
Ein Wanderer steht am Ufer eines Flusses. Das Wasser bewegt sich nicht, doch es rauscht wie eine Erinnerung an ihm vorbei, die nie vergeht. Tropfen schweben, Wellen verharren, als ob sie schon immer angekommen sind. Über diesem unbewegten Strom erhebt sich eine Brücke, schmal, durchsichtig, von keinem Handwerk geschaffen. Sie scheint aus Atem, aus Schweigen, aus dem Stoff des Unsichtbaren gewoben.
Der Wanderer setzt den Fuß auf die erste Planke. Er wagt die ersten Schritte. Der Boden unter seinen Füßen ist fest, und er fühlt keine Bewegung. Jeder weitere Schritt ist jedoch wie ein Kreis, der sich schließt. Kein Geräusch ertönt. Schritte entfalten sich, doch sie tragen nicht vorwärts und nicht zurück. Nebel dehnt sich seitlich aus, Stille wölbt sich über den Brückenbögen. Bewegung und Ruhe verschmelzen zu einer einzigen Erfahrung.
Mitten auf der Brücke öffnet sich ein Raum ohne Ränder. Das Dorf hinter dem Nebel ist gegenwärtig, die Gesichter der Kindheit sind sichtbar, unbekannte Wege und unberührte Begegnungen sind ebenso präsent. Alles offenbart, dass Anfang und Ende nie existieren.
In diesem Augenblick leuchtet Erkenntnis auf: Der Fluss unten ist kein Lauf der ZEIT. Der Fluss ist ein Spiegel, in dem das Denken Strömung malt. Zeit erweist sich als Täuschung, Illusion, geboren aus dem Wunsch, das Ewige zu messen. Doch hier, im Herz der Brücke, zerfällt jede Messung, jede Vorstellung von Vorher und Nachher.
Die Brücke trägt nicht von einem Ort zum anderen, sie trägt in das, was jenseits aller Orte liegt. Jeder Atemzug enthüllt Ewigkeit, jeder Schritt ist bereits Ankunft. Der Wanderer geht und geht, und doch ruht er in derselben GEGENWART.
Die Brücke über die Ewigkeit bleibt, nicht weil sie Dauer besitzt, sondern weil sie Dauer übersteigt. Sie offenbart, dass nichts vergeht und nichts entsteht. Alles ist hier, jetzt, in diesem ungeteilten Leuchten.
Und so geht der Wanderer weiter, nicht in Erwartung, nicht im Abschied, sondern im Erkennen: Die Brücke selbst ist das Sein, und SEIN KENNT KEINEN ANFANG, KEIN ENDE, KEINE ZEIT.
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