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2026-02-13

Klaus Praschak: Das Mysterium der Erinnerung - Heimkehr in die Ganzheit


Die Erinnerung an das was wir wirklich sind, wird immer spürbarer, die Erinnerung an die göttliche Gegenwart in uns selbst und im Leben. Doch diese Erinnerung kommt nicht laut. Sie drängt sich nicht auf, sie überredet nicht, sie beweist nichts. Sie ist wie ein leises Pochen hinter all dem Lärm der Welt, ein inneres Wissen, das nie ganz verstummt ist. Auch wenn wir uns verirrt haben in Konstruktionen aus Angst, Macht und künstlichen Versprechen, blieb in uns ein Funken unberührt. Das trostlose Gelände, das man uns als Realität verkaufte, beginnt Risse zu zeigen. Die Fassaden bröckeln, die Erzählungen verlieren ihre Kraft, und in den Zwischenräumen wird etwas sichtbar, das älter ist als jede Ideologie. Es ist kein neues System, keine neue Utopie und kein weiterer Entwurf einer besseren Welt. Es ist die schlichte, machtvolle Gegenwart des Lebens selbst - heilig, unteilbar und durchdringend.

Heimkehr bedeutet nicht Flucht aus der Welt. Sie bedeutet, die Welt wieder als durchlichtet zu erkennen. Es bedeutet, die Trennung zu durchschauen, die uns glauben ließ, wir seien isolierte Wesen in einem feindlichen Raum. In Wahrheit sind wir durchwoben, mit Erde und Himmel, mit Atem und Licht, mit allem, was war und sein wird. Die Magie, die sich jetzt zeigt, ist keine Sensation. Sie liegt im einfachen Erkennen, dass Bewusstsein nicht Produkt, sondern Ursprung ist und das Liebe nicht Gefühl, sondern Grundstruktur des Seins ist. Dass das Heilige nicht fern, sondern unmittelbar ist, in jedem Blick, in jedem Atemzug und in jedem stillen Moment, in dem wir aufhören, uns selbst zu verlassen.

Die Zeichen sind überall. In der Sehnsucht, die sich nicht mehr betäuben lässt. In der Müdigkeit gegenüber Oberflächlichkeit. In dem Mut, Fragen zu stellen, die keine schnellen Antworten erlauben und in dem stillen Vertrauen, das wächst, wenn wir beginnen, wieder auf das zu hören, was in uns immer wusste.

Heimkehr geschieht nicht durch Eroberung. Sie geschieht durch Erinnerung und Erinnerung ist der Beginn der Rückverwandlung, von der zerrissenen Existenz zurück in das ungeteilte Leben.
Wir stehen nicht am Ende einer Welt, sondern am Rand eines Erwachens. Nicht getrieben von Angst, sondern gerufen von einer Wahrheit, die wir nie wirklich verloren haben und wenn wir diesem Ruf folgen, entdecken wir, dass wir nie verstoßen waren, sondern nur vergessen hatten, wer wir sind. Die Wunden und das gestörte Gleichgewicht der Welt sind unsere eigenen Wunden und unser eigenes gestörtes Gleichgewicht, und wir haben in uns das Wissen, um uns selbst und die Welt wieder auszurichten. Dies ist Teil des Mysteriums der Ganzheit des Lebens.

Was im Außen zerbrochen erscheint, trägt im Inneren sein Echo. Jeder Riss in der Welt findet seine Entsprechung in einer vergessenen Verbindung in uns selbst. Doch ebenso wie die Trennung kein endgültiger Zustand ist, ist auch das Ungleichgewicht nicht das letzte Wort. In der Tiefe unseres Wesens ruht eine Ordnung, die älter ist als jede Verwirrung - eine leise, ursprüngliche Harmonie, die nicht verloren ging, sondern überdeckt wurde.

Dieses Wissen ist kein intellektuelles Konzept. Es ist eine innere Erinnerung, die sich bemerkbar macht, wenn wir still werden. Wenn wir aufhören, nur im Außen zu suchen, und beginnen, das Zittern unseres eigenen Herzens wahrzunehmen. Dort, wo wir den Mut finden, unsere eigenen Wunden nicht länger zu verdrängen, sondern sie im Licht der Bewusstheit zu halten, beginnt Heilung für das Feld, dem wir angehören.

Denn Ganzheit ist kein Ideal, das erst geschaffen werden muss. Sie ist der Grundzustand des Lebens. Das Mysterium besteht darin, dass wir zugleich Teil des Bruchs und Teil der Heilung sind. Dass wir das Ungleichgewicht mittragen und zugleich den Schlüssel in uns tragen, es zu verwandeln.

Wenn wir uns neu ausrichten, wenn wir uns erinnern, wer wir jenseits von Angst und Getrenntheit sind, verschiebt sich das Ganze. Nicht durch Kampf, nicht durch äußere Eroberung, sondern durch innere Klärung. So wird Heimkehr zu einem schöpferischen Akt und in diesem Akt geschieht etwas großartiges: Das Leben beginnt wieder, sich durch uns selbst zu erkennen - heil, verbunden und ungeteilt.

Klaus Praschak

Netzfund: danke

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