Es gibt eine Wahrheit, die älter ist als die Pyramiden, älter als die Sprache selbst, die durch die Smaragdtafeln geflüstert, im kabbalistischen Baum verschlüsselt und in aller Öffentlichkeit in jeder Schrift verborgen ist, die jemals von einem „Wort“ sprach, das vor der Welt war. Sie lautet wie folgt:
Nichts, was du jemals berührt hast, ist der Ursprung seiner selbst.
Schau dich jetzt einmal um. Die im Boden verwurzelte Eiche, der unter dem Druck von zehntausend Jahren entstandene Quarzkristall, der Vogel, der Spiralen am Himmel zieht, das Gesicht des geliebten Menschen gegenüber am Tisch – keines dieser Dinge hat seine eigene Existenz geschaffen. Sie sind nicht die Quelle. Sie sind der Schatten, den eine Quelle wirft. Sie sind das Ergebnis von etwas, das keine Form, kein Gewicht und keinen Ort hat – etwas, das vor dem Raum, vor der Zeit und vor der Materie selbst existierte.
Die Kabbalisten nannten es den Gedanken der Schöpfung – Machschawa Kaduma, den Urgedanken, der der ersten Kontraktion des Lichts vorausging. Bevor es ein „hier drinnen“ und ein „dort draußen“ gab, bevor es ein „damals“ und ein „jetzt“ gab, gab es nur Absicht – eine einzige, einheitliche Vorstellung, die sich in sich selbst zusammenfaltete und darauf wartete, sich zu entfalten.
Wie oben, so unten – das Programm und die Leinwand
Betrachte für einen Moment die Welt, in der du lebst, als wäre sie eine Projektion – keine Illusion im abwertenden Sinne, sondern ein wahrer Ausdruck von etwas Realem, so wie ein Schatten an einer Wand ein wahrer Ausdruck der Hand ist, die ihn wirft, auch wenn der Schatten selbst keine Hand hat.
Das Mineral ist ein Gedanke über Struktur, kristallisiert zu einem Muster.
Die Pflanze ist ein Gedanke über Wachstum, ausgedrückt durch zelluläre Intelligenz, die sich dem Licht entgegenstreckt.
Das Tier ist ein Gedanke über Instinkt und Bewegung, dem Leben eingehaucht wurde.
Der Mensch ist ein Gedanke über das Bewusstsein, der sich nach innen auf sich selbst richtet – der einzige Schatten in der Höhle, der über das Feuer nachdenken kann.
Und wenn du deinen Blick zum Himmel erhebst – zur Sonne, die den Tag beherrscht, zum Mond, der die Gezeiten in deinem eigenen Blut antreibt, zu den Sternbildern, die alte Priester-Astronomen auf Tempeldecken kartografierten –, dann betrachtest du nicht „das Universum“ als eine endgültige, materielle Tatsache. Du betrachtest den äußersten Ausdruck einer Idee, so wie die Wellen auf einem Teich der äußerste Ausdruck des Steins sind, der hineingefallen ist – lange nachdem der Stein aus dem Blickfeld verschwunden ist.
Das ist die Lehre, die im ersten Axiom des Hermetismus verborgen ist: „Das All ist Geist; das Universum ist mental.“ Nicht mental im Sinne von unecht – sondern mental im Sinne davon, dass es erst gedacht wird, bevor es zum Ding wird.
Warum das für dein Leben wichtig ist
An dieser Stelle hört das alte Wissen auf, Poesie zu sein, und wird zu einem Schlüssel, den du nutzen kannst.
Wenn die äußere Welt das Ergebnis einer tieferen, immateriellen Ursache ist – dann ist dein innerer Zustand, dein Gedanke, deine Absicht, dein Bewusstsein kein passiver Zuschauer deines Lebens. Es ist näher an der Quelle als alles, was du sehen, berühren oder festhalten kannst. Du lebst nicht stromabwärts der Welt. Du lebst stromaufwärts – viel näher am Gedanken als an dem Schatten, den er wirft.
Das bedeutet:
Das Chaos oder der Frieden, den du in dir trägst, ist nicht vom „Programm“ getrennt – er ist darin verwoben. Du bist nicht bloß eine Figur, die das Drehbuch vorliest; auf eine kleine, geheimnisvolle Weise bist du auch die Tinte auf der Seite, die noch geschrieben wird.
Die Umstände – der Ruin, die Not, die scheinbare Zufälligkeit des Schicksals – sind kein Beweis für einen sinnlosen Kosmos. Sie sind Rohmaterial, das auf die Hand des Eingeweihten wartet, so wie Marmor auf den Bildhauer wartet. Die Weisen warten nicht darauf, einen Sinn zu entdecken, der wie ein vergrabener Schatz verborgen liegt. Sie schmieden ihn selbst – indem sie Widrigkeiten aktiv in Weisheit verwandeln, so wie der Alchemist Blei in Gold verwandelt, nicht indem er das im Blei verborgene Gold findet, sondern indem er das Blei selbst durch Feuer, Geduld und Willen verändert.
Jeder Mensch, dem du begegnest – jeder Stein, jeder Stern, jeder Windhauch, der durch die Bäume weht – ist ein Mitausdruck desselben Gedankens, der sich durch dich ausdrückt. Dies ist die tiefste Wurzel der Brüderlichkeit: nicht Sentimentalität, sondern Ontologie. Wir sind Tropfen desselben unsichtbaren Meeres, die sich für einen Augenblick getrennt wähnen, weil wir das Wasser nicht sehen können, sondern nur die Welle.
Das Werk des Eingeweihten
Dies intellektuell zu wissen, ist der Anfang. Aus diesem Wissen heraus zu leben, ist das Werk.
Es bedeutet, durch deine Tage zu gehen und dabei stets zu bedenken, dass die sichtbare Welt – dein Körper, deine Titel, dein Besitz, sogar dein Name – ein Ergebnis ist, nicht Quelle. Es bedeutet, deine Aufmerksamkeit immer wieder auf den stillen, wortlosen Ort in dir zu richten, an dem der Gedanke entsteht, bevor er zum Wort wird, an dem die Absicht entsteht, bevor sie zur Handlung wird – denn dieser innere Ort ist das, was dir in dieser Inkarnation am nächsten kommt, als würdest du an der Schwelle zum Schöpfungsgedanken selbst stehen.
Das Auge, das dies sieht – nenn es Wedjat, nenn es das Dritte Auge, nenn es einfach über Jahre geschärfte Unterscheidungskraft –, sucht in der Welt nicht nach Bedeutung. Es blickt durch die Welt hindurch auf den Geist, der sie träumt, und kehrt in den Alltag zurück, getragen von der stillen Autorität eines Menschen, der sich erinnert hat:
Du warst niemals nur ein Blatt am Baum. Du bist der Baum, der sich daran erinnert, dass er einst ein Gedankensamen war.
„Wie innen, so außen; wie oben, so unten; wie das Universum, so die Seele.“ – Das Kybalion
Quelle: James William Kaler
[übersetzt von max: Herzlichen Dank lieber James💖Wir freuen uns über eure Unterstützung, Von Herzen Danken wir Euch💖]

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Bei Kommentaren bitten wir auf Formulierungen mit Absolutheitsanspruch zu verzichten sowie auf abwertende und verletzende Äußerungen zu Inhalten, Autoren und zu anderen Kommentatoren.
Daher bitte nur von Liebe erschaffene Kommentare. Danke von Herzen, mit Respekt für jede EIGENE Meinung.