
sie ist der unsterbliche Gottesfunke, der wir in unserem tiefsten Wesen sind und bleibt stets von den Stürmen des Lebens unberührt, unversehrt von Schmerz, Schuld und Vergänglichkeit. Sie ist Licht aus der Quelle allen Seins und trägt die Erinnerung an ihre Vollkommenheit in sich.
Die Seele ist nicht auf die Suche nach Wahrheit angewiesen, denn sie kennt sie bereits. Sie ist nicht auf der Suche nach Weisheit, denn sie ist aus ihr hervorgegangen. Erleuchtung ist ihr natürlicher Zustand. Was sie sucht, ist Erfahrung, durch erkennen, verstehen und begreifen. Sie möchte das Leben in all seinen Farben kosten, Freude und Schmerz, Nähe und Trennung, Aufstieg und Fall. Durch das Erleben entfaltet sich die Vielfalt des Daseins.
Dazu bedient sie sich der Persönlichkeit, ihres Werkzeuges. Die Persönlichkeit tritt in die Welt der Formen ein, handelt, entscheidet, liebt, zweifelt, hofft und fürchtet. Sie bewegt sich durch Zeit und Raum und sammelt jene Erfahrungen, die die Seele erleben möchte.
Die Seele folgt dabei einem eigenen Plan, einem inneren Entwurf des Lebensweges. Sie weiß, was sie tut. Hingabe ist nicht ihre Aufgabe, denn sie ruht bereits im Vertrauen. Die Persönlichkeit hingegen darf Hingabe praktizieren. Sie darf lernen, sich dem größeren Ganzen anzuvertrauen und den Weg anzunehmen, der sich vor ihr entfaltet. Nur darin liegt ihre eigentliche Herausforderung.
Dennoch besitzt die Seele eine gewisse Freiheit. Sie kann von ihrem ursprünglichen Entwurf abweichen und neue Wege beschreiten. Dadurch entstehen manchmal besondere Prüfungen und unerwartete Schwierigkeiten. Die Persönlichkeit erlebt dies als Kampf, als Widerstand oder als Krise.
Doch gerade darin liegt Wachstum verborgen. Denn auch Umwege sind Wege und auch das Verlassen des vorgesehenen Pfades bringt Erfahrungen hervor, die ihren eigenen Wert besitzen.
Deshalb gibt es letztlich nichts zu bereuen. Schmerz und Leid sind keine Fehler, sondern Teile des großen Erfahrungsraumes des Lebens. Alles Erlebte bereichert das Bewusstsein. Inneres Chaos und äußere Chaos können ebenso Wegweiser sein wie Ordnung und Klarheit. Die Persönlichkeit lernt durch das Erleben, während sie ihr Bewusstsein erweitert.
Wenn sich etwas beugen muss, dann immer die Persönlichkeit, niemals die Seele. Die Seele bleibt frei wie unberührt, weil sie nichts besitzt und nichts festhalten muss. Sie verlangt keine Kontrolle und sucht keine Bestätigung. Deshalb muss sie sich auch nicht niederwerfen oder unterwerfen.
Die Persönlichkeit hingegen möchte verstehen, ordnen und kontrollieren. Sie fürchtet den Verlust und sucht Sicherheit in alten Programmierungen. In diesem Spannungsfeld entfaltet sich ihr Lernweg. Die Seele beobachtet wertfrei wie liebevoll, während die Persönlichkeit Erfahrungen sammelt.
Der Geist durchdringt beide und wirkt durch Seele und Persönlichkeit wie der weite Himmel durch die Wolken. Er verbindet das Ewige mit dem Vergänglichen und erinnert an die Einheit hinter allen Gegensätzen.
Es gibt keine starken und keine schwachen Seelen. Jede Seele ist Ausdruck derselben Göttlichen Quelle. Keine Seele kniet nieder, denn keine Seele ist verletzt oder mangelhaft. Sie ist vollständig, wie sie ist.
Die Persönlichkeit jedoch trägt das Potenzial zur Bewusstseinserweiterung in sich. Was die Seele bereits weiß, darf die Persönlichkeit erkennen. Was auf einer höheren Ebene bereits erfüllt ist, darf in der Zeit erfahren werden. So wird Erleuchtung nicht erworben, sondern erinnert. Sie erscheint als Gnade und zugleich als unmittelbare Erfahrung des eigenen Wesens.
So unterscheiden sich die Aufgaben von Seele und Persönlichkeit: Die Seele ist das ewige Sein, die Persönlichkeit der Erfahrende und der Geist die unsichtbare Energie die beide erfüllt. So entfaltet sich das Wunder des menschlichen Lebens.
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