2026-05-06

Otfried Weise: Freiheit beginnt im Fallenlassen der Masken


Dort, wo kein „Ich muss“ mehr drängt, öffnet sich ein Raum, der nichts fordert und doch alles trägt.
Doch sobald Freiheit zum Ziel wird, das erreicht werden soll, verengt sie sich wieder – und wird zu dem, wovon sie sich befreien wollte.

Das Leben fließt nicht, weil wir es lenken,
sondern weil wir aufhören, es festzuhalten.
Wie ein Strom, der sich nicht um Steine kümmert,
sondern sie umspült, ohne Widerstand, ohne Absicht.
Hindernisse verlieren ihre Schwere,
Richtungen ihre Bedeutung,
wenn nichts mehr ist, das an ihnen haftet.

Loslassen ist kein Tun,
sondern das Ende des Tuns aus Zwang.
Ein Zurücktreten aus der Kontrolle
und in diesem geschieht das Neue –
nicht als Errungenschaft,
sondern als natürliches Entfalten dessen, was immer schon ist.

Zeit zerfällt hier in Bedeutungslosigkeit.
Kein Vorher, kein Nachher,
nur dieses stille Präsenz, das ungreifbare Jetzt,
das sich weder festhalten noch benennen lässt.
Jeder Versuch, es zu fassen,
ist wie Wasser in der geschlossenen Hand –
es gleitet hindurch.

Und doch ist es da,
in jedem Atemzug,
in jedem unbeabsichtigten Moment von Sein.

Freiheit ist nicht das Erreichen eines Zustands,
sondern das Verschwinden der Notwendigkeit, jemand zu sein.

Quelle: Otfried Weise

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