2026-07-19

Eine 17-Jährige kann gedanklich in ihre Vergangenheit und Zukunft reisen.


Wissenschaftler haben einen bemerkenswerten Fall einer 17-Jährigen namens „TL“ dokumentiert, die zu den weltweit weniger als 100 Menschen gehört, von denen angenommen wird, dass sie über ein überaus ausgeprägtes autobiografisches Gedächtnis – auch Hyperthymesia genannt – verfügen.

Menschen mit dieser seltenen Veranlagung können sich an außergewöhnliche Details aus ihrem eigenen Leben erinnern und wissen oft genau, was sie an einem bestimmten Tag vor Jahren oder sogar Jahrzehnten getan haben.

Doch TLs Gedächtnis ist noch ungewöhnlicher.

Sie sagt, das Abrufen einer Erinnerung fühle sich nicht so an, als würde sie sich einfach nur daran erinnern. Stattdessen reist sie gedanklich zurück in das Ereignis, erlebt die Eindrücke, Geräusche und Emotionen erneut und betrachtet Momente sogar aus verschiedenen Perspektiven – fast so, als wäre sie wieder dort.

Forscher fanden außerdem heraus, dass sie sich gedanklich mit bemerkenswerter Detailgenauigkeit in die Zukunft versetzen kann und sich zukünftige persönliche Ereignisse vorstellt, wobei sie viele der gleichen Gehirnprozesse nutzt, die auch beim Erinnern der Vergangenheit eine Rolle spielen.

Der vielleicht faszinierendste Aspekt der Studie ist, wie ihr Geist diese Erinnerungen organisiert.

TL beschreibt einen riesigen weißen Raum in ihrem Kopf, der wie eine gewaltige Bibliothek funktioniert. Jede bedeutungsvolle Erinnerung wird dort sorgfältig in chronologischer Reihenfolge aufbewahrt. Familienfotos, Kinderspielzeug, Lieblingsbücher und wichtige Lebensereignisse haben jeweils ihren eigenen Platz, sodass sie sie fast augenblicklich wieder aufrufen kann.

Negative Erinnerungen werden separat in einer Truhe aufbewahrt, während verschiedene Gefühlszustände ihre eigenen mentalen Räume haben. Sie stellt sich einen „Eisraum“ vor, wenn sie sich beruhigen möchte, einen ruhigen Raum zum Lösen von Problemen und sogar einen Raum voller Soldaten, der mit schwierigen Erinnerungen an den Militärdienst ihres Vaters verbunden ist.

Interessanterweise fällt es ihr viel schwerer, sich an Fakten ohne emotionale Bedeutung zu erinnern. Sie nennt diese „schwarze Erinnerungen“, da ihnen die lebhaften Bilder fehlen, die ihre persönlichen Erlebnisse begleiten.

Forscher glauben, dass die Untersuchung seltener Fälle wie dem von TL dazu beitragen könnte, aufzudecken, wie das Gehirn Erinnerungen speichert, organisiert, abruft und sogar verwirft – und so neue Einblicke in Gedächtnisstörungen, das Altern und die Prägung unseres Identitätsgefühls zu gewinnen.

Bei den meisten von uns verblassen Erinnerungen allmählich.

Für TL bleiben sie fast dauerhaft in Reichweite.

Lesen Sie die Studie:
„Autobiographische Hypermnesie als besondere Form der mentalen Zeitreise.“ Neurocase, 2024.

Quelle: From Quarks to Quasars

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