2026-08-11

Klaus Praschak: Die Zeit der inneren Entscheidung - Der Sog der Liebe


Je größer die Informationsflut wird, desto wichtiger wird die innere Orientierung. Manche sprechen von verschiedenen Zeitlinien, zwischen denen wir uns entscheiden sollen. Andere sehen die Zukunft des Menschen im Transhumanismus oder in einem kosmobiologischen Bewusstseinsprozess. Ich möchte nicht beurteilen, welche dieser Vorstellungen der Wahrheit am nächsten kommt. Doch eines weiß ich: Wer Schwierigkeiten hat, all diese Informationen zu unterscheiden, kann sich dennoch für etwas entscheiden, das niemals an Bedeutung verliert – für die Liebe.

Wer sich für Mitgefühl, Wahrhaftigkeit, Demut, Vergebung und Barmherzigkeit entscheidet, geht keinen Irrweg. Denn unabhängig davon, welche Zukunft den Menschen erwartet, werden diese Tugenden immer Ausdruck der göttlichen Liebe sein. Wahre Unterscheidungsfähigkeit besteht nicht darin, jede Theorie beurteilen zu können, sondern darin, das zu wählen, was das Herz Gott näher bringt. Ich glaube, darin liegt die zeitlose Weisheit Jesu. Er hat den Menschen keine komplizierte Kosmologie hinterlassen, sondern einen Maßstab, der jede Epoche überdauert: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Diese Früchte sind keine spektakulären Erkenntnisse, sondern Liebe, Freude, Friede, Geduld, Güte, Barmherzigkeit und Demut. Daran kann sich jeder orientieren - unabhängig davon, welche Weltbilder oder Zukunftsszenarien gerade diskutiert werden.

Ich glaube, dass sich die Menschheit über lange Zeit immer weiter von ihrem göttlichen Ursprung entfernt hat. Wo der Mensch sich selbst zum Mittelpunkt macht, wächst der Egoismus und mit ihm die Trennung von Gott, voneinander und letztlich auch von sich selbst. Ein gottfernes Leben mag nach außen erfolgreich erscheinen, doch im Inneren wird es kalt und verliert nach und nach seine Lebendigkeit.

Jeder Entwicklung wohnt jedoch eine Grenze inne. Wenn der Egoismus einen kritischen Punkt überschreitet, kann das Bestehende nicht einfach unbegrenzt fortbestehen. Dann geschieht etwas, das sich mit menschlichem Verstand kaum vorhersagen lässt. Ich maße mir nicht an zu wissen, wie dieses Geschehen aussehen wird. Aber ich glaube, dass das Leben selbst immer wieder Wege findet, verlorenes Gleichgewicht neu hervorzubringen. Eines bin ich mir Gewiss, eine solche Zeit erleben wir gerade. Eine Zeit, in der nicht der immer stärker werdende Egoismus die Zukunft hervorbringt, sondern die Sehnsucht nach Liebe, Wahrhaftigkeit und Verbundenheit neu erwacht. Wenn der Egoismus seinen Höhepunkt erreicht, wird nicht zwangsläufig der Untergang folgen, denn Gottes Liebe hat das letzte Wort. Gott antwortet auf die Finsternis nicht mit größerer Finsternis, sondern mit Licht. Doch nicht jeder wird dieses Licht sogleich ertragen können, denn es offenbart den Menschen in der Wahrheit seines eigenen So-Seins. Das Licht richtet nicht, es offenbart. Für den, der die Liebe sucht, wird es zur Befreiung. Für den, der an seinem Ego festhält, wird dieselbe Liebe sehr schmerzhaft sein, weil sie jede Selbsttäuschung durchdringt. Wer die Stille liebt und sein Herz nicht ständig mit den Stimmen der Welt füllt, wird eines Tages einen leisen Ruf vernehmen. Er gleicht keinem Befehl und keiner Überzeugung. Er ist vielmehr wie ein Sog der Liebe, der die Seele unmerklich zu ihrem Ursprung zurückzieht. Dort, wo Gott ruft, muss nichts erzwungen werden. Die Liebe selbst wird zur Anziehungskraft. „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass ihn der Vater zieht.“ (Johannes 6,44)

Klaus Praschak

Bild: printerest.de danke

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