Es klingt nach Freiheit, nach Weite, nach einem tiefen Atemzug, den wir nach langer Zeit endlich wieder nehmen dürfen.
Loslassen ist eine Reinigung des Gemüts, ein Befreien von allem, was schwer geworden ist, was uns festhält und daran hindert, dem Leben unbeschwert entgegenzugehen.
MIT DEM LOSLASSEN BEGINNT DER WANDEL
Die Natur lebt es uns jedes Jahr aufs Neue vor. Wenn im Herbst die Blätter von den Bäumen tanzen und zu Boden schweben, geschieht dies nicht aus Verlust, sondern aus Vertrauen. Die Bäume lassen los, was seine Zeit erfüllt hat und sie geben frei, was sie nicht länger brauchen, und bereiten sich auf den Wandel vor.
Kein Baum fürchtet den Schnee im Winter, kein Baum zweifelt daran, dass der Frühling wiederkehrt. In seiner scheinbaren Ruhe sammelt er neue Kraft und wenn die Tage heller werden, erwacht er zu neuem Leben. Zarte Knospen öffnen sich, frisches Grün entfaltet sich, Farben und Formen kehren zurück, kraftvoll, lebendig und voller Licht.
Auch in uns pulsiert dieser natürliche Rhythmus. Wir dürfen loslassen, was uns beschwert und traurig macht, was längst vergangen ist und dennoch einen Platz in unseren Gedanken beansprucht hat, denn Loslassen befreit.
Es beschenkt uns mit einer Leichtigkeit, die wir schon vergessen hatten und schenkt uns das Gefühl, wieder ganz bei uns selbst anzukommen.
LOSLASSEN bewirkt wahre Wunder, der Blick wird klarer und wo vorher Schwere und Trauer sich zeigten, ist Weite spürbar. Aus Enttäuschung kann Erkenntnis wachsen, aus Schmerz, Mitgefühl und aus Angst, Mut und Urvertrauen.
Und während wir loslassen, kommt etwas ans Licht, was lange verborgen war: unsere eigene Schönheit, unsere innere Kraft, unsere Lebensfreude. Dies geschieht, wenn wir aufhören, das Vergangene festzuhalten. Das Leben bereichert uns, wenn wir ihm wieder erlauben, offen für Wunder zu sein.
Es ist die Angst vor dem Unbekannten, die uns am Loslassen hindert. Unser Verstand möchte Sicherheit, möchte wissen, was kommt und sucht nach Antworten, bevor das Neue überhaupt begonnen hat. Doch Angst ist nur eine Gedankenform, eine Vorstellung von etwas, das womöglich niemals geschehen wird.
Das Herz hingegen kennt eine andere Sprache. Es spricht von Vertrauen, von Offenheit und von der stillen Gewissheit, dass das Leben für uns ist und immer wieder neue Möglichkeiten bereithält.
Loslassen bedeutet, die Hände zu öffnen, weil wir bereit sind, dem Kommenden Platz zu schenken.
Es bedeutet, nicht länger gegen den Strom des Lebens zu schwimmen, sondern sich tragen zu lassen, empfangen zu können, sich berühren und überraschen zu lassen.
Ein destruktiver Gedanke darf gehen, alte Sorge verlieren ihre Kraft, eine Erinnerung schmerzt nicht mehr, dann spüren wir: Etwas hat sich verändert, ist leichter geworden und in uns beginnt DAS LEUCHTEN.
LOSLASSEN ist wie ein Glockenton am Morgen, ein Klang der Liebe zum Leben. Klar, hell und weit vibriert er durch die Stille, er weckt das Leben, durchbricht die Dunkelheit der Nacht und kündigt einen neuen Tag an. Sein Klang trägt etwas Feierliches in sich, etwas Erhebendes, etwas Hoffnungsvolles.
So kann auch das Loslassen in uns erklingen: wie ein heller Ton, der unser Gemüt berührt und uns daran erinnert, dass jeder Augenblick die Möglichkeit eines Neubeginns in sich trägt.
Loslassen kann eine der schönsten Formen sein, dem Leben zu begegnen. Denn durch Loslassen verlieren wir selten etwas, wir öffnen uns für Leichtigkeit, Freiheit, Freude und die Fähigkeit, DAS SCHÖNE wieder wahrzunehmen.
Quelle: Otfried Weise

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