2017-05-26

Manchester, MI6, Al-Qaïda, Daesh und die Abedi


Nach Angaben von Scotland Yard wurde das Attentat gegen die Besucher des Konzertes von Arlana Grande in der Arena von Manchester am 22. Mai 2017, von Salman Abedi verübt, von welchem man glücklicherweise eine Bank-Karte in der Tasche der zerfetzten Leiche des "Terroristen" gefunden hat.

Dieses Attentat wird generell als Beweis dafür herausgestellt, dass das Vereinigte Königreich (GB) nicht in den internationalen Terrorismus eingebunden sondern, ganz im Gegenteil, dessen Opfer sei.

Salman Abedi wurde im Vereinigten Köngreich in einer Familie libyscher Einwanderer geboren. Er hat sich, ob mit oder ohne seinen Vater, im Lauf der letzten Monate mehrfach nach Libyen begeben.

Dieser letztere, bei welchem er wohnte, Ramadan Abedi, ist ein ehemaliger Offizier des libyschen Geheimdienstes. Er war spezialisiert auf die Überwachung der islamistischen Bewegung, aber zwei Jahrzehnte später hat er nicht wahrgenommen, dass sein Sohn sich zu Daesh geschlagen hatte.

1992 wurde Ramadan Abedi vom MI6 zurückgeschickt und beteiligte sich an einem Komplott der Krone, welcher darauf abzielte Muamar Gadhafi zu ermorden. Nachdem die Operation entdeckt worden war, wurde er vom MI6 ausgeschleust und in das Vereinigte Königreich verbracht, wo er politisches Asyl erhielt. Er siedelte sich 1999 in Whalley Range (Süden von Manchester) an, wo die kleine Gemeinschaft libyscher Islamisten des Vereinigten Königreiches residiert.

1994 kehrte Ramadan Abedi im Auftrag des MI6 erneut nach Libyen zurück. Er beteiligte sich Ende 1995 an der Gründung der "Groupe islamiste combattant en Libye" (GICL) [Islamistische Kampfgruppe in Libyen], lokaler Ableger von Al-Kaida an der Seite von Abdelhakim Belhaj. Die GICL wurde schließlich vom MI6 gegen ein Entgelt von 100.000 Pfund Sterlling mit der Ermordung von Muamar Gadhafi beauftragt. Diese Operation, welche auch scheiterte, provozierte heftige Debatten innerhalb der Dienste Ihrer Majestät, sowie den Rücktritt unseres Freundes David Shayler.

Zahlreiche "alte Mitglieder" des GICL haben ebenfalls in Whalley Range gelebt, darunter der Freund der Abedi, Abd al-Baset Azzuz. Letzterer schließt sich 2009 Al-Kaida in Pakistan an und wird einer der engsten Mitarbeiter von Chef Ayman al-Zawahiri. 2011 beteiligt er sich am Boden an der Operation der NATO gegen Libyen. Am 11. September 2012 dirigiert er die Operation gegen den Botschafter der USA in Libyen, J.Christopher Stevens, ermordet in Benghazi. Er wird in der Türkei verhaftet und im Dezember 2014 an die USA ausgeliefert, wo er auf seinen Prozess wartet.

Es ist unbekannt, ob Ramadan Abedi 2005 die Mitglieder des GICL aufgesucht hat um Al-Kaida im Irak bilden und ob er, 2011, an der Operation des MI6 des "Arabischen Frühlings" teilgenommen hat, genauso wie seine Unterstützung des GICL am Boden als Verbindungsmann zur NATO. Wie auch immer, er ließ sich nach dem Sturz Gaddafis in Libyen nieder und holte seine Familie nach, wobei er seine Enkel im Haus der Familie von Whalley Range beließ.

Nach Aussage des ehemaligen spanischen Premierministers, Jose Maria Aznar, war Abdelhakim Belhaj an den Attentaten von Madrid am 11. März 2004 beteiligt. Später wurde er vom CIA heimlich in Malaisia verhaftet und nach Libyen transferiert, wo er gefoltert wird, nicht von libyschen oder US Beamten, sondern von Agenten des MI6. Er wurde schließlich nach dem Abkommen zwischen Saif el-Islam, Gaddafi und den Dhihadisten frei gelassen. Während des Libyen-Krieges kommt Belhaj, der sich in Katar im Exil befindet, in einem Jet des Emir’s zurück nach Libyen und befehligt in direkter Verbindung mit der NATO die Bodenoperationen. Am 28. Juli 2011 organisiert er die Ermordung General Abdelfattah Yunes, der vorgibt sich zu den "Rebellen" geschlagen zu haben, dem er aber vorwarf in den 90er Jahren den Kampf gegen die GICL befohlen zu haben. Im September 2011 wird Belhaj von der NATO zum Militärgouverneur von Tripolis ernannt. 2012 gründet er, sekundiert vom Irländer Mahdi al-Haraii, die Freie syrische Armee und kommt nach Libyen zurück. Am 2. Mai 2014 wird er im Quay d’Orsay (Regierungssitz in Paris) empfangen.

Im Dezember 2013, nach der Entdeckung eines Briefes seines ehemaligen Chefs vom MI6 in den Archiven der arabisch libyschen Jamahiriya, strengt er in London einen Prozess gegen das Vereinigte Königreich an, weil es ihn neun Jahre zuvor entführt und gefoltert hat. Die britischen Geheimdienste hören daraufhin seine Anwälte illegal ab und sind schließlich gezwungen diese Aufzeichnungen vernichten zu müssen. Nach dem Generalstaatsanwalt von Ägypten, Hichem Baraket, wird Belhaj im Mai 2015 der Haupt-Führer von Daesh in Nord-Afrika; eine Information, die von Interpol übernommen wird. Belhaj richtet für Daesh in Libyen drei Trainingslager, in Derna (im ehemaligen Besitz von Abd al-Baset Azzuz), in Syrte und in Sebrata ein. Im Oktober 2016 strengt er einen neuen Prozess in London an in Bezug auf seine Entführung und die erlittenen Foltern, dieses mal direkt gegen den Direktor des MI6, Sir Mark Allen.

Daesh hat das Attentat von Manchester für sich reklamiert, aber ohne dabei Salman Abedi als "Märtyrer" zu qualifizieren. Nach dem Attentat hat Ramadan Abedi, gegenüber Journalisten, die ihn anriefen, seine strikte Ablehnung des Dihad bekräftigt. Gleichfalls hat er versichert, dass sein Sohn beabsichtigte den Monat des Ramadan mit ihm in Libyen zu verbringen und dass er überzeugt von seiner Unschuld sei. Auf Bitte des Vereinigen Königreiches wurde er von einer libyschen Polizei zur Ordnung gerufen.

Übersetzung
Ralf Hesse

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