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2026-01-12

Curtis Madden: Sonett 44 - „Oh, wie ich dich in allem liebe“


Oh, wie ich dich in allem liebe –
nicht gezählt, sondern geatmet,
nicht gemessen, sondern gelebt.

Für dich gibt es keinen einzigen Namen,
kein einzelnes Gesicht –
und doch bist du irgendwie
sie, und sie kennt mich
auf eine Art und Weise, wie nur sie mich erkennen kann,
auf eine stille Art und Weise, auf eine unaussprechliche Art und Weise,
auf eine Art und Weise, die keiner Erklärung bedarf,
weil sie nie gelernt wurde –
sie wurde in Erinnerung behalten.

Und du bist ich,
der Beobachter hinter meinen eigenen Augen,
der immer wieder fragt:
Was würde Gott tun, wenn er ich wäre?
– und dann wagt, die Antwort zu leben.

Du bist die Sonne, die ohne Erlaubnis aufgeht,
der Mond, der der Dunkelheit vergibt,
die Sterne, die alte Gelübde halten
und auch dann leuchten, wenn sie nicht gesehen werden.

Du bist die Geduld der Berge,
die Ehrlichkeit des Ozeans,
die Art, wie Bäume den Himmel lieben
ohne ihn berühren zu müssen.

Du bist die Vögel mitten im Gesang,
die Bienen, die absichtlich betrunken sind,
die Blumen, die mutig genug sind, sich zu öffnen,
das weiche Gras unter den Füßen,
die Erde, die uns alle trägt
ohne sich zu beschweren.

Du bist meine Freunde –
Spiegel mit unterschiedlichen Gesichtern.

Meine Nachbarn –
Lehrer, die ich mir nicht ausgesucht habe.

Meine Familie –
Wurzeln, die sich an mich erinnern,
selbst wenn ich mich selbst vergesse.

Du bist sogar diejenigen, die sich abgewandt haben,
die mich missverstehen,
die mich nicht mögen –
denn ich liebe sie, indem ich ihnen
ihre Distanz,
ihren Weg,
ihr Werden erlaube.

Liebe jagt nicht.
Liebe schafft Raum.

Und du bist die Liebe selbst –
der Schöpfer, der still schwebt,
nicht über uns, um zu urteilen,
sondern über uns wie ein Atemzug,
der Moment für Moment die Existenz gestaltet
und immer wieder sagt:
Es werde.

Das ist die Liebe der Quelle, die sich selbst liebt
durch Form,
durch Fleisch,
durch Versagen und Vergebung.

Ich liebe keine Dinge.
Ich liebe das Sein.

Ich liebe das Ja unter all den Neins,
das Licht, das sich in der Materie verbirgt,
den Schmerz, der beweist, dass wir uns kümmern,
die Freude, die ihren Namen vergisst.

Ich liebe die Liebe
weil die Liebe schon da war
bevor ich kam –
und bleiben wird
lange nachdem meine Stimme
sich den Sternen anschließt.

„Oh, wie ich dich in allem liebe –
und wie alles,
still,
dich liebt.“

~ Curtis Madden.

Quelle: Curtis Madden

[übersetzt von max: Lieben Dank Curtis💖Wir freuen uns über eure Unterstützung, Von Herzen Danken wir Euch💖]

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