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2026-08-15

Klaus Praschak: Wenn innere Freiheit nicht nach außen findet – Teil II


Es lohnt sich, an dieser Stelle noch etwas tiefer zu schauen. Denn nicht jede Form von Spiritualität führt automatisch in die Freiheit. Auch der spirituelle Mensch kann sich verlieren, nur auf eine andere Weise.

Rudolf Steiner beschreibt zwei Kräfte, die auf den Menschen einwirken: die ahrimanischen und die luziferischen. Vereinfacht gesagt steht das Ahrimanische für eine zunehmende Verhärtung und Verfestigung des Menschen in der äußeren Welt, während das Luziferische ihn dazu verführen kann, sich aus der Erde und ihren Anforderungen in eine rein geistige Welt zu erheben. Uns begegnen beide Kräfte heute in sehr unterschiedlichen Gestalten.

Das Ahrimanische zeigt sich dort, wo der Mensch immer stärker im Äußeren aufgeht. Wo Berechnung, Funktionieren, Konsum, Kontrolle und Anpassung sein Leben bestimmen. Wo er sich so sehr an die äußeren Strukturen gewöhnt, dass er irgendwann gar nicht mehr bemerkt, dass seine innere Freiheit längst kleiner geworden ist.

Doch es gibt auch die andere Richtung.

Der Mensch kann sich in spirituellen Vorstellungen verlieren, in außergewöhnlichen Erfahrungen, in der Suche nach höheren Bewusstseinszuständen oder in der Vorstellung, der irdischen Welt bereits entwachsen zu sein. Dann wird Spiritualität zu einer Flucht aus dem Menschsein.

Das eine bindet uns zu stark an die Erde, das andere lässt uns vor ihr davonfliegen.

Der Christusweg liegt genau dazwischen. Denn Christus ruft uns weder dazu auf, die Welt zu verlassen, noch dazu, uns vollständig an sie auszuliefern. Er verbindet Himmel und Erde. Das Geistige soll nicht irgendwo fern von uns existieren, sondern durch den Menschen in dieser Welt lebendig werden. Und damit kehren wir zu der Frage zurück, die mich beschäftigt:
 
Was geschieht mit unserer inneren Freiheit, wenn sie nicht nach außen findet?

Die innere Freiheit ist erst dann wirklich gereift, wenn sie Beziehung geworden ist. Wenn aus Erkenntnis Mitgefühl entsteht. Aus Freiheit Verantwortung. Aus innerem Frieden Frieden mit anderen und aus der Erfahrung des Göttlichen die Bereitschaft, dem Leben zu dienen. Es genügt deshalb nicht, das Licht in uns selbst zu erfahren. Das Licht möchte durch uns hindurchscheinen. Wir sind nicht hier, um dem Menschsein zu entfliehen. Wir sind hier, um es zu verwandeln und das bedeutet auch, dass Christus nicht nur in unseren Gedanken, Gebeten oder mystischen Erfahrungen gesucht werden möchte. Wir erkennen ihn am deutlichsten dort, wo ein Mensch beginnt, durchlässig für die Liebe zu werden. Wo er nicht mehr fragt: Was kann ich aus meinem Erwachen gewinnen? Sondern: Was darf durch mein Erwachen in die Welt fließen? Dann wird innere Freiheit nicht zu einem weiteren Besitz des Ichs. Sie wird zu einer Kraft, die verbindet und hier beginnt genau das, was wir so oft „wie im Himmel, so auf Erden“ nennen.

Klaus Praschak

Bild: printerest.de danke

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