Es gibt Wege, die die Wahrheit erklären wollen und es gibt Wege, die alles entfernen, bis nur noch Wahrheit übrig bleibt. In dieser Zeit begegnen uns viele Systeme, die versuchen, das Große Ganze zu beschreiben: Kosmos, Bewusstsein, Gott und Entwicklung. Sie geben Antworten, Strukturen und ein Gefühl von Orientierung und ohne Zweifel kann das faszinierend sein. Jedoch gibt es auch einen anderen Zugang, einen stilleren. Einen, der nicht erklärt, sondern entzieht. Auch nicht erweitert, sondern vereinfacht. Die Mystik ging nie den Weg des Wissens, sondern den des Loslassens. In der Mystik geht es nicht darum mehr zu verstehen, sondern zu sehen. Es wird kein Wissen mehr gesammelt, sondern es wird durchschaut. Die größte Täuschung liegt nicht darin, dass wir zu wenig wissen, sondern das wir glauben, durch Wissen zur Wahrheit zu gelangen. Es gibt Systeme, die das Universum beschreiben und es gibt Erkenntnis, in der der Beobachter selbst still wird. Hier endet jede Erklärung und hier beginnt das, wonach so viele suchen.
Das bedeutet nicht, dass Wissen falsch ist, denn es hat seinen Platz, es ordnet, erklärt und vermittelt, doch aus mystischer Sicht liegt darin auch eine Grenze, denn Wissen bewegt sich immer im Bekannten. Es beschreibt, vergleicht und benennt. Wissen kann über Wahrheit sprechen, aber es ist nicht die Wahrheit selbst. Deshalb wählt die Mystik einen anderen Zugang. Es geht nicht mehr darum etwas hinzuzufügen, sondern darum etwas wegzunehmen. Nicht mehr verstehen wollen, sondern sehen, was ohne Erklärung bereits da ist. Loslassen meint dabei nicht Passivität, sondern ein bewusstes Zurücktreten von Konzepten , von Vorstellungen und von dem ständigen Bedürfnis, etwas festzuhalten.
Auch vom Bild eines „Ich“, das etwas erreichen oder erkennen will, denn genau dieses „Ich“ ist der massivste Teil dessen, was die unmittelbare Wahrnehmung überlagert. In der Mystik geschieht daher, für das Bewusstsein, etwas sehr bedeutendes, denn im mystischen Bewusstsein wächst nicht das Wissen, sondern das, was im Weg steht wird still und in dieser Stille zeigt sich etwas, das nicht erarbeitet wurde. Es ist keine neue Erkenntnis im eigentlichen Sinn, sondern ein Erkennen, das immer schon da war. Man kann sagen, Wissen sammelt - Mystik entleert. und in dieser Entleerung wird sichtbar, was durch kein Wissen erreicht werden kann.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Bei Kommentaren bitten wir auf Formulierungen mit Absolutheitsanspruch zu verzichten sowie auf abwertende und verletzende Äußerungen zu Inhalten, Autoren und zu anderen Kommentatoren.
Daher bitte nur von Liebe erschaffene Kommentare. Danke von Herzen, mit Respekt für jede EIGENE Meinung.