Vielleicht bist du in einen Wald gegangen, weil du dich zerstreut, erschöpft, ängstlich oder bedrückt gefühlt hast – und irgendwie, ohne dass ein Wort gesprochen wurde, hast du begonnen, anders zu atmen.
In dieser Erfahrung liegt eine Weisheit.
Ein Baum eilt nicht.
Er kämpft nicht gegen das Morgen an.
Er lässt das Gestern nicht immer wieder Revue passieren.
Er steht einfach verwurzelt in der Erde, reckt sich dem Himmel entgegen und nimmt still am großen Austausch des Lebens teil.
Und wenn wir unsere Hände auf seine Rinde legen, unter seinen Zweigen sitzen oder sogar seinen Stamm umarmen, kann etwas sehr Einfaches und zugleich Kraftvolles geschehen: Wir kommen im Augenblick an.
Unser Atem wird ruhiger.
Unsere Aufmerksamkeit löst sich vom endlosen Lärm des Verstandes.
Unser Körper beginnt sich zu entspannen.
Das Nervensystem kann von den ständigen Anforderungen des Stresses in einen Zustand größerer Ruhe und Regeneration wechseln.
Auch die Wissenschaft liefert uns faszinierende Gründe, Zeit mit Bäumen zu verbringen. Im Wald sind wir natürlichen Verbindungen ausgesetzt, den sogenannten Phytonziden, die von Pflanzen und Bäumen abgegeben werden; Forscher haben deren Einfluss auf das Immunsystem und den Stresspegel untersucht. Zudem wird Zeit in der Natur mit weniger Stress und einem verbesserten psychischen Wohlbefinden in Verbindung gebracht.
Doch vielleicht gibt es dabei noch eine weitere Dimension, die sich nicht so leicht messen lässt.
Vielleicht erinnert uns der Baum an etwas, das wir vergessen haben.
Stille.
Ein Baum lebt in zwei Welten zugleich.
Seine Wurzeln reichen in die Dunkelheit hinab, während seine Zweige dem Licht entgegenstreben.
Er empfängt Nahrung aus der Erde und zugleich Energie von der Sonne.
Er bietet unzähligen Lebewesen Zuflucht.
Er produziert das, was andere atmen.
Er überdauert Stürme, Dürre, Jahreszeiten, Verlust, Erneuerung, Geburt und Tod – und wächst dennoch weiter.
Ist das nicht auch eine Lehre für die menschliche Seele?
Auch wir müssen lernen, tief verwurzelt zu sein, ohne starr zu werden.
Wir müssen lernen, nach dem Licht zu streben, ohne die Erde unter unseren Füßen aufzugeben.
Und wenn wir einen Baum umarmen, laden wir vielleicht nicht im wissenschaftlich belegbaren Sinne unsere „Aura auf“.
Vielleicht geschieht etwas Ehrlicheres – und womöglich sogar noch Schöneres. Wir erlauben uns, ruhig genug zu werden, um uns wieder lebendig zu fühlen.
Die Erde ist nicht bloß etwas unter unseren Füßen.
Sie ist der Boden, von dem jeder Atemzug, jeder Wald, jeder Fluss, jedes Lebewesen und jedes menschliche Leben abhängt.
Wir sind nicht von der Natur getrennt.
Wir sind Natur.
Die Mineralien in unseren Knochen stammen von der Erde.
Das Wasser in unserem Körper hat den uralten Kreislauf aus Wolken, Flüssen, Ozeanen, Erde, Pflanzen, Tieren und Regen durchlaufen.
Der Sauerstoff, den wir atmen, ist untrennbar mit der lebendigen Welt um uns herum verbunden.
Wir gehören zu diesem großen Netz des Lebens.
Wenn du dich also das nächste Mal überfordert, zerstreut, emotional erschöpft oder einfach von dir selbst entfremdet fühlst, denke an etwas ganz Einfaches.
Geh nach draußen.
Such dir einen Baum.
Leg deine Hände darauf.
Wenn es sich für dich gut anfühlt, umarme ihn.
Schließ die Augen.
Atme ein paar Mal langsam durch.
Spür deine Füße auf der Erde.
Hör dem Wind zu, der durch die Blätter weht.
Und hör für einen Moment auf, zu versuchen, dein ganzes Leben lösen zu wollen.
Sei einfach nur da.
Vielleicht entdeckst du, dass der Baum dir nicht etwas gegeben hat, das dir gefehlt hat.
Vielleicht hat er dir einfach geholfen, dich an etwas zu erinnern, das bereits in dir war.
Du bist lebendig.
Du bist verbunden.
Du bist Teil von etwas, das weit größer ist als der Lärm des Augenblicks.
Und manchmal kommt Weisheit nicht aus einem weiteren Buch, von einem weiteren Lehrer oder durch eine weitere Antwort.
Manchmal entsteht Weisheit einfach dadurch, dass wir still neben etwas stehen, das schon viel länger hier ist als wir.
🌳 Welche Erfahrungen hast du mit Bäumen, Wäldern oder einfach mit stillen Momenten in der Natur gemacht?
Hast du schon einmal erlebt, wie dein Geist zur Ruhe kam, dein Körper sich entspannte, sich deine Sichtweise wandelte oder Frieden in dir einkehrte, nachdem du dich mit der Natur verbunden hast?
Teile deine Erfahrungen, Erkenntnisse oder Sichtweisen in den Kommentaren.
Deine Erfahrung ist vielleicht genau die Weisheit, die ein anderer Mensch heute hören muss.
Und wenn wir teilen, was wir gelernt haben – nicht um zu beweisen, dass wir recht haben, sondern um den Weg eines anderen zu erhellen –, dann lassen wir Weisheit zu etwas werden, das größer ist als jeder Einzelne von uns.
Verwurzle dich.
Atme tief durch.
Werde still.
Und erinnere dich daran, woher du kommst. 🌎🌳
Quelle: James William Kaler
[übersetzt von max: Herzlichen Dank lieber James💖Wir freuen uns über eure Unterstützung, Von Herzen Danken wir Euch💖]

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