2026-06-01

Andrea Riemer: Wir leben in einer „monströsen Gegenwart“, in einem überdimensionierten Jetzt.

Nur der Augenblick existiert. „Präsentismus“ oder auch „Chronozentrismus“ sind Begriffe dafür. Die Verherrlichung der Zeit. Sie ist eines der größten Versklavungsinstrumente. Haben Sie dazu schon reflektiert? Keine Zeit. Später. Irgendwann. Müsste man. Könnte man …

Leben wir in einer Zeit des endlichen Jetzt?
Gibt es die Tyrannei des endlosen Jetzt?

Wenn man Pläne macht, dann nur mit Bleistift. Könnte ja anders kommen.

Unser Gehirn hilft uns dabei bereitwillig, weil es einen Priorisierungsmechanismus in sich trägt. Was ist als Bedrohung (Amygdala-Steuerung – siehe den Säbelzahntiger) jetzt dringlich? Zukünftiges ist abstrakt. Selbst das Morgen ist abstrakt.

Das ist der Zustand, in dem ein Großteil der Menschheit lebt. Bis zu einem gewissen Grad wurde dieser Zustand von der vielfältigen spirituellen Community mit heraufbeschworen, weil das Jetzt zum Wichtigsten hochstilisiert wurde – ohne Zeit in ihrer Vieldimensionalität und Vielfalt je begriffen zu haben.

Dabei ist uns der Zugang zum Verständnis von Tiefenzeit gegeben. Doch Quartalsgewinne und Bilanzen, erratisches Verhalten Einzelner halten den Großteil der Menschen davon ab, nach diesem Verständnis zu agieren.

Wir sind nicht zeitblind, weil uns Informationen fehlen.

Wir sind zeitblind, weil die Gegenwart so laut ist, dass sie alles andere übertönt.

Www.andrea-riemer.de