2026-07-12

Otfried Weise: LIEBE IST



Ein weites Feld öffnet sich im samtenen Fluss des zeitlosen Lebens.

Ich ruhe in der Tiefe des Seins, inniglich geborgen, getragen von einer Stille, die mich kennt, noch bevor ich mich selbst erkenne. Ruhe umhüllt mich wie ein sanftes, warmes Fluidum, das nichts fordert und nichts zurückhält. Es liebt einfach.

Ich will nichts erklären. Worte dürfen am Ufer verweilen, während ich lautlos in die Tiefe sinke, dorthin, wo meine eigentliche Heimat wohnt.

Alles bleibt. Alles verschmilzt.

Wie flüssiges Gold, das durch die Seele strömt. Wie tiefes Blau, das keinen Horizont kennt. Wie lebendiges Silber, das leise durch das Herz fließt und jeden Atemzug in Licht verwandelt.

Ich bin erfüllt von einer Unermesslichkeit, die zugleich die vollkommene Leere ist, eine Leere, die nichts vermisst, weil sie alles in sich trägt.

Ich bin längst angekommen.

Jeder Konflikt hat sich in Liebe aufgelöst. Jeder Widerstand ist geschmolzen wie Schnee in der ersten Frühlingssonne. Nichts muss mehr werden. Nichts muss sich mehr entwickeln.

In einer tiefen, zeitlosen Nähe umarmt das Leben sich selbst. Alles löst sich in jene lautlose Fülle auf, für die es keinen Namen gibt und niemals geben muss.

Ich nenne sie nicht.
Denn jeder Name würde ihre Weite begrenzen
Sie ist einfach da
Leuchtend
Pulsierend Fließend
Zärtlich gegenwärtig

Ich suche nichts
Ich brauche nichts zu erlösen
Und doch ist alles vorhanden, warm, lebendig, lichtdurchflutet und von einer Liebe erfüllt, die keinen Anfang kennt und kein Ende.

Liebe ist nicht etwas, das mich besucht.
Sie ist der Boden, aus dem ich wachse.
Sie ist das Licht, das durch meine Stille atmet.
Sie ist der samtene Duft meiner Seele

Heimat
Hier bin ich nicht getrennt
Ich bin ein Hauch von Poesie, getragen vom leisen Atem der Ewigkeit. Ein Flüstern aus Licht, eine schimmernde Welle im unendlichen Ozean des Seins.

Alles umarmt alles
Alles liebt alles

Und in dieser grenzenlosen Zärtlichkeit erkenne ich ohne Worte, ohne Gedanken, ohne Suche:

Liebe ist Heimat
Sie trägt mich
Sie durchflutet mich
Sie ist ohne Anfang und Ende und der leere Raum dazwischen.

Und während ich nichts festhalte, hält das Leben mich, sanft wie Samt, weit wie der Himmel, unendlich wie die Liebe selbst.

Quelle: Otfried Weise

1 Kommentar:

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