
Eine außerkörperliche Erfahrung ist nichts Ungewöhnliches. Am häufigsten tritt sie bei einem Wechsel des Bewusstseinszustands auf, beispielsweise unter Hypnose, bei einer Meditation oder unter Einfluss von Drogen. Oft geschieht das auch bei vollkommen natürlichen Übergangsphasen zwischen verschiedenen Bewusstseinszuständen, etwa vor, nach oder während des Schlafes und sie variiert von einer unfreiwilligen außerkörperlichen Erfahrung, etwa eine Nahtoderfahrung, die nach oder während eines Traumas oder Unfalls auftritt, bis hin zur sogenannten Astralprojektion, bei der eine Person freiwillig versucht, ihren Körper zu verlassen, um auf spiritueller Ebene aufzusteigen.
Der Begriff der Astralprojektion wurde um die Jahrhundertwende geprägt, als der Franzose Marcel Louis Forhan, der sich Yram nannte, ein Buch über seine Erfahrungen als Astralreisender veröffentlichte. Darin behauptet er, er könne die Gesetze der Physik überwinden, weshalb Geschwindigkeiten, Entfernungen oder feste Objekte auf seinen Reisen keine Hindernisse seien. Yram schildert, dass er auf einer seiner außerkörperlichen Reisen das Haus jener Frau aufgesucht habe, die er später heiratete.
Der ehemalige Radiomoderator Robert Monroe gründete sogar ein eigenes Forschungsinstitut für Außerkörperliche Erfahrungen, das „Monroe Institute for Applied Science“ in Richmond im US-Bundesstaat Virginia. Monroe berichtete, dass er auf außerkörperlichen Reisen häufig auf andere Astralreisende und seltsame Wesen traf. Außerdem behauptete er, Astralsex gehabt zu haben, ein Paralleluniversum besucht zu haben und einmal irrtümlich in eine Leiche statt im eigenen Körper zurückgekehrt zu sein.
Experimente mit Astralreisen, egal wie sorgfältig sie vorbereitet werden, erzielen nie positive Resultate. Ein oft zitierter Beweis dreht sich um eine College-Absolventin, die zu Hause im Bett an einen Hirnstrommesser und anderen Gerätschaften angeschlossen wurde. Sie konnte die Zahl 25132 vorlesen, die auf einem Regal aufgestellt war.
Später wurde das Ergebnis annulliert. Man stellte nämlich fest, dass die Versuchsperson die Möglichkeit hatte, die Zahl als Reflexion von der Glasscheibe ihrer Uhr abzulesen. Zwar gab es nie einen Beweis, dass sie das wirklich tat, doch musste das Experiment als gescheitert betrachtet werden. Und selbst ein erfolgreicher Versuch wäre nicht unbedingt ein Beweis, dass die Versuchsperson wirklich ihren Körper verlassen hat.
Das Resultat könnte ebenso gut als außersinnliche Wahrnehmung interpretiert werden, als Fernsicht, auch Remote Viewing genannt. Wobei Fernsichtige dasselbe behaupten, wie Astralreisende – sie seien dazu in der Lage, sich in bestimmte Objekte hineinzuprojizieren. Nur benötigen sie dazu keinen Astralkörper.
Das Fernsichtphänomen wurde in den 1970er Jahren als ein Teilgebiet der paranormalen Forschung entdeckt. Das PEAR-Labor der Princeton University hat sogar eine Reihe überzeugender Resultate auf diesem Gebiet erzielt. Die Forschung wurde später auch von der US-Regierung unter Schirmherrschaft der CIA finanziell unterstützt, weil man gehofft hat, Fernsicht auch für die Spionage nutzbar machen zu können.
Die größte Studie zu außerkörperlichen Erfahrungen stammt von der britischen Parapsychologin Susan Blackmore. Laut Blackmores Theorie ist das menschliche Gehirn dazu in der Lage, verschiedene Wahrnehmungsweisen von Realität zu konstruieren und auf einen entsprechenden Auslöser hin von unserer normalen Sichtweise auf eine andere umzuschalten – beispielweise eine Realität, die uns das Gefühl vermittelt, oben zu schweben und hinunter zu sehen.
Als Beispiel nennt die Parapsychologin die Erfahrung eines Mannes, der davon überzeugt war, Astralreisen zu unternehmen. Eines Nachts sah er dabei auf sein eigenes Bett hinunter. Alles sah wie gewohnt aus. Selbst das Muster auf dem Kopfkissenbezug. Aber am nächsten Morgen fiel ihm auf, dass seine Frau die Bettwäsche noch am Abend zuvor gewechselt hatte. Er hatte die Bezüge gesehen, die er erwartet hatte. Blackmore:
„Um diese Erklärung nachvollziehen zu können, muss man sich eine Menge Gedanken über das eigene Bewusstsein gemacht haben und bereit sein, sich von der üblichen Vorstellung zu lösen, dass man eine kleine Person in seinem Kopf sei, die dort die Fäden in der Hand hält.
Diese Sichtweise ist völlig natürlich, man empfindet sich als Herr über den eigenen Körper. Doch die Wissenschaft hat längst bewiesen, dass wir nichts dergleichen sind. Das Gehirn regelt alles von allein. Aber wenn man diesen ersten Gedankenschritt nicht vollzogen hat, dann klingt die Erklärung nicht sehr überzeugend. Ich mache es niemandem zum Vorwurf, wenn er sie nicht akzeptieren will.“
Viele Menschen mit außerkörperlichen Erfahrungen wollen ihre Vorstellung der außerkörperlichen Erfahrung nicht aufgeben. Dafür gibt es zumindest einen durchaus plausiblen Grund, der mit der Vorstellung vom Leben nach dem Tod zusammen hängt, denn wenn es einen Geist gibt, der außerhalb unseres Körpers existieren kann, legt das natürlich den Schluss nahe, dass der Zerfall des Körpers nicht das Ende sein muss.
Vor allem Patienten mit einer Nahtoderfahrung halten gerne an dieser Vorstellung fest. Ärzte sind sich weitgehend darüber einig, dass jemand, der zurückkommt, nachdem er für Tod erklärt wurde, gar nicht klinisch tot gewesen sein kann. Der Grund ist: Eine elektrische Aktivität des Herzens ist noch vierzig Minuten nach dem Zeitpunkt nachzuweisen, an dem der Herzschlag aussetzt hat. Nach Ansicht von Julius Korem, einem Neurologen an der „New Yorker University School of Medicine“ ist der Zeitpunkt des Todes eine reine Fiktion.
Neurologen vermuten, dass es sich bei Nahtoderfahrungen um den Nebeneffekt einer unterbrochenen Hirnfunktion handeln könnte. Computersimulationen haben nämlich gezeigt, dass ein Tunnel mit einem Licht am Ende genau das Bild ist, das eine fehlerhafte Neuronenübertragung hervorruft. Andere Forscher sind der Überzeugung, dass Nahtoderfahrungen eine Art Streich sein könnten, den uns das Gehirn spielt, wenn der Tod naht – also eine beruhigende Erfahrung, die wir uns selbst schaffen, um das Trauma des Sterbens erträglicher zu machen.
Als weitere mögliche Erklärungen für Nahtoderfahrungen werden oft auch Sauerstoffmangel oder durch eine Narkose hervorgerufene Halluzinationen vorgeschlagen. Bei vielen Patienten, die eine Nahtoderfahrung hatten, lag jedoch keiner der beiden Umstände vor. Autor Martin S. Caidin hat in Florida einen Mann namens William Larson interviewt, der im Juni 1987 das Opfer eines Motorradunfalls wurde. Larson wachte später im „Cape Canaveral Hospital“ auf und erfuhr von den behandelnden Ärzten, dass sein Körper keine Lebenszeichen mehr von sich gab, bevor die Sanitäter in wiederbelebten.
Später erinnerte sich Larson, dass er seinen Körper auf der Straße liegen sah und sogar die Gespräche umstehender Augenzeugen hören konnte. Aber selbst Fälle wie dieser können nicht als Beweis dafür angeführt werden, dass unser Bewusstsein fähig ist, unseren Körper zu verlassen. Es gibt viele zitierte Fälle, in denen Personen Dinge gesehen haben, sie sie nicht gesehen haben konnten, selbst wenn sie bei Bewusstsein gewesen wären. Peter Fenwick erklärt in seinem Buch „The Truth is in the Light“:
„Fast immer, wenn solche Fälle genauer untersucht werden, erweist es sich als schwierig, die aufgestellten Behauptungen aufrecht zu erhalten. Einer dieser Fälle ist so bekannt geworden, dass er oft zitiert wird, um zu beweisen, dass Menschen auch außerhalb ihres Körpers Informationen aufnehmen können.“
In einem von Fenwick beschrieben Fall erholte sich eine Frau namens Maria in einer Klinik in Seattle von einem Herzstillstand und beschrieb eine Nahtoderfahrung, bei der sie aus dem Fenster geschwebt war. Während sie schwebte, entdeckte sie einen alten Turnschuh, der in einer Ecke eines Fenstersimses lag, außerhalb der normalen Sichtweite. Der Schuh wurde dort gefunden, wo sie ihn gesehen hatte, und entsprach auch Marias detaillierter Beschreibung. Peter Fenwick kommentiert den Fall:
„Das einzige Problem besteht darin, dass es niemandem, der versucht hat, dieser Geschichte auf den Grund zu gehen, je gelungen ist, diese Frau zu finden und mit ihr zu sprechen. Also müssen wir sie als Gerücht behandeln, und nicht als Faktum.“
Das nüchterne Fazit: Den meisten übersinnlich Begabten auf dem Gebiet außerkörperlicher Erfahrungen ist nur schwer auf die Spur zu kommen. Aber am schwierigsten wird diese Aufgabe im Bereich der Nahtoderfahrung.
Eine Studie an Versuchspersonen ist für Experten unmöglich, weil niemand eine Nahtoderfahrung auf Befehl haben kann. Nahtoderfahrungen finden unzweifelhaft statt – aber bis jetzt sind sie nach wie vor ungeklärt.
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Frank Schwede
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