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2026-07-31

Klaus Praschak: Der schmalen Grat zwischen Hingabe und Selbstüberforderung.


Theodore Roosevelt sagte einmal:
„Tue, was du kannst, mit dem, was du hast, dort, wo du bist.“

Lange Zeit hatte ich das Gefühl, nicht genug zu tun. Was ich tat, schien mir nie ausreichend oder gut genug zu sein. Also versuchte ich, meine Möglichkeiten immer weiter auszudehnen. Doch jedes Mal, wenn ich meine Grenzen überschritt, verlor ich mich selbst. Nicht selten endete dieser innere Aktivismus im Burnout.

Irgendwann kam ich an einen Punkt, an dem ich keine Kraft mehr hatte, etwas Neues zu beginnen. Erst dort begriff ich, dass ich nicht alles verwirklichen muss, was ich mir vornehme. Seitdem bemühe ich mich, dort wirksam zu sein, wo meine Möglichkeiten liegen und nicht dort, wo mein Ego sie gern hätte.

Mit dem Wollen aufzuhören ist nicht einfach. Doch manchmal führt uns das Leben an einen Punkt, an dem uns nichts anderes mehr bleibt, als uns ihm zu beugen. Ich denke, dass hier eine tiefere Form der Freiheit beginnt. Wahre Hingabe besteht nicht darin, weniger zu tun, sondern aufzuhören, gegen das Leben anzukämpfen. Denn in dem Moment, in dem das ständige Wollen zur Ruhe kommt, entsteht Raum für das, was durch uns geschehen möchte.

Manchmal frage ich mich, ob es nicht ermüdend wird, ständig beeindrucken zu müssen. Gerade dort, wo Spiritualität öffentlich gelebt wird, scheint der Druck groß zu sein, immer neue außergewöhnliche Erfahrungen oder spektakuläre Geschichten zu präsentieren. Dabei wächst die Gefahr, dass Echtheit in den Hintergrund tritt und Spiritualität immer mehr zur Bühne wird. Selbst künstlich erzeugte Situationen oder inszenierte Erlebnisse können dann den Eindruck von Authentizität vermitteln, obwohl sie mit dem eigentlichen geistigen Weg nur noch wenig zu tun haben. Wo der Wunsch, Aufmerksamkeit zu erregen, größer wird als die Sehnsucht nach Wahrheit, verliert Spiritualität leicht ihre Natürlichkeit. Seit jeher zog es mich mehr zu den stillen Menschen, die ihre spirituelle Arbeit im Verborgenen verrichten, als zu denen, die das Außergewöhnliche laut verkünden. Denn das, was die Seele wirklich nährt, geschieht oft leis, ohne Inszenierung, ohne Applaus und ohne den Wunsch, andere beeindrucken zu müssen.

Ohne Zweifel gibt es auch heute noch Momente, in denen ich mir wünsche, mehr tun zu können. Gerade in einer Welt, in der sich Unsicherheit und Angst immer weiter ausbreiten, denke ich manchmal, dass es auch für mich eine größere Aufgabe geben müsste als die, die ich heute erfülle. Doch solche Gedanken verwerfe ich inzwischen schnell, denn sie stimmen mich traurig und nähren nur die Unzufriedenheit mit dem, was gerade ist. Heute versuche ich stattdessen, dem Leben zu vertrauen und ich sehe unsere eigentliche Aufgabe nicht darin, möglichst viel zu bewirken, sondern das Wenige, das uns möglich ist, mit ganzem Herzen zu tun. Denn manchmal verändert ein einziges Wort, ein offenes Ohr oder eine kleine Geste mehr, als wir jemals erfahren werden.

Ich glaube, dass viele Menschen nachempfinden können, wenn ich sage, dass es in dieser Zeit des „Dazwischen“ vor allem darum geht, das Ungewisse auszuhalten. Gegenwärtig zu bleiben. Nicht vorauseilen zu wollen, sondern Schritt für Schritt ein tiefes Vertrauen in die göttliche Führung wachsen zu lassen. Denn nicht jede Zeit ist eine Zeit des Handelns. Manche ist eine Zeit des Reifens. Ab dem Augenblick, in dem der Mensch erkennt, dass die Trennung letztlich eine Erfahrung des Bewusstseins ist und nicht die tiefste Wirklichkeit, beginnt die Liebe ihre verbindende Kraft zu entfalten. Vereinigung wird dann nicht länger zu einem Ziel, das erreicht werden muss, sondern zu einem natürlichen Geschehen.

Vor einiger Zeit verspürte ich ein unbeschreibliches Gefühl. Es war wie ein tiefes „Wollen“, das nicht meinem Verstand entsprang, sondern aus einer Ebene in mir aufstieg, die sich kaum in Worte fassen lässt. Dieses Wollen war so kraftvoll und zugleich so still, dass mein gewöhnliches Denken für einen Moment verstummte. Es gab nichts mehr zu überlegen oder abzuwägen. Es war einfach da - klar, selbstverständlich und von einer tiefen Gewissheit getragen.

Heute, wenn mein Verstand wieder beginnt, zu viel zu wollen, zu planen oder erzwingen zu wollen, erinnere ich mich an dieses tiefe Wollen. Dann versuche ich, den Verstand einen Schritt zurücktreten zu lassen und jener stillen Kraft wieder die Führung zu überlassen. Denn ich habe erfahren, dass sie mich nicht antreibt, sondern führt. Ohne jeglichen Druck, sondern mit einer Klarheit, die aus einer Tiefe kommt, die größer ist als mein Denken.

Klaus Praschak

Bild: printerest. de danke

Quelle: Klaus Praschak

1 Kommentar:

  1. carmen denis schwarzer31. Juli 2026 um 14:38

    lieber klaus..danke zutiefst..unterschreib ich dir voll und ganz..mfg

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