2026-02-26

Klaus Praschak: Wer die Kinder schützt, schützt das Heilige


Wenn wir in die Evangelien schauen, dann wird deutlich, dass Jesus Kinder nicht nur als schützenswert darstellt, sondern als Maßstab. Er sagt sinngemäß, dass das Reich Gottes denen gehört, die werden wie sie und er warnt mit ungewöhnlicher Schärfe davor, „einem dieser Kleinen“ Schaden zuzufügen. Das ist keine romantische Verklärung von Kindlichkeit, sondern eine radikale Umwertung von Wertmaßstäben, denn in einer Welt, in der Kinder rechtlich und sozial wenig gelten, rückt er sie ins Zentrum. Wie würde er die Kinder heute sehen? Vermutlich nicht primär als Problem, als Leistungsobjekte oder als zukünftige Wirtschaftsfaktoren, sondern als lebendige Träger von Würde. Kinder verkörpern Unmittelbarkeit, Vertrauen, Offenheit und Lernfähigkeit. Sie sind noch nicht vollständig verformt durch Konkurrenz, Zynismus oder Machtdenken. In diesem Sinn stehen sie Gott nahe, weil sie existenziell durchlässiger sind. Wenn man Jesus Haltung ernst nimmt, würde er die Kinder unserer Zeit wahrscheinlich mit noch größerer Entschiedenheit und Dringlichkeit schützen wollen wie damals, denn heute sind Bedrohungen, dauerhafte Reizüberflutung, frühzeitiger Leistungsdruck, Digitalisierung ohne Begleitung und emotionale Vernachlässigung trotz materieller Versorgung, wesentlich subtiler als Früher. Jesus würde Kinder nicht idealisieren, aber er würde ihre Verletzlichkeit ernst nehmen. Was würde er uns Erwachsenen sagen? Ich denke etwas Unbequemes. Er würde nicht nur äußere Missstände kritisieren, sondern innere Haltungen. Er würde fragen, warum seid ihr so beschäftigt mit euch selbst? Warum macht ihr eure Ängste zu den Lasten der Kinder? Warum verwechselt ihr Erfolg mit Reife?

Jesus betont immer wieder das Herz. Kinder brauchen keine perfekten Systeme, sondern sie brauchen verlässliche Erwachsene. Präsenz ist wichtiger als Ideologie und Beziehung ist wichtiger als Programm. Verbunden mit dem Geist des Christus höre ich folgende Worte: Hört auf, Kinder zu formen nach euren unerfüllten Erwartungen. Lernt von ihrer Unmittelbarkeit und schützt ihre Würde vor euren Machtkämpfen. Die Art, wie eine Gesellschaft mit ihren Kindern umgeht, sagt viel über ihren geistigen Zustand aus.

Wenn wir die Evangelien ernst nehmen, dann ist eines deutlich, nämlich dass Jesus Kindern mit besonderer Schutzwürdigkeit begegnet. Er stellt sie in die Mitte, er identifiziert sich mit ihnen („Was ihr einem dieser Geringsten tut…“) und er warnt mit ungewöhnlicher Schärfe davor, ihnen Schaden zuzufügen. Seine Worte über das Verführen oder Missbrauchen „der Kleinen“ gehören zu den drastischsten Aussagen, die ihm zugeschrieben werden. Das zeigt, wie ernst er jede Form von Übergriff oder Ausnutzung nehmen würde. Sexualisierung von Kindern, in welcher Form auch immer, bedeutet, dass Erwachsene ihre Macht, ihre Projektionen oder ihre Bedürfnisse über die Schutzbedürftigkeit eines Kindes stellen. Das widerspricht fundamental dem, wofür Jesus stand: Schutz der Schwachen, Begrenzung von Macht, Reinheit der Beziehung im Sinne von Integrität. Ich denke, Jesus würde nicht in kulturkämpferische Rhetorik verfallen, aber er würde sehr klar benennen, dass Kinder keine Projektionsflächen und keine Objekte ideologischer oder sexueller Interessen sind, denn sie dürfen nicht instrumentalisiert werden, weder privat noch gesellschaftlich.

Er würde uns Erwachsene nicht Anklagen, aber er würde uns mit Nachdruck zur inneren Klärung auffordern, denn wo Sexualisierung stattfindet, ist oft auch Unreife, ungeklärte Bedürftigkeit oder Machtmissbrauch im Spiel. Jesus hat immer wieder deutlich gemacht, dass äußeres Verhalten aus dem Inneren kommt. Veränderung beginnt nicht mit Empörung allein, sondern mit Umkehr, also mit ehrlicher Selbstprüfung. Aus einer christlichen Perspektive ließe sich sagen, dass Kinder eine unverfügbare Würde haben. Sie sind nicht Mittel zum Zweck, denn jede Form ihrer Sexualisierung widerspricht dieser Würde und die Verantwortung liegt bei den Erwachsenen, nicht nur rechtlich, sondern moralisch. Kinder brauchen keine perfekten Systeme, aber sie brauchen emotional regulierte Erwachsene. Wir sollten uns nicht die Frage stellen, wie schlimm ist unser System geworden ? Sondern darüber nachsinnen, „wie bleibe ich inmitten dieses Systems bewusst genug, damit ein Kind in meiner Nähe Sicherheit erfährt?“

Klaus Praschak

Bild: printerest.de danke

Quelle: Klaus Praschak

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