2026-07-21

Klaus Praschak: Der Satz "Wir sind alle eins"


Der Satz "Wir sind alle eins" wird in der Spiritualität so häufig verwendet, dass er für viele Menschen zu einer bloßen Behauptung geworden ist. Er wird geglaubt oder abgelehnt, aber selten nachvollzogen. Ich möchte die Einheit nicht behaupten, sondern den Leser Schritt für Schritt dorthin führen. Hier in einer gekürzten Form.

Ein einzelnes Atom besitzt kaum Bedeutung für sich allein. Seine eigentliche Bestimmung entfaltet sich erst in der Verbindung mit anderen Atomen zu der nächst höheren Entwicklungsstufe, dem Molekül. Auch das Molekül ist noch keine abgeschlossene Schöpfung. Erst in der Zelle entsteht eine neue Ebene des Lebens. Die Zelle erkennt sich nicht als Teil eines Organismus. Dennoch ist sie genau das. Ihr Leben erhält Sinn durch ihre Einbindung in ein größeres Ganzes. Dasselbe gilt für nächste Entwicklungsstufe, die Organe. Ein Herz, das für sich allein existieren wollte, könnte weder schlagen noch Leben erhalten. Erst im Zusammenwirken aller Organe entsteht der Organismus, woraus dann der Mensch entsteht. Eigenständige Einheiten verbinden sich zu einer höheren Ordnung, aus der Eigenschaften hervorgehen, die zuvor nicht existierten. In der Systemtheorie spricht man von Emergenz. Warum sollte dieses Prinzip ausgerechnet beim Menschen enden? Wir befinden uns als Menschheit an genau jener Schwelle, an der nicht mehr die biologische Evolution entscheidend ist, sondern die Evolution des Bewusstseins. Der nächste Entwicklungsschritt wäre dann nicht der stärkere oder intelligentere Einzelmensch, sondern die Erkenntnis, dass ich zwar ein einzigartiges Individuum bin, aber mein eigentliches Wesen sich erst in einer bewussten Verbundenheit mit anderen entfaltet. "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." sagte Jesus. Dieser Satz meint mehr als gemeinsames Beten und weist auf ein Gesetz hin, nämlich, dass sich eine neue Qualität des Bewusstseins dort offenbart, wo Menschen ihre Trennung überwinden und sich in Liebe begegnen.

Was ich bis hierher beschrieben habe, war lediglich der äußere Aufbau: Atom → Molekül → Zelle → Organ → Mensch. Doch der eigentliche rote Faden ist gar nicht die Materie. Es ist die Beziehung. Kein einzelnes Atom erschafft ein Molekül und auch keine einzelne Zelle erschafft den Organismus, sondern die Verbundenheit schafft auf jeder Ebene eine neue Wirklichkeit. Die Evolution ist nicht die Geschichte immer größerer Einzelwesen. Sie ist die Geschichte immer tieferer Verbundenheit. Jede neue Stufe der Schöpfung entstand dadurch, dass das Getrennte lernte, sich zu verbinden. Die Menschheit steht an der Schwelle einer neuen Bewusstseinsebene, auf der nicht Konkurrenz, sondern bewusste Verbundenheit die nächste Entwicklungsstufe hervorbring. Wir sind eins bedeutet deshalb nicht die Auflösung der Individualität, sondern ihre Vollendung. Denn wie die Zelle erst im Organismus ihre eigentliche Bestimmung findet, kann auch der Mensch seine tiefste Bestimmung erst in der bewussten Einheit mit allem Leben erkennen.

Der heutige Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung, sondern eine Stufe. In ihm erreicht die Evolution einen Punkt, an dem sie sich ihrer selbst bewusst werden kann. Ob daraus eine neue Stufe entsteht, entscheidet sich nicht durch größere Intelligenz oder technische Macht, sondern durch die Fähigkeit, das trennende Ego zu überschreiten und aus Liebe zu handeln. Erst dort beginnt jene Entwicklung, die viele spirituelle Traditionen das Erwachen nennen. Liebe ist nicht bloß ein Gefühl, sondern das Prinzip, das eine höhere Form von Gemeinschaft überhaupt erst ermöglicht. Jesus spricht nicht davon, dass der Mensch bereits am Ziel sei, sondern ruft immer wieder zu einer Metanoia auf - einer grundlegenden Wandlung des Bewusstseins. In meinem Modell wäre genau diese Wandlung der eigentliche nächste Evolutionsschritt: nicht eine Veränderung der Gene, sondern eine Veränderung des Bewusstseins, durch die das Prinzip der Liebe zur tragenden Kraft des menschlichen Zusammenlebens wird.

Klaus Praschak

Bild: printerest.de danke

Quelle: Klaus Praschak

1 Kommentar:

  1. Wir sind alle EINS, da wir alle aus der göttlichen Quelle stammen/angehören, wie jedes beseelte Wesen 🌟💎☯️🤍🤍🤍🌈

    AntwortenLöschen

Bei Kommentaren bitten wir auf Formulierungen mit Absolutheitsanspruch zu verzichten sowie auf abwertende und verletzende Äußerungen zu Inhalten, Autoren und zu anderen Kommentatoren.

Daher bitte nur von Liebe erschaffene Kommentare. Danke von Herzen, mit Respekt für jede EIGENE Meinung.