2026-08-29

Klaus Praschak: Tanz der Energien – die Melodie Gottes


Das Leben ist weniger ein feststehender Zustand als ein fortwährender Tanz des Werdens und Vergehens. Alles, was uns umgibt, befindet sich in Bewegung. Formen entstehen, verändern sich und lösen sich wieder auf. Menschen werden geboren, wachsen, lieben, leiden und sterben. Landschaften verändern ihr Gesicht, Beziehungen wandeln sich und auch wir selbst sind nicht mehr dieselben Menschen wie gestern. Und doch scheint sich unter all diesem Wandel etwas zu befinden, das nicht in gleicher Weise kommt und geht.

Es ist wohl eines der großen Geheimnisse des Lebens, dass wir uns innerhalb wechselnder Formen erleben, während etwas in uns nach einer Wirklichkeit sucht, die nicht ebenso vergänglich ist.
 
Was wir Zeit und Raum nennen, gehört zu dieser Welt der Formen. Wir erfahren unser Leben in Abschnitten, messen Veränderung in Jahren und Tagen und erleben uns als einzelne Wesen, die einen bestimmten Anfang und ein bestimmtes Ende haben. Doch das ist nur die Oberfläche einer Wirklichkeit, die sich unserem gewöhnlichen Denken nicht vollständig erschließt. Für mich wurde das Leben irgendwann zu einem Bild, das ich als Tanz der Energien empfand. Ein unaufhörliches Werden und Vergehen, in dem nichts wirklich stillsteht und dennoch nichts sinnlos erscheint. Der Sinn dieses Tanzes besteht nicht darin, eine bestimmte Form für immer festzuhalten, sondern Augenblick für Augenblick immer tiefer mit dem Leben in Einklang zu kommen.

Wir Menschen haben dabei einen erstaunlichen Anteil. Wir können unser Leben in einer Weise gestalten, die mehr Harmonie oder mehr Disharmonie hervorbringt. Unsere Gedanken, Gefühle, Entscheidungen und Handlungen sind wie Töne, die wir in diesen großen Tanz einbringen. Manchmal treffen wir die Melodie, dann fühlen wir Frieden und werden weit. Etwas in uns wird still. Liebe muss nicht mehr erkämpft werden, sondern beginnt einfach zu fließen. Das Leben fühlt sich leicht und zugleich tief an.

Und dann gibt es die anderen Momente. Wir verlieren den inneren Rhythmus, verfangen uns in Angst, Widerstand, Kontrolle oder dem Bedürfnis, alles nach unseren Vorstellungen gestalten zu müssen und das ist auch das kein Fehler, sondern Teil unseres Lernens.

Wir lernen die Melodie nicht dadurch kennen, dass wir niemals einen falschen Ton spielen. Wir lernen sie, indem wir immer wieder lauschen und uns neu ausrichten. Es ist sogar ein wesentlicher Teil unserer Menschwerdung. Denn irgendwann geht es nicht mehr darum, das Leben zu beherrschen, sondern darum, ihm zuzuhören. Je stiller wir werden, desto feiner können wir wahrnehmen, was in uns geschieht. Und dann hören wir etwas, das unser Verstand nicht hervorgebracht hat: eine leise innere Gewissheit, eine Führung, einen Frieden oder eine Liebe, die nicht von den äußeren Umständen abhängig ist. Ich habe erfahren, dass solche Momente nicht einfach Gedanken über das Göttliche sind. Sie können zu einer unmittelbaren Erfahrung werden und deshalb kann man manche Dinge nicht erklären. Man kann über Gott sprechen, über Bewusstsein, Seele und Geist nachdenken und philosophische Systeme darüber errichten. Doch irgendwann bleibt nur die eigene Erfahrung. Was wir wirklich erkennen, muss nicht nur verstanden, sondern erlebt werden. Auch unsere Vorstellung vom Tod kann sich dadurch verändern.

Wenn wir beginnen zu erfahren, dass die Formen des Lebens kommen und gehen, während etwas Tieferes in uns nicht auf dieselbe Weise greifbar ist, kann die Angst vor dem Vergehen an Macht verlieren. Das bedeutet nicht, dass wir den Tod vollständig verstehen müssten. Doch es bedeutet, dass wir ihm nicht mehr ausschließlich aus der Perspektive unserer vergänglichen Persönlichkeit begegnen. Denn das Leben ist soviel größer als die Form, in der wir es gerade erfahren.

Wir sind nicht vom Leben getrennt, sondern eine vorübergehende Erscheinungsform desselben Lebens, das durch unzählige Formen hindurch wirkt. Der tiefere Sinn der Verbindung von Geist, Seele und Körper muss nicht außerhalb des Lebens gesucht werden. Er kann sich gerade im Menschsein verkörpern – in unserem Denken, Fühlen, Lieben und Handeln. Dann wird auch die Verbindung zwischen uns Menschen auf eine andere Weise verständlich.

Wir sind voneinander verschieden. Jeder Mensch besitzt seine eigene Geschichte, seine eigene Persönlichkeit und seinen eigenen Weg. Und dennoch liegt unter dieser Verschiedenheit etwas Gemeinsames, das uns tiefer miteinander verbindet, als unser gewöhnliches Bewusstsein wahrnimmt.

Liebe ist die Erfahrung dieser Verbundenheit. Nicht die romantische Vorstellung, dass wir alle gleich werden müssten, sondern die Erkenntnis, dass Verschiedenheit und Einheit gleichzeitig bestehen können. Zwei Menschen können zwei bleiben und sich dennoch zutiefst verbunden wissen. Und deshalb sind wir nicht dazu bestimmt, unsere Individualität aufzugeben, sondern sie immer bewusster in das Ganze einzubringen. Dann wäre unser Leben tatsächlich ein Tanz. Nicht einer, dessen Schritte wir von Anfang an kennen. Sondern einer, bei dem wir lernen, zu hören, zu spüren, uns führen zu lassen und immer wieder den nächsten Schritt zu wagen. Die „Melodie Gottes“ ist deshalb keine Melodie, die wir irgendwann vollständig beherrschen werden, doch ist sie die lebendige Wirklichkeit, in die wir uns immer wieder einschwingen können. Und dort beginnt genau das, was ich heute gelebten Geist nennen würde.

Klaus Praschak

Bild: printerest.de danke

Quelle: Klaus Praschak

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Bei Kommentaren bitten wir auf Formulierungen mit Absolutheitsanspruch zu verzichten sowie auf abwertende und verletzende Äußerungen zu Inhalten, Autoren und zu anderen Kommentatoren.

Daher bitte nur von Liebe erschaffene Kommentare. Danke von Herzen, mit Respekt für jede EIGENE Meinung.