2026-04-30

Otfried Weise: OFFENHEIT UND FREIHEIT


Es kommt zunächst nicht darauf an was du willst, wichtig sind Offenheit und freier Geist und ein weites Herz. Die Intuition führt, das bedeutet, dass die Frage selber der Weg ist. Es ist die Botschaft, die dich führt, weil sie an die Öffentlichkeit will. Die Botschaft entwickelt sich im Schreiben. Die Seele will vieles begreifen, auch das, was der Verstand als abwegig und für sinnlos oder unmöglich hält. Du stellst den Prozess über das Ergebnis. Die Frage ist nicht nur ein Werkzeug, sondern selbst schon Teil der Antwort. Intuition bekommt Raum, bevor der Verstand alles sortiert, bewertet oder begrenzt. 

Viele Ideen entstehen tatsächlich erst im Tun, nicht vorher. Wenn man zu früh versucht, alles rational zu kontrollieren, erstickt man oft genau das, was entstehen will. Offenheit und Intuition sind stark. Der Verstand ist meist ein Bremser, und ungeeignet für Entscheidungen. So bleibt der „freie Geist“ erhalten. 

Die Seele hat ihre eigene Vorstellung und funktioniert nicht nach den Gesetzen der Logik. Gerade dass, was abwegig erscheint, führt weiter. Die Seele richtet sich nicht nach Konventionen und danach, was sich gehört. Sie folgt eigenen völlig unabhängigen Wegen. Manche Probleme werden mit zunehmender Erfahrung weniger wichtig. Zeit und Richtung spielen keine Rolle. Es findet ein Entwicklungsprozess statt, auch wenn alles gleichzeitig abläuft. 

In der konkreten Realität hingegen hat Zeit sehr wohl Konsequenzen: Entscheidungen wirken sich aus, Dinge bauen aufeinander auf, und Handlungen haben Folgen — für dich und für andere. Die alte Frage, wie Gott das zulassen kann, stellt sich nicht, weil die Seele/Gott keine Begrenzungen kennt. Diese liegen im Denken und sind oft von Angst gesteuert. Gott lässt vieles zu. Der Mensch setzt die Grenzen, anstatt Vertrauen walten zu lassen. Grenzen können auch hilfreich sein, weil viele Menschen über die Grenzen anderer gehen und sie dadurch Macht ausüben. 

Wenn alles einfach zugelassen wird, bleibt die Frage offen, wer handelt und wer Verantwortung trägt. Und genau da kommt der Mensch wieder ins Spiel — nicht nur als Begrenzender, sondern auch als Gestaltender. 

Vielleicht liegt die Stärke eher im Spannungsfeld: 

• Die Offenheit, auch „abwegige“ Gedanken zuzulassen 
• Und gleichzeitig die Fähigkeit, sie zu prüfen, einzuordnen und Verantwortung dafür zu übernehmen 

Die Seele gibt Impulse — aber was daraus wird, entscheidet, wie du sie lebst. Das ist eine Botschaft für viele Menschen. Während der Verstand ordnet, bewertet und begrenzt, öffnet die Seele Räume. Sie denkt nicht in Verboten oder Geboten, sondern in Möglichkeiten und freier Wahl. Die Seele kennt keine geraden Linien. Sie wandert, wo kein Weg ist, und findet Sinn in dem, was der Verstand verwirft. Sie spricht leise, oft dort, wo wir nicht hinhören wollen, in geheimnisvollen Gedanken, im Unfertigen, im Unmöglichen. 

Der Verstand baut Grenzen aus Angst vor dem Ungewissen. Er ordnet, trennt, entscheidet. Doch die Seele löst auf, was zu eng geworden ist. Für sie gibt es kein „so gehört es sich“, kein Richtig und kein Falsch, nur Bewegung, nur Erfahrung, nur ein stilles Wissen, das sich nicht beweisen muss. Zeit verliert ihre Schwere. Was war und was wird, fließt ineinander, und Entwicklung geschieht nicht Schritt für Schritt, sondern in Kreisen, in Sprüngen, in gleichzeitigen Welten. 

Doch nichts ist vergeblich, nichts steht still. Und die Frage nach dem warum — warum Leid, warum Zulassen — verblasst in einem größeren Raum, in dem Begrenzung nur ein Schatten des Denkens ist. Vielleicht ist es nicht Gott, der schweigt oder erlaubt. Vielleicht ist es der Mensch, der sich selbst einschränkt, weil er verlernt hat zu vertrauen. Die Seele, die sich nicht erklären muss — nur erfahren.

Quelle: Otfried Weise

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