2026-08-16

Otfried Weise: DU BIST NICHT DAS, WAS IN DIR GESCHIEHT



Zwischen deinen Gedanken und Gefühlen und deiner Reaktion darauf, liegt ein Raum, indem deine Freiheit wohnt.

Die Sorge mag an deine Tür klopfen.
Du musst sie aber nicht hereinbitten.
Du darfst sie hören,
ohne ihr dein ganzes Haus zu überlassen.

Denn Aufmerksamkeit ist wie Licht,
worauf du sie lenkst,
dort beginnt etwas zu wachsen und sich zu manifestieren.

Darum wende dich dem zu,
was dich aufbaut,
den Menschen, die dir Wärme wie Mitgefühl schenken,
dem Augenblick, der dich fröhlich macht,
der Tätigkeit, in der du dich lebendig fühlst,
der Hoffnung, die vielleicht noch klein ist,
die sich jedoch bald verwirklichen könnte.

Entscheide dich für das Glück,
nicht als Flucht vor dem Schmerz,
sondern als Entscheidung,
welchem Teil des Lebens du deine Aufmerksamkeit gibst.

„Entscheide dich dafür, glücklich zu sein“ dies bedeutet nicht: „Du musst glücklich sein.“

Niemand kann Trauer, Angst, Verlust oder Schmerz einfach per Willensbeschluss abschaffen. Wer das behauptet, könnte aus einer befreienden Idee schnell einen neuen Zwang machen:

Die tiefere Freiheit besteht deshalb nicht darin, unglückliche Gefühle abzuschalten, sondern darin, dass sie nicht dein Leben bestimmen.

Dies ist keine Aufforderung zu oberflächlichem Positivdenken. Es geht vielmehr um die innere Gewichtung.

Das Leben besteht aus Freude und Schmerz, Hoffnung und Enttäuschung, Sicherheit und Ungewissheit. Aber wir können immer wieder fragen:

Was soll in mir mehr Raum bekommen?

Ich muss nicht alles lieben, was mir begegnet.
Ich muss nicht jede Sorge vertreiben.
Ich darf sie sehen, verstehen und wenn sie ihre Botschaft erfüllt hat, wieder loslassen.

Denn meine Aufmerksamkeit ist ein Teil meiner Freiheit.

Und was ich immer wieder anschaue, dem gebe ich einen besonderen Platz in meinem Leben.
Darum wähle ich, so oft ich kann, das Aufbauende.
Ich wende mich dem Leben zu,
nicht weil es keine Dunkelheit gäbe,
sondern weil ich selbst entscheiden darf,
wohin ich meinen Fokus lenke.

Quelle: Otfried Weise

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