2017-07-08

KenFM im Gespräch mit: Gunther Moll ("Hallo, hier spricht mein Gehirn")


Prof. Gunther Moll ist Kinderpsychiater an der Universitätsklinik Erlangen. Hier leitet er seit über zehn Jahren die Kinder- und Jugendabteilung für psychische Gesundheit.

Moll hat selber fünf Kinder, ist also auch dann noch mit der Zielgruppe seines Berufes in Kontakt, wenn die Arbeit ruht.

Das merkt man. Prof. Moll ist politisch engagiert und fordert die Bundesregierung immer wieder dazu auf, Politik nicht für, sondern MIT Kindern zu gestalten. Das ist bitter nötig, denn auch in einem der reichsten Länder der Erde, der BRD, leben zwei Millionen Kinder unterhalb der Armutsgrenze. Das hat Konsequenzen für ihr ganzes Leben.

Prof. Moll ist der Autor mehrerer Bücher, die sich vor allem mit der Gehirn-Entwicklung des Kindes beschäftigen. 2012 veröffentlichte er zusammen mit seinem Sohn die Broschüre „Die Kinderwagen-Revolution“. Es geht um Menschenrechte, die, so Moll, keine Empfehlung sind, sondern Verpflichtung für die Politik.

Wer sich wie Prof. Moll tagtäglich mit schwer psychisch erkrankten Kindern beschäftigt, stößt dabei permanent auf eine der Hauptursachen. Es ist unser genereller Umgang mit dem eigenen Nachwuchs. Kinder gelten in Deutschland sehr oft als Störfaktor. Wer Kinder hat, ist nicht "flexibel" genug, um im Neoliberalismus bestehen zu können.

Was ist von einer Gesellschaft zu halten, die die eigenen Nachkommen daher immer häufiger an die Verhältnisse "anpasst" und Kinder mit Medikamenten ruhigstellt?

Wie muss man es bewerten, dass Kinder, die nicht kindgerecht aufwachsen, da sie z.B. unter Bewegungsmangel leiden, von der Pharma-Industrie als höchstprofitable Kunden vermarktet werden und dabei auch noch von der Politik unterstützt werden?

Wer wie Prof. Moll diese Fakten benennt, bekommt sehr schnell Probleme und wird verleumdet, denn er gefährdet ein Milliarden-Geschäft mit dem "Dauerpatient" Kind.

Prof. Moll redet im Gespräch mit KenFM nicht um den heißen Brei. Er will, dass die Opfer dieser Politik, Kinder, endlich zu Wort kommen:

„Wenn erst einmal ein paar 14-Jährige im Bundestag sitzen, dann wird unsere Demokratie erst lebendig“.

Wäre das so, dann hätten wir in diesem Land mehr Lehrer, kleinere Klassen und Schulen, die nicht aussehen, als könnte man sich ihre Instandhaltung nicht leisten. Wie immer hängt es am Geld, das erst fließt, wenn Kinder in Behandlung müssen.

Parallel plant unsere Regierung, 70 Milliarden in Rüstung zu investieren, während die Kinder von Hartz IV-Empfängern sozial auf dem Abstellgleis landen. Hier ist Krankheit vorprogrammiert. Das ist kein Zufall, das hat System.

Prof. Moll legt als einer der renommiertesten Kinder-Psychiater der Bundesrepublik Deutschland den Finger in die Wunde.

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