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2025-11-21

Zwischen Erde und Nebel - und der Pfad ins Licht


Bodenständige Spiritualität ist die Art von innerem Weg, die dich nicht von der Welt entfernt, sondern dich tiefer in sie hineinführt. Sie entsteht nicht aus Sehnsucht nach einem außergewöhnlichen Leben, sondern aus der Bereitschaft, das ganz gewöhnliche Leben bewusst zu erleben. Sie wurzelt in echter Selbsterkenntnis, in innerer Ehrlichkeit, in der Fähigkeit, sich selbst ohne Ausflüchte zu betrachten. Bodenständige Spiritualität verlangt nicht nach großen Versprechen oder kosmischen Spektakeln, denn sie zeigt sich in den einfachen Dingen, darin, wie du Menschen begegnest, wie du Entscheidungen triffst, wie präsent du bist, wie gut du dich selbst kennst. Sie hat nichts mit Abgehobenheit zu tun; sie ist geerdet, klar und wirkt im Alltag. Ein Mensch, der diesen Weg geht, wird nicht unbedingt „übernatürlich“, sondern natürlicher, echter, ruhiger und integrer. Sein Leben wird nicht spektakulärer, sondern wahrhaftiger.

Esoterische Fantasie hingegen ist oft ein Versuch, ein inneres Loch mit kosmischen Bildern zu füllen. Sie bietet große Erzählungen, außergewöhnliche Rollen und einfache Antworten auf komplexe Fragen. Sie kann faszinierend sein, inspirierend, vielleicht sogar tröstlich, doch sie bleibt häufig unverankert. Sie erzeugt eine spirituelle Welt, die eher im Kopf existiert als im Herzen. Menschen verlieren sich dann in Zeitlinien, Portalen, Aufstiegsdaten, geheimen Botschaften oder spirituellen Trends, ohne dass sich ihr tatsächliches Leben spürbar verändert. Die esoterische Fantasie überspringt gern den mühsamen Teil der inneren Arbeit und verspricht direkte Wege, Abkürzungen oder besondere Fähigkeiten, die das Ego subtil nähren. Sie wirkt wie ein schöner Traum, der aber kaum trägt, wenn das Leben eines Tages ernst wird.

Der Unterschied zwischen beiden Wegen ist tief und gleichzeitig sehr einfach. Die bodenständige Spiritualität führt dich in dich hinein, esoterische Fantasie führt dich aus dir heraus. Die eine verbindet dich mit deinem inneren Kern, die andere erfüllt eher dein Bedürfnis nach Bedeutung oder Besonderheit. Die eine verwandelt dein Sein, die andere vor allem deine Vorstellungen. Die eine schafft Klarheit, die andere manchmal Verwirrung. Und während die eine leise, stetig und verlässlich ist, ist die andere oft laut, wechselhaft und abhängig von äußeren Impulsen.

Doch es ist wichtig, dies nicht als Urteil zu sehen. Auch die esoterische Fantasie kann ein Durchgang sein, eine frühe Phase auf dem Weg. Viele Menschen beginnen dort, weil das innere Suchen sich zuerst an Bildern, Ideen und Verheißungen orientiert. Erst später spürt man, dass wahre Spiritualität weder flüchtet noch verklärt, sondern durchdringt. Sie verwandelt nicht die Welt um dich, sondern dich in der Welt. Und genau das macht sie bodenständig: Sie holt dich zu dir zurück, in dein Herz, in deine Präsenz, in deine Verantwortung. Von dort aus beginnt die wahre Reise.

Der mystische Weg, den ich oft als Pfad der göttlichen Gnade beschrieben habe, steht in einem ganz eigenen Verhältnis zu bodenständiger Spiritualität und esoterischer Fantasie. Er ist weder eine Flucht aus der Welt noch eine Ansammlung schöner Ideen. Er ist auch kein System, das man erlernen oder kontrollieren könnte. Der mystische Weg ist vielmehr eine innere Öffnung, die sich weder erzwingen noch intellektuell verstehen lässt. Er beginnt dort, wo das eigene Suchen nicht mehr aus Erwartung entsteht, sondern aus Hingabe. Während bodenständige Spiritualität uns erdet, klärt und in die Selbstverantwortung führt, und während esoterische Fantasie uns in symbolische oder imaginäre Welten treiben kann, führt der mystische Weg uns in eine Dimension, in der die Seele direkt berührt wird. Er ist kein Weg des Überbaus, sondern ein Weg des Durchbruchs.

Das Faszinierende am mystischen Weg ist, er ist nicht menschgemacht, sondern eine göttliche Antwort. Bodenständige Spiritualität wächst durch innere Arbeit, Achtsamkeit, Selbstbeobachtung, Präsenz. Esoterische Fantasie wächst durch Vorstellungskraft und Wunschdenken.

Der mystische Weg jedoch entsteht, wenn etwas Größeres als das Ich sich in uns meldet.

Es ist, als würde sich eine Tür öffnen, die wir nicht selbst gebaut haben. Er zeigt sich in Momenten tiefer Stille, in Augenblicken, die uns überwältigen, in einer Liebe, die nicht erklärbar ist. Man kann ihn durch ein reifes Herz vorbereiten, durch wahrhaftige Praxis insbesondere durch das verinnerlichen der Tugenden, aber man kann ihn niemals erzwingen. Der mystische Weg transformiert, während die anderen Wege informieren. Bodenständige Spiritualität vermittelt Einsicht und Klarheit. Esoterische Fantasie vermittelt Ideen und Bilder. Der mystische Weg aber verändert den inneren Zustand, oft ohne Worte. Er wirkt mehr wie Feuer als wie Wissen, denn er verbrennt Illusionen, reinigt Herzensräume, schenkt Licht, wo vorher nur Strukturen waren. Wer diesen Weg berührt, wird nicht spiritueller, sondern durchscheinender, stiller und wahrhaftiger. Die esoterische Fantasie lebt von Erklärungen, Modellen und Systemen. Die bodenständige Spiritualität lebt von Erfahrung und Erkenntnis. Der mystische Weg lebt von Liebe, die nicht begriffen werden kann. Aus dem eigenen Herzen kann ich euch sagen, da ist eine größere Intelligenz, ein göttlicher Wille, ein lebendiges Licht , das sich den Weg in die menschliche Seele bahnt.

Während esoterische Fantasie das Ego oft unbewusst aufbläht „Ich bin auserwählt, besonders, anders“ und bodenständige Spiritualität das Ego beobachtet, aber nicht verneint, führt der mystische Pfad in einen Zustand, in dem das Ego nicht mehr Mittelpunkt ist. Es wird transparent, funktional, zweitrangig, nicht unterdrückt, sondern durchdrungen. Der mystische Weg im Alltag, lässt das Herz weicher, das Denken stiller und die Gegenwart tiefer werden. Er lässt uns weniger urteilen, weil wir die menschliche Zerbrechlichkeit erkennen. Er schenkt uns einen inneren Geschmack von Heimat, der nicht von äußeren Umständen abhängt. Er entzieht der Angst ihre Macht, nicht weil wir mutiger wurden, sondern weil Liebe stärker geworden ist. Heute kann ich sagen, ich habe alle drei Ebenen erlebt, die bodenständige Spiritualität als Boden, die esoterische Fantasie als Himmel der Vorstellung und letztlich den mystische Weg, als Sonne, die beides durchdringt. Er ist der Punkt, an dem das innere Arbeiten, dein innerer Garten, deine Präsenz, deine Stille, von etwas Größerem berührt wird und Früchte trägt, die man sich selbst nicht hätte schenken können. Der mystische Weg ist letztlich das, woran sich der innere Ruf erfüllt, die Begegnung der menschlichen Seele mit dem göttlichen Licht.
 
Klaus Praschak

Bild: Netzfund....danke

Quelle: Klaus Praschak

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