2026-07-25

Klaus Praschak: Ich bin die Auferstehung und das Leben


„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Johannes 11,25)
 
Für mich gehört diese fünfte „Ich bin“-Aussage zu den tiefsten Worten Jesu. Lange Zeit verstand ich sie vor allem als Verheißung für das Leben nach dem Tod. Heute erschließt sie sich mir auf eine andere Weise.

Wer schon zu Lebzeiten in das Christusbewusstsein erwacht, erfährt das Leben nicht länger als etwas, das vom physischen Körper abhängt. Nach meinen außerkörperlichen Erfahrungen und dem Erleben einer inneren Neugeburt verlor der Tod für mich viel von seinem Schrecken, weil sich mein Erleben grundlegend verändert hat. Es ist ein Unterschied, ob ein Mensch sagt: „Ich habe ein Leben.“ Oder ob er tief in seinem Inneren empfindet: „Ich bin Leben.“ Im ersten Fall besitzt das Leben einen Anfang und ein Ende. Im zweiten wird das Leben als eine Wirklichkeit erfahren, die sich durch den Körper ausdrückt, aber nicht auf ihn begrenzt ist. In diesem Bewusstsein wartet man nicht mehr darauf, dass die Wissenschaft eines Tages bestätigt, was das Herz bereits erfahren hat. Der Verstand verliert dadurch nicht seinen Wert, aber er tritt in den Hintergrund. An seine Seite tritt eine tiefere Form des Erkennens – jene stille Intuition, die aus dem Geist geboren wird. Die innere Stimme, die einst kaum hörbar war, wird klarer und verlässlicher. Nicht immer, aber immer häufiger erinnert sie uns daran, wer wir in unserem tiefsten Wesen sind.

Es ist eine tiefgehende Unterscheidung, ob jemand sagt: „Ich habe ein Leben“ oder ob jemand fühlt: „Ich bin das Leben“. Ich habe ein Leben, hier wird das Leben als Besitz verstanden. Ich bin das Leben, hier wird das Leben als Wesen verstanden. Das erinnert mich an etwas, das Meister Eckhart sinngemäß ausdrückte: Gott ist nicht ein Wesen unter anderen, sondern das Leben selbst, das Sein selbst. Wenn der Mensch sich dieser göttlichen Quelle bewusst wird, verändert sich seine Beziehung zum Tod grundlegend.

Nun verbinden viele. das Wort „Auferstehung“ meist mit dem Ende unseres irdischen Lebens, doch sehe ich hier einen tieferen in Bezug auf unser Alltagsleben. Ein Mensch vergibt nach vielen Jahren. Ein anderer entdeckt nach einer schweren Krise neuen Lebensmut. Jemand findet nach einer langen Depression langsam wieder Freude am Leben. Ein Süchtiger findet in ein neues Leben zurück. Etwas Altes stirbt und etwas Neues wird geboren. Ist das nicht ebenfalls Auferstehung?

Jeder Mensch erlebt Zeiten, in denen Hoffnung, Freude oder Vertrauen zu sterben scheinen. Jesus nennt sich die Auferstehung und das Leben. Für mich bedeutet das: Wo Liebe neu erwacht, wo Vergebung möglich wird und ein Mensch den Mut findet, wieder aufzustehen, beginnt Auferstehung bereits mitten im Leben. Hier zeigt uns Jesus, dass der Tod nicht erst am Ende unseres Lebens überwunden wird, sondern immer dann, wenn das göttliche Leben in uns neu erwacht.

Klaus Praschak

Bild: printerest. de danke

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