2026-05-17

Klaus Praschak: "Das wahre Denken geschieht dort, wo die Sprache keine Worte hat“


Lange Zeit glaubte der Mensch, die Wahrheit ließe sich durch Denken erreichen.
Er sammelte Worte, ordnete Begriffe, erschuf Bilder und Erklärungen, um das Leben greifbar zu machen und tatsächlich konnten Worte vieles benennen. Sie gaben den Dingen Namen, zogen Grenzen zwischen dem Einen und dem Anderen und spannten ein Netz aus Bedeutung über die Welt. Doch tief im Inneren blieb etwas unberührt, denn Worte konnten immer nur auf etwas zeigen, niemals aber das sein, worauf sie deuteten. So wanderte der Mensch weiter durch die Räume seines Denkens, bis er eines Tages an einen stillen Rand gelangte, an dem die Sprache begann, ihre Kraft zu verlieren. Dort geschah etwas Seltsames. Der Strom der Gedanken wurde langsamer und die innere Stimme, die unaufhörlich erklärte, verglich und bewertete, verstummte für einen Augenblick. In dieser ungewohnten Stille öffnete sich ein anderer Raum. Kein Raum aus Vorstellungen, sondern ein lebendiger Raum des unmittelbaren Erkennens. Plötzlich war da eine Klarheit, die nicht gedacht wurde. Ein Verstehen ohne Schlussfolgerung und ein Wissen ohne Worte. Es war, als würde ein feiner Schleier aus Dunkelheit und Vergessen langsam weichen, der so lange zwischen dem eigenen Sein und der lebendigen Wirklichkeit gehangen hatte. Doch was dahinter erschien, war nicht fremd. Es war näher als jeder Gedanke. Der Mensch erkannte, ohne nachzudenken und er verstand, ohne erklären zu können. Die Wahrheit trat nicht als Gedanke hervor, sondern als stille Gewissheit, die sich dem ganzen Wesen mitteilte wie ein lautloses Echo aus einer tieferen Wirklichkeit. Da begriff er, warum die Weisen immer wieder von der Stille gesprochen hatten, denn in ihr offenbarte sich etwas, das durch Worte nur verdeckt werden würde. Je tiefer er in diese Stille lauschte, desto deutlicher wurde: Das Leben wollte nicht länger nur betrachtet werden, sondern es wollte sich selbst erkennen - durch ihn.

Klaus Praschak
Bild: printerest.de

Quelle: Klaus Praschak

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