Ihr Lieben
Heute zu Gast Frank Jacob. Reiner Feistle spricht mit Frank über die gnostische Sichtweise auf die Erdgeschichte und das Konzept der Sophia. Im Austausch beleuchten sie den Einfluss von KI auf die Menschheit, den Unterschied zwischen memetischem Nachahmen und wahrer Schöpferkraft sowie die Bedeutung authentischer Kommunikation zwischen Menschen in einer zunehmend digitalisierten Welt.
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Viele gute Gedankenansätze bei Frank Jacob, aber dann auch wieder den Rahmen zu eng gezogen. Da folgt er dann noch zu sehr John Lash Lamb, der die Mutterfigur Sophia aus der mythologischen Erzählung der Gnostiker idealisiert. So wie Frank Jacob den Kirchenvätern berechtigt vorwirft, sie hätten Informationen unterschlagen, so unterschlägt er selbst auch welche, denn er erwähnt ja nicht den Grund von Sophias Fall. Sophia als die jüngste der Äonen, zwar mächtig, aber noch nicht zur Einsicht gelangt, man könnte auch sagen Stand göttliche Kindergartenkrabbelgruppe, war der Ansicht, dass sie sich beim Schöpfen nicht an die Regeln halten müsste. Solche Selbstüberschätzung sollte nicht idealisiert werden. Als Bewusstseinsarchäologe gräbt Frank Jacob da noch nicht tief genug.
AntwortenLöschenHier mal eine ausführliche Darstellung der gnostischen Ansichten und dem, was man in den Nag-Hammadi-Texten vorfinden kann. Aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, die genaue Quellenangabe hab ich jetzt leider nicht mehr:
„Im Gnostizismus ereignete sich der „Sündenfall“ nicht durch Adam und Eva – er fand vor der Erschaffung der Welt statt, durch einen Fehler eines himmlischen Wesens namens Sophia (deren Name im Griechischen „Weisheit“ bedeutet).
Die Geschichte von Sophias Fall (die Teil des gnostischen Schöpfungsmythos war)
wird in den vielen gnostischen Texten, die sich damit befassen, jeweils etwas anders erzählt,
doch die verschiedenen Versionen der Erzählung haben alle die gleichen Grundzüge gemeinsam.
Sophia war eine der „Äonen“ – göttliche Wesen, die von Gott dem Vater abstammten und in etwa den Engeln entsprachen. Von den vielen Äonen war Sophia die letzte, die aus Gott hervorging.
Wie die anderen Äonen war auch Sophia das Kind eines männlich-weiblichen Äonenpaares,
das vor ihr existiert hatte und das mit dem Segen des Vaters ein Kind zur Welt gebracht hatte. Sophia und die übrigen Äonen bildeten das „Pleroma“ (griechisch für „Fülle“), die gnostische Bezeichnung für den Himmel.
Auch Sophia wollte ein Kind haben. Doch sie ging dabei auf die falsche Weise vor: Sie empfing ein Kind ohne die Beteiligung ihres männlichen Partners und ohne die Zustimmung des Vaters. Ihr Kind war der „Demiurg“, ein missgestaltetes, streitsüchtiges Wesen, das den anderen himmlischen Wesen völlig unähnlich war.
Sophia erkannte sofort ihren schrecklichen Fehler und vertrieb ihr Kind aus dem Pleroma. Der Demiurg, nun allein, glaubte, er sei das einzige Wesen, das je existiert habe, und schuf aus
seiner Unwissenheit, Torheit und Boshaftigkeit die materielle Welt, wobei er Funken der Göttlichkeit in Adam und Eva einschloss.
Aufgrund ihres Sündenfalls und dessen verheerender Folgen wurde Sophia zu einem unvollkommenen Wesen. Ihre Unvollkommenheit machte es ihr unmöglich, in der vollkommenen
„Fülle“ des Pleroma zu verbleiben, sodass sie direkt außerhalb des Pleroma platziert wurde, in einem Reich oberhalb desjenigen ihres böswilligen Sohnes. Voller Qualen tat Sophia Buße, und der Vater willigte ein, sie ins Pleroma zurückzubringen, sobald das, was ihr fehlte, wieder in seiner natürlichen Fülle hergestellt wäre.“
Für die Beschreibung des Zustandes der Welt kommt es darauf an, worauf der Fokus der Betrachtung gelegt wird. Man kann sie als Matrix beschreiben, als fehlerhafte Schöpfung, die wiederum zu einen Helfer für das Gute gemacht wird, indem sie der Einübung von Fehlererkennung dient. Man kann sie als Internat beschreiben, eine Schule, in der Kinder sich in einem Zustand der Kasernierung befinden. Man kann sie als Heilanstalt beschreiben, die unter Quarantäne gestellt wurde, wobei innerhalb der Heilanstalt von denjenigen, die sich als dort als Obrigkeiten betrachten, eine Isolierstation bzw. ein Gefängnis errichtet wurde.
Weise wird man nicht geboren, sondern man muss sich erst auf den steilen und steinigen Weg zur Einsicht machen. Im Namen „Sophia“ sollte nicht ein Geburtsrecht zum Ausdruck gebracht werden, sondern ihre Bestimmung.