2026-06-10

Psychiater packt aus: Sind wir alle verrückt geworden? (Raphael Bonelli)

Haben wir verlernt, selbstständig zu denken? Genau dieser Frage widmen sich Matthias Langwasser und Raphael Bonelli in ihrem Gespräch.

Zu Beginn erklären die beiden, wie unser Gehirn Wahrheit verarbeitet und warum logisches Denken in einer Zeit permanenter Reizüberflutung immer schwieriger wird. Durch Social Media, Nachrichtenfluten und Künstliche Intelligenz konsumieren viele Menschen Informationen, ohne sie wirklich zu hinterfragen. Bonelli warnt deshalb davor, KI ungeprüft zu vertrauen, da sie häufig halluziniert und fehlerhafte Inhalte erzeugen kann. Er vergleicht das mit dem Navi, dem wir oft blind folgen, statt unserer eigenen Orientierung zu vertrauen.

Auch der Umgang mit Politik hat sich aus Sicht der beiden verändert. Während offensichtliche Unwahrheiten früher oft Konsequenzen hatten, bleiben viele Widersprüche heute bestehen, ohne wirklich aufgearbeitet zu werden. Das führt bei vielen Menschen zu Verwirrung und Orientierungslosigkeit.

Im weiteren Verlauf sprechen Matthias und Raphael Bonelli über Moral, Moralismus und die zunehmende Tendenz, sich an öffentlichen Meinungen statt an der Realität zu orientieren. Die Corona-Zeit dient dabei als Beispiel für gesellschaftliche Spaltung und Ausgrenzung. Matthias berichtet von eigenen Erfahrungen, als er öffentlich als Verschwörungstheoretiker und Aluhutträger diffamiert wurde.

Ein zentrales Thema ist Bonellis Konzept von Oberflächendenken und Tiefendenken. Tiefendenken entsteht durch gründliches Nachdenken, Recherchieren und Verstehen von Zusammenhängen. Oberflächendenken hingegen beschreibt das schnelle Reagieren auf Informationen, ohne diese kritisch zu prüfen. Besonders die starke Emotionalisierung vieler Debatten sieht Bonelli als Problem.

Für beide ist klar: Kritisches Denken kann uns niemand abnehmen. Deshalb sollten wir Informationen prüfen, Hintergründe hinterfragen und uns immer wieder fragen, ob die dargestellte Realität tatsächlich der Wahrheit entspricht. Matthias verweist dabei unter anderem auf die bis heute kontrovers diskutierten Ereignisse rund um 9/11.

Am Ende geht es um die Frage, wo echte Veränderung beginnt. Die Antwort der beiden: bei uns selbst. Wir können bewusst entscheiden, welche Informationen wir aufnehmen, welchen Narrativen wir folgen und worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten.

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