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2026-03-07

Klaus Praschak: Gesundheitskrise – ein stiller kollektiver Prozess


In den vergangenen Jahren ist mir etwas aufgefallen, das ich zunächst für eine Reihe einzelner Zufälle hielt. Doch je länger ich hinschaue und je mehr Gespräche ich führe, desto deutlicher wurde mir, dass es sich dabei um ein größeres Phänomen handelt. Seit etwa zwei Jahr begegne ich immer häufiger Menschen, die von Infektionskrankheiten betroffen sind. Besonders häufig sind es Erkrankungen der Atemwege, Erkältungen, anhaltender Husten, wiederkehrende Infekte oder ein allgemeines Gefühl von körperlicher Schwäche. Da ich mich regelmäßig in Gruppen aufhalte, wird dieses Thema schnell zum Gespräch, weil erstaunlich viele Menschen ähnliche Erfahrungen machen. Kaum jemand scheint auch in diesem Winter wirklich dauerhaft gesund gewesen zu sein.

Auch an mir selbst geht diese Entwicklung nicht spurlos vorbei. Seit der Weihnachtszeit erlebe ich ein ständiges Auf und Ab. Manchmal scheint der Infekt nur im Hintergrund zu schwelen, in Form einer leichten Müdigkeit, ein Kratzen im Hals oder ein diffuses Gefühl von Erschöpfung. Dann wieder bricht er deutlicher hervor und zwingt mich, einen Gang zurückzuschalten. Was mich dabei besonders beschäftigt, ist die Frage, ob wir solche Erfahrungen noch immer ausschließlich als individuelle Krankheitsgeschichten betrachten. Viele Menschen sehen ihre Infektion als persönliches Pech oder als Folge von Stress, Wetter oder einer geschwächten Immunabwehr. Doch wenn man genauer hinsieht, entsteht der Eindruck, dass hier etwas geschieht, das über einzelne Fälle hinausgeht.

Kürzlich erzählte mir eine Frau eine Begebenheit, die mich besonders nachdenklich machte. Sie berichtete, dass sie eine ganze Woche kaum unter Menschen gewesen sei. Außer ein paar Spaziergängen im Wald habe sie sich hauptsächlich zuhause aufgehalten und bewusst Ruhe gesucht. Trotzdem habe sie kurz darauf eine heftige Grippe bekommen. Für sie war das sehr rätselhaft, weil sie sich kaum erklären konnte, woher diese Infektion gekommen sein sollte. Solche Geschichten hört man derzeit erstaunlich häufig. Viele Menschen berichten, dass sie eigentlich vorsichtig waren, sich nicht übermäßig belastet haben oder sogar bewusst Rückzug und Ruhe gesucht haben und dennoch krank wurden. Das wirft Fragen auf, die über die klassische Vorstellung hinausgehen, Krankheit entstehe ausschließlich durch eine einzelne Begegnung mit einem Erreger.

Hinzu kommt eine weitere Beobachtung, nämlich das Müdigkeit, Trägheit und ein Gefühl von körperlicher Schwäche schon längst nicht mehr nur Themen sind, die man mit Perspektivlosigkeit oder persönlicher Überforderung verbindet. Immer häufiger hört man auch von Menschen, die mitten im Leben stehen, beruflich aktiv sind und eigentlich gut eingebunden wirken, dass sie sich seit längerer Zeit ungewöhnlich erschöpft fühlen. Es scheint, als würde eine Form von Erschöpfung viele Menschen gleichzeitig betreffen, unabhängig von ihrer individuellen Lebenssituation.

Es scheint so als erleben wir derzeit einen kollektiven gesundheitlichen Prozess, der sich in vielen Körpern gleichzeitig zeigt. Unsere Gesellschaft befindet sich seit Jahren in einem Zustand dauerhafter Belastung, sei es durch politische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten, soziale Veränderungen oder die ständige Informationsflut, die auf uns einwirkt. Hinzu kommen Umweltgifte, woher auch immer und Lebensmittel, die nur noch ein Minimum an Nährstoffe enthalten. Des weiteren wissen wir auch nicht, welche Auswirkung die hohe Strahlenbelastung, der wir täglich ausgesetzt sind, auf unsere Körper haben. Der menschliche Organismus reagiert auf solche Dauerzustände oft nicht sofort, sondern erst nach längerer Zeit. Der Körper ist kein isoliertes System. Er steht in ständiger Wechselwirkung mit unserer Umwelt, mit unserem Lebensrhythmus und auch mit dem emotionalen Klima, in dem wir leben. Wenn viele Menschen gleichzeitig ähnliche Symptome entwickeln, lohnt es sich, nicht nur nach individuellen Ursachen zu suchen, sondern auch nach den größeren Zusammenhängen. Das bedeutet nicht, vorschnelle Erklärungen zu liefern, aber ich denke es ist sinnvoll, diese Beobachtungen ernst zu nehmen und genauer hinzuschauen. Gesundheit ist nicht nur eine private Angelegenheit, sondern auch ein Spiegel unserer Lebensbedingungen. Nun scheint es, dass wir uns gerade in einer Phase befinden, in der viele Körper signalisieren, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist und womöglich ist diese Gesundheitskrise ein Hinweis darauf, dass wir wieder stärker darauf achten müssen, wie wir leben, wie wir miteinander umgehen und welchen Belastungen wir uns, oft unbemerkt, aussetzen.

Nun gibt es zahlreiche Stimmen, die solche gesundheitlichen Entwicklungen fast ausschließlich nach außen projizieren. Dort werden verschiedenste äußere Einflüsse diskutiert, die möglicherweise eine Rolle spielen könnten. Es mag durchaus Aspekte geben, die unsere Gesundheit beeinträchtigen und auf die wir selbst nur begrenzten Einfluss haben, doch ist eine ebenso wichtige Frage; was können wir selbst tun, um unsere Widerstandskraft zu stärken? Totale Isolation kann kaum eine Lösung sein, denn der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir brauchen Begegnung, Austausch und Gemeinschaft, um innerlich gesund zu bleiben. Deshalb geht es weniger darum, uns vollständig vor der Welt abzuschotten, sondern vielmehr darum, bewusster mit unseren eigenen Kräften umzugehen. Das könnte bedeuten, wieder stärker auf die Signale unseres Körpers zu hören, Zeiten der Ruhe ernst zu nehmen, unsere Lebensrhythmen zu entschleunigen oder überhaupt einen gesunden Rhythmus zu bekommen und den Kontakt zur Natur zu pflegen. Ebenso wichtig ist vielleicht auch das emotionale Klima, in dem wir leben, weniger Dauerstress, weniger permanente Alarmbereitschaft, mehr Momente der Stille und des echten Miteinanders.

Gesundheit entsteht selten nur durch das Vermeiden äußerer Gefahren. Sie erwächst aus einem Zusammenspiel vieler Faktoren, körperlicher, seelischer und sozialer und so scheint es eine Herausforderung unserer Zeit zu sein, nicht äußere Ursachen zu identifizieren, sondern darin, unsere eigene innere Balance wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen.

Klaus Praschak

Bild: printerest. de danke

Quelle: Klaus Praschak

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