ich behandelte diesen Aspekt vor einiger Zeit in meinem Artikel über Akhenaten und seine Zeit, wohin ich jetzt überleiten möchte.

Die Tyrannei von Maat?

Maat trug viel dazu bei, eine menschliche Welt zu errichten und sie erscheint uns als ein sehr hohes Ideal, deren Entstehung zu so einer alten Zeit aussergewöhnlich ist.

Aber maat hat nicht nur eine positive Seite, zumindest von unserem modernen Blickwinkel im Westen aus betrachtet. Tatsächlich könnte man die Tyrannei von maat als die Globalisierung und die anti-individualistische Tendenz bezeichnen, die diesen Plan befördert.

Maat ist der absolute Bewahrer, die Verneinung jeglicher sozialen Entwicklung; es ist der gehorsame Mensch, der auf seinem Platz bleibt. Der Einzelne erscheint nicht als solcher. Er war nur ein Link eines globalen Sozialgefüges, mit dem er aufgefordert wurde zu verschmelzen. Jeder Versuch, den Stand der Dinge zu verändern ist nicht nur gefährlich für die Gesellschaft, sondern für den Kosmos selbst. Maat, als Konzept entspricht daher perfekt der ägyptischen Gesellschaftsrealität, die aus Gegenständen (und nicht aus Bürgern) zusammengesetzt ist und welche von einem allgegenwärtigen Staat dominiert werden.

Maat und die persönliche Religiosität

Zum Ende des Neuen Königreiches beginnt in Ägypten wieder eine Zeit des Ärgers.

Die Texte zeigen, dass es eine Zeit von Instabilität und grossem Leid ist, welche die Vorstellung des traditionellen maat beschädigt.

Das persönliche Schicksal des Menschen vor ihrem Gott wird dann allmählich vom Schicksal des Menschen verdrängt, der in eine perfekte Gesellschaft integriert wird.

Während eines späteren Zeitraumes wird das Auftreten einer Vorstellung von einem persönlichen Gott und besonders einer persönlichen Frömmigkeit die Totenglocke für maat läuten, weil die beiden Konzepte unvereinbar sind.

Tatsächlich ist die Menschheit nicht länger auf ihre Beziehung mit anderen angewiesen, sondern auf den Willen des Gottes. Es ist letzterer und nicht der König, der maat etabliert und was nun wie ein göttliches Geschenk erscheint. Der Mensch platziert nun Gott in seinem Herzen, sagt der Text. Er ist vor ihm verantwortlich, aber noch mehr vor der Gemeinschaft. Dadurch erscheint der Einzelne alleine mit Gott konfrontiert zu sein, was eine drastische Verneinung des traditionellen maat darstellt, das die Tendenz des Individualismus bekämpfte.

Schliesslich ist es die Religion im jüdisch-christlichen Sinne, das Eindringen der Überlegenheit, die das Verschwinden von maat zur Folge hat.

Dieses Verschwinden mag bedauerlich sein und wird eine wichtige Konsequenz haben: künftig wird, um den sozialen Zusammenhalt zu erhalten, eine andere Erfindung nötig sein, aber das wird nicht die ägyptische Bruderschaft sein.

Literaturverzeichnis:

Zahlreiche Arbeiten beziehen sich auf maat. Hier sind einige der neuesten und einfach zugänglichen. Ihr werdet eine detailliertere Liste auf deren eigenen Seiten unter den Quellenangaben finden.

– ASSMANN Jan : „Maât, l’Égypte et l’idée de justice sociale“, Julliard, 1989

– ASSMANN Jan : „The search for God in Ancient Egypt“, Cornell University press, 2001

– ASSMANN Jan : „Mort et au-delà dans l’Égypte Ancienne“, Le Rocher, 2003

– GOYON Jean-Claude : „Rê, Maât et Pharaon, ou le destin de l’Égypte antique“, A.C.V., 1998

– GOYON Jean-Claude : „Rituels funéraires de l’ancienne Égypte“, Cerf, 2004

– MEEKS Dimitri, FAVARD-MEEKS Christine : „La vie quotidienne des dieux égyptiens“, Hachette, 1993

– MENU Bernadette : „Maât, l’ordre juste du monde“, Michalon, 2005

– REDFORD B (& al) : „The Oxford Encyclopedia of Ancient Egypt“, AUPC, 2001

– RENAUD Odette : „Le dialogue du désespéré avec son âme“, Cahiers de la société d’Egyptologie, vol , Genève, 1991

– WALLIS BUDGE E.A. : „The Gods of the Egyptians“, Dover publications, 1969 (2 vol)

– WILKINSON Richard : „Reading Egyptian art“, Thames & Hudson, 1992

– WILKINSON Richard : „The complete Gods and Godesses of Ancient Egypt“, Thames & Hudson, 2003
_________________________

Quellen:
http://www.osirisnet.net/dieux/maat/e_maat.htm

Kommentar veröffentlichen