Über die Frage, ob Planeten Lebewesen sind, haben sich im Verlauf der Geschichte nicht nur Forscher Gedanken gemacht. Zahlreiche bedeutende Philosophen der Antike haben sich ebenfalls mit diesem Thema auseinandergesetzt und betrachteten die Planeten als göttliche, lebendige und beseelte Wesen.
Für die Mehrheit der antiken Philosophen stellt das gesamte Universum einen einzigen umfassenden Organismus dar, der von einer Weltseele (Anima mundi) durchdrungen und belebt wird. Platon beschreibt im Dialog „Timaios“, dass der Schöpfergott den Kosmos als ein „beseeltes, vernunftbegabtes Lebewesen“ erschaffen hat.
In seiner Philosophie waren die Planeten und Fixsterne die sichtbaren, ewigen Götter mit höchster Vernunft und verfügten über vollkommenes Bewusstsein. Für die Menschen der Antike stellte die Bewegung der Planeten das überzeugendste Indiz für deren Bewusstsein dar.
Während die Erde von Chaos, Vergänglichkeit und unvorhersehbaren Veränderungen geprägt war, zogen die Planeten in mathematisch exakten, ewigen Kreisbahnen am Nachthimmel umher.
Aristoteles argumentierte, dass die kontinuierliche und regelmäßige Bewegung der Himmelskörper nicht dem Zufall entspringen kann; vielmehr erfordere sie einen inneren Antrieb – eine strebende Seele – sowie absolute Vernunft.
Da sich Planeten, im Gegensatz zu Fixsternen, scheinbar eigenständig auf komplexeren Bahnen, wie beispielsweise in Form rückläufiger Schleifenbewegungen, bewegen, wurde hierin der Ausdruck eines eigenen Willens sowie einer bewussten Navigation erkannt.
Natürlich hatten Planeten als Götter auch ein Bewusstsein, Gefühle, Absichten und die Fähigkeit das Schicksal der Menschen auf der Erde durch astrologische Einflüsse zu bestimmen.
Johannes Kepler beispielsweise hielt den Kosmos für eine ganzheitliche und intelligente Harmonie, in der die Planeten mit majestätischen Tieren vergleichbar sind.
Selbstverständlich wurde diese Auffassung später von der wissenschaftlichen Moderne verspottet, da sie der Überzeugung war, einen ausschließlich materiellen Kosmos zu beobachten, in dem der Mensch das einzige rationale Lebewesen darstellt.
Das Konzept eines musizierenden Universums Der griechische Philosoph Pythagoras von Samos prägte die Idee der Sphärenharmonie, wonach die Planeten bei ihren Bewegungen einen kosmischen Klang erzeugen, der eine göttliche, mathematische Vernunft zum Ausdruck bringt.
Pythagoras Wissen erstreckte sich weit über das der zeitgenössischen Wissenschaft hinaus. Mathematik und Naturwissenschaften prägten sein gesamtes Leben und Schaffen. Er hat Meilensteine für Generationen gesetzt – bis heute.
Seine Idee der Sphärenharmonie beruhte auf der Erfahrung, dass bei der Bewegung von großen Körpern in der Natur häufig ein Geräusch gehört wird. Deshalb dachte er, dass auch die Himmelskörper Geräusche machen, wenn sie sich um die Erde bewegen. Die dabei erzeugte Tonhöhe sollte durch ihre Entfernung von der Erde und ihrer Geschwindigkeit bestimmt werden.
Es gibt acht Töne in der Sphärenharmonie, die aus den sieben Planetensphären und der Fixsternsphäre stammen. Pythagoras ordnete die Planeten Mond, Sonne, Venus, Merkur, Mars, Jupiter und Saturn an. Aufgrund seiner Nähe zu den gegenläufig kreisenden Fixternen betrachtete er den Saturn als den langsamsten Planeten.
Pythagoras war davon überzeugt, dass die Geschwindigkeiten und die Abstände zum Weltmittelpunkt, der Erde, die Tonhöhen beeinflussen und dass die Abstände der Planetenbahnen zu den Proportionen führen, deren akustisches Resultat eine musikalische Harmonie darstellt.
Da allgemein die Vorstellung bestand, dass sämtliche Planeten sich gleichförmig auf ihren Kreisbahnen bewegen, ergab sich die Folgerung, dass jeder Planet stets einen einzigen, unveränderlichen Ton erzeugt und dass alle Töne gleichzeitig in konstanter Lautstärke erklingen.
Hinter dieser Theorie lag die Überzeugung, dass der Kosmos eine durch mathematische Proportionen optimal strukturierte Einheit darstellt und dass sich folglich in der Astronomie dieselben Gesetzmäßigkeiten offenbaren wie in der Musik.
In Anbetracht der Tatsache, dass die Gestirne als göttlich erachtet wurden und aufgrund der angenommenen Vollkommenheit der Himmelsmechanik, wurde die Himmelsharmonie als ein einzigartiger Wohlklang betrachtet, der jedoch offenbar nicht von allen wahrgenommen werden kann.
Die Pythagoreer führten als Erklärung dafür, dass wir nichts von den Klängen und Tönen vernehmen, an, dass eine Wahrnehmung unseres Bewusstseins nur dann erreicht wird, wenn auch die Abwesenheit des Wahrgenommenen erfahrbar ist.
Infolgedessen nehmen die Menschen die Harmonie des Himmels nicht wahr, da sie kontinuierlich erklingt und ihnen somit der Kontrast zu einer entgegengesetzten Stille unbekannt bleibt.
Jeder Planet hat seinen eigenen Sound Letztendlich war auch Cicero der Ansicht, dass wir für den Klang des Himmels „taub“ seien, genauso wie Menschen, die in der Nähe der Nilkatarakte wohnen, das ständige Geräusch des Wassers nicht bemerken. Aristoteles hatte bereits einen ähnlichen Vergleich mit Schmieden angeführt, die durch Gewöhnung den Lärm ihrer Arbeit nicht mehr wahrnehmen.
Eine alternative Begründung wurde von Archytas von Tarent formuliert; seiner Auffassung nach sei der menschliche Gehörgang für einen derart gewaltigen Schall zu eng. Da jedoch einige Anhänger des Pythagoras dem Meister übermenschliche Fähigkeiten zuschrieben, waren sie überzeugt, dass er in der Lage sei, die Himmelsharmonie dennoch zu vernehmen.
Aristoteles lehnte die Hypothese der Himmelsharmonie ab. Er führte aus, dass die Bewegung der Planeten keine Geräusche hervorrufen könne, da diese nicht als Eigenbewegung der Planeten zu betrachten sei, sondern lediglich als Folge der Rotation der Sphären.
Er erklärte, dass ein Gegenstand, der sich in einem beweglichen Körper befindet, keinen Lärm erzeugt, wenn er sich ohne Reibung mit dem Körper bewegt. So bewegen sich bestimmte Teile eines fahrenden Schiffes, die im Vergleich zu ihrer unmittelbaren Umgebung sind, lautlos mit, und das Schiff erzeugt auch keinen Lärm, wenn es mit der Strömung auf einen Fluss hinunterfährt.
Aristoteles war auch der Ansicht, dass solch gewaltige Töne sogar noch stärkere Auswirkungen haben müssten als die reine Gehörwahrnehmung; sie müssten lauter sein als der Donner und würden feste Objekte zerschlagen.
Die Vorstellung der himmlischen Harmonie gewann trotz der Kritik von Aristoteles in großem Umfang an Beliebtheit. Sie erfüllte ein weit verbreitetes Verlangen, die Rätsel des Kosmos mithilfe mathematischer Verfahren zu entschlüsseln und ihn somit als ein geordnetes Gesamtsystem zu präsentieren, in dem irdische und himmlische Musik denselben erkennbaren Gesetzmäßigkeiten folgen.
Die Idee fand schließlich ihren Eingang in die Philosophie durch Platon, der sie in seinem Werk „Politeia“ eindrucksvoll darstellte. Platon glaubte sogar, dass jeder Planet einen individuellen Klang hat und dass der gesamte Kosmos eine Ganzheit ist, die durch mathematische Proportionen optimal geordnet ist. Seine Theorie besagt, dass in der Astronomie dieselben Gesetzmäßigkeiten zu beobachten sind wie in der Musik.
Die abschließende Vision dieses Werkes, der Mythos von „Er“, stellt den Kosmos als eine große Spindel aus ineinander geschachtelten Ringen dar. Auf jeder Sphäre singt eine Sirene, jede von ihnen singt einen einzigen Ton. Ihre Stimmen ergeben gemeinsam eine Harmonie. Daher präsentierte Platon den Gedanken der Sphärenharmonie nicht als physikalische Hypothese, sondern in Form eines Mythos.
Dieser Mythos prägte das Bild für die kommenden Jahrhunderte: die sich drehende Sphären, die jeweils ihren eigenen Ton haben, das Ganze, das sich in Musik verwandelt.
Später versuchte auch Johannes Kepler, den genauen Inhalt dieser Vision zu verstehen. In seinem 1916 erschienen Werk „Harmonices Mundi“ suchte Keppler nach realen musikalischen Bedingungen in den Umlaufgeschwindigkeiten der Planeten und behauptete, dass der Himmel tatsächlich wie ein Musikstück vertont sei.
Bemerkenswert ist, dass Keppler in demselben Werk sein drittes Gesetz der Planetenbewegung formuliert, welches ein präzises und dauerhaftes Ergebnis echter Wissenschaft ist.
„Harmonices Mundi“ vereint sowohl eine mystische Suche nach kosmischer Harmonie als auch ein authentisches physikalisches Gesetz, das in diesem Kontext verankert ist. Die Mystik hat sich zwar nicht so bezahlt gemacht, wie er gehofft hatte, doch die Wissenschaft hat sich am Ende durchgesetzt.
Der Gründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner, argumentierte, dass der Begriff Sphärenharmonie eine tatsächliche, aber nicht sinnliche, sondern rein geistige Wahrnehmung umfasst, über die die Pythagoreer und Goethe berichtet hätten und die grundsätzlich auch dem modernen Menschen zugänglich sei. Bei denen, die dazu befähigt oder geschult sind, erfolgt die über das „geistige Ohr“.
Auch einige zeitgenössische Musiker waren fasziniert von der Vorstellung der Sphärenharmonie. Gustav Mahler äußerte sich über seine Achte Sinfonie mit den Worten: „Denken Sie sich, dass das Universum zu tönen und zu klingen beginnt. Es sind nicht mehr menschliche Stimmen, sondern Planeten und Sonnen, welche kreisen.“
Darüber hinaus stellte der bekannte Dirigent Bruno Walter mit expliziter Bezugnahme auf Pythagoras fest, dass die spirituell verstandene Sphärenharmonie eine Realität sei, die „reicher veranlagte Naturen“ erreichen können – und im März 2008 veröffentlichte der britische Musiker Mike Oldfield mit seinem Album „Music of Spheres“ seine Interpretation der Sphärenmusik.
Am Ende konnte sogar die US-Weltraumagentur NASA Pythagoras‘ Idee bestätigen. Im Verlauf vieler Jahre hat die NASA für nahezu jeden Planeten unseres Sonnensystems ein individuelles Klangprofil entwickelt, dessen Klänge sogar den Charakter von himmlischen Symphonien annehmen können, in denen die kleinsten Planeten als Flöten, die mittelgroßen als Posaunen und die Riesen als dröhnende Tuben hervortreten.
Obgleich das Universum im Wesentlich ein ausgedehntes Vakuum darstellt, in dem sich Schall nicht ausbreiten kann, hat die NASA spezielle Instrumente entwickelt, um beispielsweise den Klang der Milchstraße dennoch hörbar zu machen.
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Frank Schwede
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