2026-03-10

Klaus Praschak: Reinigung – wenn das Leben uns still werden lässt


Ich kann mich an eine Zeit erinnern, als ich zum ersten Mal bewusst einen Reinigungsprozess erlebte. Damals verstand ich noch nicht wirklich, was mit mir geschah. Ich spürte nur, dass etwas in mir in Bewegung geraten war, körperlich, emotional und auch innerlich auf eine Weise, die sich kaum in Worte fassen ließ. Über mehrere Nächte hinweg wachte ich völlig durchgeschwitzt auf. Mein T-Shirt war jedes Mal durchnässt, dazu kam ein starker Husten und ein körperliches Gefühl, als sei ich ernsthaft erkrankt. Mein ganzer Organismus schien in Alarmbereitschaft zu sein. Alles in mir sagte: Hier stimmt etwas nicht.

Schließlich ging ich zum Arzt. Es wurden Blutwerte bestimmt und meine Lunge geröntgt. Während ich auf die Ergebnisse wartete, ging ich innerlich durch ein regelrechtes Horrorszenario. Meine Gedanken begannen, mögliche Diagnosen zu entwerfen, und ich stellte mich bereits auf eine schwere Erkrankung ein. In dieser Zeit geschah etwas Merkwürdiges in mir. Ich begann, mein Leben loszulassen. Nicht aus Resignation, sondern aus einer tiefen inneren Einsicht heraus, dass ich letztlich keine Kontrolle darüber habe, wie lange dieses Leben dauert. Zum ersten Mal setzte ich mich wirklich mit dem Gedanken auseinander, dass mein Leben auch zu Ende gehen könnte.

Als ich schließlich die Untersuchungsergebnisse erhielt, erlebte ich eine große Überraschung. Meine Ärztin erklärte mir, dass alle Blutwerte außergewöhnlich gut seien, ja sogar Bestwerte. Auch das Röntgenbild meiner Lunge zeigte keinerlei Auffälligkeiten. Medizinisch war alles vollkommen in Ordnung. Das war zunächst kaum zu begreifen. Wie konnte ich mich so krank fühlen, wenn doch körperlich nichts festzustellen war?

Erst viel später begann ich zu verstehen, dass es gar nicht um eine Krankheit gegangen war. Rückblickend weiß ich heute, dass diese Zeit vielmehr ein intensiver innerer Prozess war, eine Phase, in der etwas Altes in mir aufbrach und sich lösen wollte. In dieser Erfahrung ging es um etwas sehr Einfaches und zugleich sehr Tiefes, nämlich um das Fühlen selbst und um die Bereitschaft, der eigenen Verletzlichkeit zu begegnen, der Angst vor dem Tod ins Auge zu sehen und das Leben in seiner ganzen Unsicherheit anzunehmen. Leider ist es so, dass der Mensch erst dann wirklich beginnt zu fühlen, wenn er aufhört, alles kontrollieren zu wollen. Heute sehe ich Krankheitssymptome als einen Prozess, in denen uns das Leben ermöglicht, tiefer in diese Erfahrung einzutauchen. Reinigung beginnt nicht im Denken, sondern im Erleben und manchmal führt uns das Leben durch Erfahrungen, die uns zwingen, still zu werden, zu fühlen und uns selbst auf einer tieferen Ebene zu begegnen.

In spirituellen Traditionen wird oft davon gesprochen, dass der Mensch durch Phasen der Reinigung oder Läuterung geht. Interessanterweise finden sich auch in den Lehren Jesu Hinweise darauf. Jesus sprach davon, dass der Mensch innerlich rein werden müsse und dass wahre Veränderung nicht von außen, sondern aus dem Herzen kommt. In der Bergpredigt heißt es: „Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“ Auch das Bild vom Weinstock, das Jesus verwendet, weist in diese Richtung. Er sagt dort, dass jede Rebe, die Frucht bringt, „gereinigt“ oder „beschnitten“ wird, damit sie mehr Frucht tragen kann. In diesem Bild steckt eine tiefe Weisheit, denn Wachstum bedeutet oft auch Loslassen und Altes muss sich lösen, damit Neues entstehen kann.

Klaus Praschak

Bild: printerest. de danke

Quelle: Klaus Praschak

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