
Menschenwürde bedeutet den Menschen als Wesen mit einem unveräußerlichen inneren Wert zu erkennen - unabhängig von Leistung, Herkunft, Besitz, Glauben, Gesundheit, sozialem Status oder gesellschaftlichem Nutzen. Würde entsteht nicht dadurch, dass ein Mensch etwas „leistet“ oder bestimmten Erwartungen entspricht. Sie gehört zum Menschsein selbst. Ein würdevolles Verständnis des Menschen erkennt deshalb an, dass jeder Mensch fühlen, leiden, lieben, hoffen, irren, wachsen und sich entwickeln darf, ohne dadurch seinen grundlegenden Wert zu verlieren. Im tieferen Sinne bedeutet Menschenwürde auch den Menschen niemals nur als Mittel zum Zweck zu betrachten, denn sobald Menschen nur nach Funktion, Produktivität, Macht, Nutzen oder Anpassung bewertet werden, beginnt Würde verloren zu gehen. Deshalb hängt Menschenwürde eng zusammen mit Respekt, Mitgefühl, Freiheit, innerer Achtung und dem Recht auf seelische und körperliche Unversehrtheit. Spirituell betrachtet kann man sagen, Menschenwürde entsteht aus der Erkenntnis, dass im Innersten jedes Menschen etwas Unantastbares lebt. Etwas, das weit über Rollen, Fehler, Meinungen oder äußere Erscheinungen hinausgeht. Deshalb berührt uns Würde so tief, weil sie den Menschen nicht auf seine äußere Form reduziert, sondern sein inneres Wesen achtet. Wahre Menschlichkeit zeigt sich im Umgang mit den Schwächeren, den Andersdenkenden, den Verletzlichen und jenen, die gesellschaftlich keinen besonderen Nutzen bringen, denn eine wirklich bewusste Gesellschaft würde den Wert eines Menschen niemals davon abhängig machen, wie erfolgreich, stark oder angepasst er ist.
Ich denke, dass es sich lohnt etwas tiefer auf die Aussage Jesu einzugehen „ Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin“. Denn oberflächlich verstanden wirkt der Satz oft wie Schwäche, passive Unterwerfung oder grenzenlose Duldung. Doch bin ich mir sicher, dass Jesus nicht meinte, der Mensch solle sich willenlos misshandeln lassen oder jede Form von Unrecht gutheißen. Vielmehr scheint darin eine tiefere Bewusstseinsfrage verborgen zu liegen. Lässt du zu, dass die Härte eines anderen auch dein eigenes Herz verhärtet? Denn genau das geschieht oft. Wer verletzt wird, beginnt zurückzuschlagen, zu hassen, sich innerlich zu verschließen oder die eigene Menschlichkeit zu verlieren und Jesus meinte : Durchbreche diesen Kreislauf, nicht durch Unterwerfung, sondern durch Bewusstheit. Das bedeutet nicht, keine Grenzen zu setzen, nicht alles hinzunehmen und Missbrauch nicht zu erlauben. Menschenwürde schließt auch Selbstachtung mit ein, aber man kann sich abgrenzen, ohne innerlich zu verbittern. Die andere Wange hinzuhalten bedeutet nicht, sich weiter verletzen zu lassen, sondern sich zu weigern, dieselbe innere Härte zurückzugeben, die einem selbst begegnet und genau dort bekommt Menschenwürde eine tiefere Bedeutung. Denn sie zeigt sich nicht nur darin, wie wir jene behandeln, die wir lieben, sondern auch darin, ob wir in schwierigen Begegnungen unsere eigene Menschlichkeit bewahren können.
Bild: printerest. de Danke
Quelle:
Klaus Praschak
Wundervoll erklärt...es geht einem das Herz auf bei jedem Satz.
AntwortenLöschenDanke
Christa Maria