Darin liegt eine Schwierigkeit, denn wer die Dunkelheit nicht als solche empfindet, verspürt kaum den Drang, nach Licht zu suchen. Und wer das Licht noch nie unmittelbar erfahren hat, kann sich dessen Wirklichkeit oft nur schwer vorstellen. Ebenso fehlt häufig die Unterscheidungsfähigkeit, um zu erkennen, was tatsächlich aus einer geistigen Tiefe kommt und was lediglich den Anschein von Spiritualität erweckt. So werden Versprechungen, Methoden und selbsternannte Lehrer leicht für das gehalten, wonach die eigene Seele eigentlich sucht.
Unterscheidungsfähigkeit entsteht jedoch nicht allein durch Wissen oder durch das Kennenlernen möglichst vieler spiritueller Angebote. Sie wächst mit der inneren Klarheit und der Bereitschaft, ehrlich hinzuschauen: Was führt mich wirklich näher zu meinem innersten Wesen? Was macht mich freier, liebevoller und unabhängiger? Und was bindet mich lediglich an neue Vorstellungen, Abhängigkeiten und Versprechungen?
So bleibt mancher in einem Zustand, der weder wirklich dunkel noch lichtvoll ist. Man bewegt sich innerhalb des Vertrauten, ohne zu ahnen, welche Tiefe und Herrlichkeit sich jenseits dieses Wahrnehmungsfeldes eröffnen könnte.
Scheinbar braucht es erst eine Erschütterung, eine Begegnung oder einen Augenblick, der einen aus diesen vertrauten Grautönen herausführt. Einen Riss im bisherigen Weltbild, durch den etwas sichtbar wird, das man zuvor nicht einmal für möglich gehalten hat. Und dort im tiefsten Schmerz beginnt jene Unterscheidungsfähigkeit zu erwachen, die erkennen lässt, was nur vom Licht spricht und was tatsächlich aus dem Licht hervorgeht.
Ich sehe die Fähigkeit zu feiner Wahrnehmung als ein Geschenk Gottes, das mich letztlich zum Licht geführt hat. Dafür empfinde ich tiefe Dankbarkeit. Doch manchmal frage ich mich schon, wem es eigentlich nützt, dass ich seit so vielen Jahren über meine Erfahrungen schreibe, wenn sich Menschen davon abwenden und ihren Blick lieber nach außen richten, in der Erwartung, dass Veränderung von dort kommen müsse.
Es ist wohl eine der schwierigsten Erkenntnisse auf diesem Weg: Wenn wir etwas erfahren, das unser gesamtes Sein verändert und wir versuchen, davon Zeugnis abzulegen, aber niemanden dazu bewegen können, seinen eigenen Blick nach innen zu richten. Der Lichtweg ist insofern tatsächlich ein Alleinweg. Nicht, weil wir von allem und jedem getrennt wären, sondern weil niemand unsere innere Begegnung mit dem Göttlichen für uns vollziehen kann.
Und dieser Weg stellt gerade in unserer gegenwärtigen Zeit besondere Herausforderungen. Während die äußeren Strukturen vielerorts ins Wanken geraten und Chaos, Gewalt, Verbrechen und Tod immer stärker in den Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung rücken, spüre ich, wie sehr sich meine eigene Ausrichtung verändert hat. Diese Erscheinungen gehören zwar weiterhin zur Welt, aber sie bestimmen nicht mehr meine innere Wirklichkeit. Wir dürfen entscheiden, welcher Wirklichkeit wir in unserem Inneren Raum geben und aus welcher Quelle heraus wir leben.
Letztendlich ist es auch nicht unsere Aufgabe, möglichst viele Menschen zu erreichen, denn es genügt, das Licht, das uns geschenkt wurde, nicht wieder aus den Augen zu verlieren und dort weiterzugeben, wo jemand dafür empfänglich ist.
Der Lichtweg bedeutet nicht, die Welt nicht mehr wahrzunehmen, sondern ihr nicht länger die Macht zu geben, die eigene innere Wirklichkeit zu bestimmen.
Klaus Praschak
Bild: printerest.de

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