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2026-09-26

Paul Dobree-Carey: Die Kraft eines einzelnen Wortes


Es gab eine Zeit, vor vielen, vielen Jahren, als ich in der frühen Morgendämmerung auf einer Steinstufe saß, mein Notizbuch aufgeschlagen hatte, und versuchte, alles aufzuschreiben, was ich einmal werden wollte.

Die Liste war lang. Freundlicher, ruhiger, mutiger, geduldiger, disziplinierter, liebevoller. Als die Sonne schließlich über den Waldrand hinauskam, hatte ich zwei Seiten vollgeschrieben und fühlte mich überhaupt nicht anders. Also schloss ich das Notizbuch, und meine leise innere Stimme sagte: Wähle eins.

Ein Wort. Keine Liste guter Vorsätze, kein Plan, um ein besseres Ich zu werden. Ein einziges Wort, das du dir zu Herzen nimmst, das du voll und ganz lebst, bis es nicht mehr etwas ist, das du üben musst, sondern etwas, das du bist.

Das ist die Kraft eines einzigen Wortes.

Wenn es darum geht, dein Wort zu wählen, muss das Wort weder clever noch selten sein. Es muss für dich wahr sein, genau jetzt. Es kann durchaus sein, dass es dich auswählt – indem es sich als die Eigenschaft offenbart, die dir am meisten fehlt, oder als die, die du an anderen am meisten bewunderst, oder als die, die dir das Leben immer wieder durch jede schwierige Begegnung und jedes Schöpfungsereignis, das du manifestierst, vor Augen führt.

Die Edlen Werte bieten einen schönen Ausgangspunkt. Es gibt zwölf davon, die in drei Familien zusammengefasst sind.

Die Tugenden beziehen sich auf körperliches Handeln: Mut, Fortschritt, Aufgeschlossenheit und Großzügigkeit. Das sind die Wörter für jemanden, dessen Leben ihn dazu auffordert, sich zu bewegen, sich etwas zu stellen, sich zu öffnen, zu geben.

Die Tugenden beziehen sich auf emotionales Verlangen: Frieden, Wohlwollen, Demut und Aufrichtigkeit. Das sind die Wörter für jemanden, dessen Herz Ruhe, Sanftheit und Reinigung braucht.

Die Kräfte gehören zum geistigen Willen: Streben, Dankbarkeit, Ausdauer und Gelassenheit. Das sind die Worte für jemanden, dessen Geist Orientierung, Durchhaltevermögen und Beständigkeit braucht.

Setz dich ruhig hin und lass sie auf dich wirken. Lies jedes einzelne langsam durch. Achte darauf, welches dir Unbehagen bereitet, bei welchem du einen leichten Stich der Sehnsucht spürst. Das ist meist dein Wort.

Wenn du dich einmal entschieden hast, geh nicht davon aus, dass du bereits weißt, was das Wort bedeutet. Wir benutzen Wörter jeden Tag, ohne ihnen jemals wirklich zu begegnen.

Nimm zum Beispiel Demut. Die meisten Menschen denken, es bedeute, dass dir etwas widerfährt, wodurch du dich minderwertig fühlst – dass es etwas ist, das man vermeiden sollte. Das ist nicht der Fall. Demut ist das genaue Wissen, dass du nichts tun, nichts werden und nichts verstehen kannst, ohne dass das göttliche Bewusstsein durch dich fließt. Jede Gabe, jedes Talent, jede Errungenschaft ist ein Geschenk. Demut ist keine Kleinheit oder Schwäche; sie ist Genauigkeit und sie ist eine Stärke.

Nimm zum Beispiel Großzügigkeit. Es geht nicht einfach darum, Geld oder wertvolle Geschenke an andere zu verschenken. Es geht darum, von deinem Wesen, deiner Zeit, deiner Aufmerksamkeit und deiner Gastfreundschaft zu geben – ohne Tausch, Vorbehalt oder Erwartung einer Gegenleistung.

Nimm zum Beispiel Gelassenheit. Es ist nicht die Abwesenheit von Gefühlen. Es ist eine Gelassenheit, die so gefestigt ist, dass kein Extrem aus Schmerz, Lob oder Provokation dich aus deiner Mitte bringen kann.

Beschäftige dich mit diesem Wort. Schreib darüber. Frage dich, wo es in deinem Leben bereits vorhanden ist, wie es sich zeigt oder wo es fehlt. Frage dich, wie sein Gegenteil in dir aussieht. Die Bedeutung vertieft sich jedes Mal, wenn du hinschaust.

Das Wort zu kennen, ist der Anfang. Das Wort zu werden, indem du es verkörperst, ist die Aufgabe.

Trage es also bei dir. Schreib es auf eine Karte, schreibe es auf den Kühlschrank, auf die erste Seite deines Tagebuchs. Sprich es morgens dreimal laut aus, mit Kraft und Autorität. Dann beobachte, wie der Tag dir jede erdenkliche Gelegenheit bringt, es zu üben.

Wenn dein Wort „Geduld“ ist, wird die Warteschlange länger sein. Wenn dein Wort „Mut“ ist, wird das Gespräch, das du bisher vermieden hast, vor deiner Tür stehen.

Wenn dein Wort „Dankbarkeit“ ist, wirst du feststellen, dass dich Vogelgesang, das Lachen eines Kindes, ein Sonnenuntergang und ein so tiefes Gefühl innehalten lassen, dass die Welt plötzlich das Göttliche hinter sich offenbart.

Das ist kein Zufall. Wenn du ein Wort wählst, hast du dem Universum deine Absicht verkündet, und das Universum antwortet, indem es dir den Unterrichtsraum und die Lektionen gibt, die du lernen sollst.

Bleib eine Zeit lang bei einem Wort. Einen Monat, drei Monate, ein Jahr. Eile nicht zum nächsten. Das Ziel ist nicht, Tugenden wie Abzeichen zu sammeln. Das Ziel ist, durch eine einzige Tugend geläutert zu werden, bis sie mühelos in jeder Handlung, jedem Wort und jeder Tat durchscheint.

Genau so sind die Aufgestiegenen Meister ihren Weg gegangen. Sie haben nicht versucht, alles auf einmal zu perfektionieren. Sie haben sich in einzelnen Nuancen ihres Verhaltens geläutert, bis sie daran erkannt wurden, wofür sie standen, was sie verkörperten und was sie anderen gegenüber ausstrahlten.

Quan Yin verkörperte Mitgefühl so vollständig, dass schon ihr Name jedem, der ihn ausspricht, Barmherzigkeit schenkt. El Morya wurde zum göttlichen Willen. Serapis Bey wurde zur Reinheit und Disziplin. Hilarion wurde zur Wahrheit. Saint Germain wurde zur Transmutation und Freiheit, zur violetten Flamme selbst. Lady Nada wurde zur Liebe im Dienst.

Jeder von ihnen nahm sich eine Eigenschaft vor und lebte sie so vollständig, dass die Eigenschaft und das Wesen untrennbar miteinander verschmolzen. Deshalb rufen wir sie an. Wenn wir Mitgefühl brauchen, rufen wir keine Idee an; wir rufen denjenigen an, der zu ihr geworden ist. Sie leben in der Schwingung des Wortes selbst.

Das Gleiche gilt für die Engel, die heute studiert und angebetet werden. Schau genau hin, und du wirst feststellen, dass sie genau dieselben Eigenschaften besitzen wie die Götter und Göttinnen der antiken Welten.

Erzengel Michael, der Beschützer mit dem Schwert des Lichts, trägt dieselbe Essenz in sich, die die Ägypter als Horus und die Griechen als Athene in ihrer Beschützerrolle kannten. Gabriel, der Bote, der das Wort aus dem Himmel bringt, trägt die Essenz von Thoth und Hermes in sich. Raphael, der Heiler, verkörpert das, was die Menschen der Antike in Asklepios und Isis, der Wiederherstellerin, verehrten. Chamuel, der Engel der Liebe, verkörpert das, was einst als Hathor und Aphrodite bekannt war. Das ist es, was die Griechen „Interpretatio Graeca“ nannten – oder, in der heutigen Sprache, Synkretismus.

Die Namen änderten sich mit den Sprachen, den Tempeln und den Jahrhunderten. Die Eigenschaften blieben dieselben. Jede Kultur blickte in dasselbe Licht und gab demselben Antlitz ihren eigenen Namen. Das Wort wurde Fleisch.

Und hier liegt das Geheimnis hinter all dem.

Jedes Wort, das wir für eine Eigenschaft des Seins haben – Mut, Frieden, Demut, Dankbarkeit, Mitgefühl, Wahrheit, Ehre, Integrität –, ist eine Bezeichnung für ein anderes Verhalten, einen anderen Ausdruck, eine andere Farbe desselben Lichts. Jeder Meister, jeder Engel, jeder Gott und jede Göttin ist ein anderes Gesicht desselben Lichts.

Sie alle begannen als das Eine. Eine einzige Quelle schöpferischer Liebe, die sich entschied, sich selbst auf unendliche Weisen zu erkennen, und so ihren Glanz in Eigenschaften aufteilte, so wie sich weißes Licht durch ein Prisma in Farben aufspaltet. Wenn du dein einziges Wort wählst und es voll und ganz lebst, wirst du nicht zu etwas Getrenntem. Du führst eine Farbe des Regenbogens zurück zu dem weißen Licht, aus dem sie entstanden ist.

Deshalb funktioniert die „Kraft des einzigen Wortes“. Das Wort ist eine Tür, und jede Tür führt in denselben Raum.

Also wähle dein Wort. Lerne es. Lebe es. Lass dich davon reinigen, bis andere dich daran erkennen können. Und wenn du es aussprichst, sprich es so aus, wie es die Meister taten:

„ICH BIN Das, das den höchsten Ausdruck der Liebe als Licht der lebendigen Quelle sucht.“

Liebevolle Segenswünsche

Paul Dobree-Carey / Polaris AB

Quelle: Paul Dobree-Carey

[übersetzt von max: Herzlichen Dank lieber Paul💖Wir freuen uns über eure Unterstützung, Von Herzen Danken wir Euch💖]

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