2018-05-30

Anima und Animus: Die Beziehung zwischen innerem Mann und innerer Frau


von Silvia Ehl für sein.de

In jedem Menschen stecken Anima und Animus. Wir können das männliche und weibliche Prinzip in uns entdecken, heilen und Partnerschaft endlich erfüllt leben.

Wir geben unserer Lebenskraft Ausdruck durch zwei sich ergänzende und doch höchst unterschiedliche Energien – die männliche und die weibliche. Wenn Anima und Animus sich in der Balance befinden, leben wir kreativ, natürlich und in unserer Kraft. Der weibliche Anteil ist das intuitive Selbst, die Quelle der höheren Weisheit in uns, der rezeptive Wesensanteil, der die kosmische kreative Energie empfängt. Er wird durch einen schöpferischen Impuls inspiriert und drückt sich durch Eingebungen, Bilder, Gefühle aus, die aus dem Tiefsten unseres Inneren stammen.

Unser männlicher Anteil ist die Fähigkeit, in der physischen Welt zu denken, zu sprechen, zu handeln und uns zu bewegen. Er setzt diese kosmische Kraft in der physischen Welt um, bringt den weiblichen Impuls durch eine Handlung in der Welt zum Ausdruck. Ohne das Männliche ist das Weibliche in der Welt hilflos. Die Kraft der weiblichen Energie kann sich ohne die männliche Aktivität nicht in der Welt entfalten. Jeder Mensch trägt männliche und weibliche Energien in sich. Beide Energien voll zu entwickeln, so dass sie harmonisch zusammenwirken können, ist die große Herausforderung. Oft ignorieren wir, was diese unterschiedlichen Energien uns sagen wollen, weil wir nicht gelernt haben, ihnen zuzuhören. Dies erschafft einen Zustand des Ungleichgewichts und wir benutzen dann nur eine Hälfte all der Energie, die uns zur Verfügung steht, limitieren unsere kreativen Möglichkeiten und erfahren Stress und Erschöpfung.

Die innere Frau …

… ist deine weibliche Energie. Sie zeigt sich durch Intuition, innere Eingebungen, Bilder, Gefühle, spirituelles Bewusstsein, Kreativität, Liebesbewusstsein, Frieden, Weichheit, Natürlichkeit, innere Stärke, Hingabe, Lebensfreude und Sinnlichkeit. Die innere Frau gibt uns Impulse, wie wir uns selbst in dieser Welt verwirklichen können. Sie ist die innere Stimme in uns, die uns zu unserem Potenzial, unserem Lebenssinn führt. Auf welche Weise und wie stark wir unsere innere Frau leben, hängt meist davon ab, welche Erfahrungen wir bisher mit diesem Anteil in uns gemacht haben.

Sind wir als Mann vielleicht für unsere zärtliche und sanfte Seite als „Weichei“, „Schwächling“ oder „Loser“ verspottet worden? Wurde die weibliche Seite in einem Mann von der Außenwelt, den Eltern gefördert oder verurteilt? Wurde der weibliche Anteil einer Frau verletzt durch Missbrauch, Missachtung, Respektlosigkeit, Gewalt etc.? Durften wir als Frau Frau sein, ohne uns dabei „schwach“ oder unterwürfig oder als Opfer zu fühlen? Unsere Weiblichkeit ist oft von den Verhaltensweisen unserer Mutter oder auch Großmutter geprägt, manchmal auch von der Schwester, Freundin etc. Hat uns unsere Mutter weibliche Kraft und Stärke vorgelebt oder eher Selbstaufgabe und Opferverhalten? Was wurde von ihr in unserem Verhalten gefördert oder unterbunden?

Die unterdrückte innere Frau äußert sich in aufopferndem Verhalten bis zur Selbstaufgabe, emotionalem Erpressen, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Ausgeliefertsein und Nachgiebigkeit. Wir schenken unserem inneren Wissen keine Beachtung und zeigen uns schwach und hilflos, obwohl wir innerlich stark sind. Die verhinderte weibliche Energie kommt dann auf indirektem Wege zum Ausdruck, durch manipulierende Verhaltensmuster, körperliche Symptome oder unvermittelte Gefühlsausbrüche. Frauen haben oft Angst, dass sie verlassen werden, wenn der Mann herausfindet, wie stark sie in Wirklichkeit sind. Daher unterdrücken sie ihre innere Frau. Anstatt inspiriert von eigenen Ideen erfolgreich ihr Potenzial und ihre Kreativität zu entdecken und in die Welt zu bringen, bleiben sie lieber in untergeordneten und abhängigen Positionen, privat oder beruflich. Innerlich unerfüllt und finanziell oder auch emotional abhängig, leiden sie dann zusätzlich unter mangelndem Selbstwert und ihre Verlustangst verstärkt sich.

Auch Männer, die einem alten Rollenbild entsprechend ihre innere Frau unterdrücken und ihre Gefühle kontrollieren, fühlen sich oft einsam, weil sie von ihrer inneren Kraftquelle abgeschnitten sind. Die weibliche Kraft unseres höheren Selbst ist immer in unserem Inneren vorhanden. Es liegt an unserer männlichen Energie, was wir mit dieser Kraft anfangen. Entweder bekämpfen, blockieren oder kontrollieren wir sie und versuchen, uns von ihr abzuspalten, oder wir geben uns ihr hin. Indem wir uns unserer inneren Frau öffnen und ihr ver – trauen, werden wir in uns selbst die Unterstützung, Geborgenheit und Verbundenheit finden, die uns fehlte.

Der innere Mann …

… äußert sich durch Tatkraft, klares Denken, Handeln, Sprechen, Bewegen in der physischen Welt, Willen, Durchsetzungskraft, Standhaftigkeit und Gerechtigkeit. Der innere Mann empfängt die Impulse der inneren Frau, ihren Ideenreichtum, ihre Phantasie und setzt sie in der physischen Welt um. Eine Künstlerin empfängt die Idee für ein Gemälde. So kann sie sich, von der inneren Frau künstlerisch inspiriert, kraft des inneren Mannes ein Atelier einrichten, Farben und Leinwand kaufen und zu malen beginnen. Ein Geschäftsmann kann sich, seiner weib – lichen Intuition folgend, mit bestimmten Personen in Verbindung setzen, um ein neues Geschäft anzubahnen oder bei Einstellungsgesprächen den passenden Mitarbeiter für seine Firma einzusetzen. Wenn die innere Frau daran erinnert, dass der Körper Flüssigkeit braucht, kann der innere Mann ein Glas Wasser holen und trinken.

Oder wenn uns die innere Frau den Impuls übermittelt, den Wohnort zu wechseln, zum Beispiel an einen naturnahen, ruhigeren Ort zu ziehen, kann der innere Mann beginnen, Anzeigen zu studieren, Telefonate zu führen, Wohnorte besichtigen und dem Impuls der inneren Frau folgend einen Wohnort auswählen und umziehen. Wenn wir uns intensiver mit den Verhaltensweisen unserer männlichen Vorfahren oder auch männlichen Bekannten beschäftigen, können wir viel über uns selbst erfahren und wie es um unseren eigenen inneren Mann bestellt ist.

Was wurde uns von unserem Vater, Großvater, von Brüdern etc. vorgelebt? Haben sie manipuliert oder Macht missbraucht? Haben sie ein Konkurrenzdenken vermittelt, haben sie Härte und Kampf vorgelebt? Haben sie für Verdienste Anerkennung erhalten oder einfach, weil sie so waren, wie sie sind? Hatten unsere Väter, Großväter etc. Visionen, die sie in die Tat umsetzten, oder haben sie nur wenig an sich selbst geglaubt, sich klein gemacht oder selbst aufgegeben? Haben sie Kraft, Liebe und Sanftmut vereinen können? In der Vergangenheit wurde oft die männliche Energie, die Fähigkeit zu denken und zu handeln, benutzt, um die weibliche Intuition zu unterdrücken und zu kontrollieren. Dies geschah aus Angst vor der Hingabe an die weibliche Kraft, die nach Vereinigung und Einssein strebt, und aus der Befürchtung, die individuelle Identität zu verlieren.

Falsches Überlegenheits- und Konkurrenzdenken

Der innere Mann, dem die Verbundenheit mit der weiblichen Intuition und Weisheit fehlt, kann sich durch eine übertriebende Dominanz zeigen, die sich durch falsches Überlegenheitsund Konkurrenzdenken ausdrückt, durch Ellbogenmentalität, Kampf, Härte, Kontrolle, falschen Stolz und Ehrgeiz, einem Egoismus im Sinne von Gleichgültigkeit anderen gegenüber, Machtmissbrauch, Sturheit oder Verdrängen. Frauen wie Männer mit einem „inneren Macho“ neigen dazu, sich am äußeren Urteil anderer zu messen, agieren intellektbetont und legen sich eine harte Schale zu, statt Gefühle zu zeigen. Wenn wir unseren inneren Mann verkümmern lassen, mangelt es uns an Durchsetzungsvermögen oder Willenskraft.

Eine Frau neigt dann vielleicht dazu, sich finanziell oder auch emotional abhängig von einem Partner zu machen, indem sie sich einen „Ernährer“, einen dominanten Partner sucht, der ihre mangelnde Selbständigkeit ausgleichen soll. Männer mit einem schwachen inneren Mann suchen sich vielleicht dominante oder mütterliche Frauen, die die Führung in ihrem Leben übernehmen sollen. Immer dort, wo äußere Normen, Erwartungen und Rollenverständnisse von uns erwarten, einen der beiden Anteile zu unterdrücken, fühlen wir uns nur wie ein halber Mensch. Wenn unsere innere Frau oder unser innerer Mann blockiert sind – wenn wir unsere Emotionalität und innere Weisheit oder auch Selbstbehauptung und Handlungsfähigkeit nicht ausleben können –, entstehen Abhängigkeiten, wir suchen den fehlenden Anteil im Außen. So entstehen coabhängige Partnerschaften, die gut zu funktionieren scheinen – zunächst jedenfalls.

Wir benutzen meist unbewusst andere Personen, insbesondere unsere Partner, dazu, unsere jeweiligen Defizite zu kompensieren. Das Problem dabei ist, dass wir im Außen nie das finden werden, was uns in uns selbst fehlt, und selbst wenn, dann wird damit immer ein Gefühl von Abhängigkeit einhergehen, weil wir uns ja nur durch den anderen vollständig und vollwertig fühlen.

Transformation und Einheit von innerem Mann und innerer Frau

Wenn wir lernen, diese beiden Anteile voll zu entwickeln und harmonisch in uns zu integrieren, werden wir in unseren Beziehungen eine Veränderung erleben. Wir lösen uns dann aus Abhängigkeiten und Projektionen und gestalten unsere Beziehungen zu uns selbst und anderen wahrhaftiger und freier. Wir erfahren dabei, dass wir bereits in uns selbst vollständig, vollkommen sind, das auch schon immer waren und es meist aufgrund alter Verletzungen und Blockaden einfach nur nicht mehr wahrgenommen haben – oder unbewusst Anteile von uns aufgegeben haben. Projektionen und die Sehnsucht, das Suchen im Außen, werden überflüssig oder verlieren ihren „zwanghaften“ Charakter.

Wir öffnen uns für unsere Gefühlswelt, lernen, diese auszudrücken und unsere Intuition zu leben. Wir entwickeln unsere Handlungsfähigkeit und Selbständigkeit. Wir lernen, unsere starke männliche Energie dazu zu benutzen, unseren weiblichen Anteil zu unterstützen und auf ihn zu vertrauen. Dies gibt der inneren Frau die Sicherheit und Unterstützung, die für ihre vollständige Entfaltung notwendig ist. Dann fühlen wir uns weicher, empfänglicher und verletzbarer, aber in Wirklichkeit sind wir viel stärker als zuvor. Das ermöglicht uns auch gleichzeitig einen Zugang zu der Instanz in uns, die man als innere Weisheit oder höheres Selbst bezeichnen kann. Diese Instanz ist frei von Urteil und voll von Liebe, Annahme und Verständnis. Mit diesem Anteil haben wir die Möglichkeit, die unerlösten Emotionen und Verletzungen in uns aufzulösen und zu heilen.

Die innere Frau ist auch unsere Intuition, die Tür zur inneren Weisheit, zur Liebe und einer klaren Vision, ausgedrückt durch Gefühle und Bedürfnisse. Die Aufgabe des inneren Mannes ist vollkommene Klarheit, Gradlinigkeit und Umsetzungskraft. Der innere Mann handelt nach der Intuition der inneren Frau, da er darauf vertraut, dass dahinter die Weisheit des Universums steckt. Durch die Bereitschaft, sich dem Weiblichen hinzugeben, wird gleichzeitig die sensible Energie des Weiblichen geschützt und respektiert. Dabei wirkt die weibliche Energie nährend und stützend auf den inneren Mann. Wir fühlen uns dann wie ein starker, kreativer offener Kanal, durch den Kraft, Weisheit, Liebe und Frieden fließen.

Die Reise zum inneren Mann und zur inneren Frau

Man kann diese Energien in Form des inneren Mannes oder der inneren Frau einladen, sich bildlich in der Innenwelt auszudrücken. Das geschieht über eine sogenannte Seelenreise, eine Entdeckungsreise – geführt von der inneren Weisheit – zu unserem inneren Mann und unserer inneren Frau mit dem Ziel, die entsprechenden Zellinformationen zu erlösen. Es geht darum, die blockierte Energie und die damit zusammenhängenden Erinnerungen bezüglich des inneren Mannes und der inneren Frau aufzudecken, mit der Kraft der heilenden Kommunikation diese Information zu transformieren und eine Veränderung auf körperlicher Ebene und im Leben im Bereich Liebe und Partnerschaft zu bewirken.

Unser Verstand wird dabei in die Tiefe der Seelenebene geführt, wo unsere innere Weisheit bereits alle Lösungen kennt. Wir erfahren das Verhältnis der beiden Archetypen zueinander und was diese sich wünschen, und lernen, mit ihnen zu kommunizieren. Ihre Beziehung zueinander kann geheilt und geklärt werden, indem durch eine Familienaufstellung im Inneren alte Blockaden erkannt und aufgelöst werden. Innere Ressourcen und Fähigkeiten unterstützen diesen Heilungsprozess, damit sich beide voll entfalten können.

Ausbildung: „9-Quantensprünge-indein- Selbst“ – eine neunmonatige Ausbildung im geistig-energetischen Heilen zum zertifizierten Energetiker und Transformationscoach, ab Okt. 2018. Die Seelenreisen sind ein wesentlicher Teil dieser intensiven Ausbildung, in der verschiedene tiefgreifende Methoden kontinuierlich innerhalb einer geschützten Gruppe erfahren und gelernt werden. Die Teilnehmer erleben zunehmend, aus einem Liebesbewusstsein heraus zu denken, zu fühlen und zu handeln. Sie befreien sich von eigenen emotionalen oder körperlichen Themen und befähigen sich, das gelernte Wissen privat oder mit den erworbenen Coaching-Kompetenzen beruflich anzuwenden.

3.-10. / 10.-17. Juli 2018 Korfu-Urlaubsseminare – Reisen zum inneren Mann und zur inneren Frau und andere Seelenreisen

ÜBER DIE AUTORIN:
Silvia Ehl ist Heilpraktikerin (Psych.), gibt Ausbildungen, Seminare, Auslandsretreats und Einzelcoachings. Email Website

Abb: © Gerd-Altmann-dezignus.com-pixelio.de
Kommentar veröffentlichen