Wir leben in einer Zeit, in der es draußen immer lauter zu werden scheint. Die politischen Auseinandersetzungen werden schärfer, die Nachrichten dringen ununterbrochen auf uns ein, und die Sorge um die eigene Zukunft wird für viele Menschen immer konkreter. Wenn die Preise steigen und gleichzeitig die Frage entsteht, ob das eigene Leben noch bezahlbar bleibt, ist es verständlich, dass Menschen laut werden. Angst sucht Ausdruck. Sie sucht einen Schuldigen, eine Erklärung, eine Veränderung. Sie möchte gehört werden. Und so wird aus der Sorge um das eigene Leben schnell Empörung über die Politik, Wut auf diejenigen, die anders denken, oder ein ständiges gedankliches Kreisen um das, was alles falsch läuft. Doch während der Mensch versucht, sich im Außen Gehör zu verschaffen, kann etwas in ihm immer leiser werden. Das eigene Herz. Denn Berührbarkeit braucht einen gewissen inneren Raum. Sie braucht nicht unbedingt äußere Ruhe, aber sie braucht die Fähigkeit, zwischen all dem, was auf uns einwirkt, noch wahrzunehmen, was in uns selbst geschieht.
Wenn unser Bewusstsein ständig mit äußeren Problemen beschäftigt ist, wenn Nachrichten, Preise, politische Entscheidungen, Ängste und Empörung immer wieder unsere Aufmerksamkeit beanspruchen, kann sich unser innerer Raum zunehmend verengen. Dann reagieren wir mehr, als dass wir wahrnehmen. Wir urteilen schneller, wir verteidigen uns, wir suchen Schuldige. Wir wollen verändern, kontrollieren und verhindern. Und wir merken irgendwann gar nicht mehr, wie viel von unserem inneren Leben vom Außen bestimmt wird.
Dabei geht es nicht darum, die Augen vor den tatsächlichen Problemen dieser Welt zu verschließen. Es wäre weder sinnvoll noch menschlich, die Sorgen eines Menschen kleinzureden, der nicht weiß, wie er seine steigenden Lebenshaltungskosten bezahlen soll. Mitgefühl beginnt dort, wo wir die Not des anderen ernst nehmen. Aber wir müssen unterscheiden zwischen dem, was im Außen geschieht, und dem, was wir daraus in unserem Inneren werden lassen. Ich kann mich über eine politische Entscheidung ärgern, ohne mich von ihr innerlich beherrschen zu lassen. Ich kann mich über steigende Preise sorgen, ohne meine gesamte Aufmerksamkeit an diese Sorge zu verlieren.
Ich kann Ungerechtigkeit wahrnehmen, ohne selbst von Hass erfüllt zu werden. Das ist keine Gleichgültigkeit. Es ist eine Form von innerer Freiheit. Denn je mehr wir das Außen ungehindert in uns eindringen lassen, desto schwieriger kann es werden, die leisen Bewegungen unseres eigenen Herzens wahrzunehmen. Was gerade in der Masse deutlich wird, ist, dass man versucht dann, ein Problem, das auch eine Bewusstseinsdimension besitzt, ausschließlich auf der Ebene seiner Erscheinungen zu lösen.
Eine Stufe höher könnte die Frage lauten: Was macht diese Situation mit unserem Bewusstsein? Lassen wir zu, dass Angst unser Denken bestimmt? Lassen wir zu, dass politische Auseinandersetzungen unser Herz verhärten? Können wir die Not wahrnehmen, ohne selbst zu Hass und Verachtung zu werden? Das bedeutet keineswegs, dass man politische oder wirtschaftliche Probleme nicht auf ihrer sachlichen Ebene lösen muss. Natürlich braucht es konkrete Entscheidungen, politische Veränderungen und wirtschaftliche Antworten. Aber diese Lösungen werden von Menschen hervorgebracht - und deshalb spielt die Bewusstseinsebene, aus der heraus wir handeln, eine entscheidende Rolle. eine Stufe höher gehen“ heißt nicht, über das Problem hinwegzugehen. Es bedeutet, einen Raum zu finden, in dem wir das Problem sehen können, ohne vollständig von ihm bestimmt zu werden. Dann kann ich die steigenden Preise sehen und trotzdem dankbar sein für das was ich habe. Ich kann politische Fehlentwicklungen kritisieren und trotzdem den Menschen auf der anderen Seite sehen. Mein Nervensystem kann Angst empfinden, aber Ich Bin ist nicht die Angst. Ich kann Ungerechtigkeit erkennen und trotzdem mein Herz nicht verhärten lassen. Das ist für mich eine Form von Gleichmut – nicht Gleichgültigkeit.
Wachheit braucht keine Angst. Wach zu sein bedeutet nicht, ständig auf das zu warten, was als Nächstes geschehen könnte, es bedeutet vielmehr, wahrzunehmen, was gerade geschieht - in der Welt, in unserem Denken und in unserem eigenen Herzen - ohne uns davon vereinnahmen zu lassen.
Wachheit braucht keine Angst. Wach zu sein bedeutet nicht, ständig auf das zu warten, was als Nächstes geschehen könnte, es bedeutet vielmehr, wahrzunehmen, was gerade geschieht - in der Welt, in unserem Denken und in unserem eigenen Herzen - ohne uns davon vereinnahmen zu lassen.

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