2026-09-23

Frank Schwede: Welche Rolle spielt die Zirbeldrüse bei Geburt und Tod?



Zwischen den Jahren 1990 und 1995 forschte der US amerikanische Psychiater Rick Strassman an sechzig Freiwilligen mit DMT(Dimethyltryptamin), eine stark halluzinogene und psychoaktive Substanz aus der Gruppe der Tryptamine. In seinem Buch „DMT: The Spirit Molecule“ äußert Strassman die Vermutung, dass auch die Zirbeldrüse dazu in der Lage ist, DMT zu produzieren. Er fand im Rahmen seiner Forschung heraus, dass vor allem in der Geburtsstunde und in der Stunde des Todes der DMT-Spiegel erhöht ist, was möglicherweise zu den häufig beschriebenen außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen oder Nahtoderfahrungen führt.

Aus diesem Grund hält es Strassman für möglich, dass die Zirbeldrüse zum Zeitpunkt des Todes das aktivste Organ in unserem Körper ist. In den Lehren geistiger Schulen wird die Zirbeldrüse als ein Organ der spirituellen Verwirklichung beschrieben. Man sagt, dass über die Zirbeldrüse sogar Gedankenübertragung möglich ist.

Laut Strassman benötigt die Seele 49 Tage, um neu zu inkarnieren und die Zirbeldrüse ebensolange, um DMT zu bilden. Der US Mediziner ist sich deshalb sicher, dass die winzige Drüse mehr ist als nur ein Organ zur Regulierung unseres Melatoninhaushalts. Strassman geht von der Vermutung aus, dass die Zirbeldrüse die Funktion einer Antenne und eines Blitzableiters für die Seele inne hat.

Aber reicht das aus, um pauschal sagen zu können, dass die Seele durch die Zirbeldrüse in unseren Körper dringt und dass sie ihn auf demselben Weg wieder verlässt? Zum Zeitpinkt des Todes befindet sich unser Körper in einer Phase, die die tibetischen Buddhisten „Bardo“ nennen.

Ein Zustand zwischen diesem Leben und dem darauffolgenden, der in anderen Kulturen als eine Art Urteil gesehen wird, bei dem die „Lebensakte“ ins Gleichgewicht gebracht wird und die Seele ihre gesammelten Erfahrungen rekapituliert .

Im tibetischen Buddhismus bewegt sich in diesem Zustand das Bewusstsein zwischen den Welten. Todgeweihte, die das Licht nicht finden können, werden wieder lebendig – für sie beginnt der Kreislauf wieder von vorne.

Philosoph René Descartes bezeichnete die Zirbeldrüse als den Sitz der Seele, als einen Ort, an dem Körper und Seele miteinander verbunden sind. In der Theosophie des späten 19. Jahrhunderts wurde angenommen, dass die Zirbeldrüse das Ergebnis der Entwicklung eines dritten Auges ist, mit dem es möglich ist, spirituell zu reisen zur Erforschung der metaphysischen Welt – möglicherweise in Verbindung mit DMT.

Rick Strassman führte zwischen den Jahren 1990 und 1995 eine umfangreiche Studie zur Wirkung von DMT auf das menschliche Bewusstsein durch. Fast jeder der insgesamt 60 Teilnehmer zog das Fazit, dass die Sitzungen zu den tiefsten Erfahrungen ihres Lebensgehörten. Ein Teilnehmer berichtete von Begegnungen mit intelligenten, nichtmenschlichen Wesen:

„Es war ein kosmisches Düsentriebwerk, ein verwirrendes Farbengewitter, als wäre ich bei einem Sturm über Bord geworfen worden und würde völlig unkontrolliert wie ein Korken hin und her geworfen und herumgewirbelt.“

Ein anderer Teilnehmer hat seinen „kleinen Tod“ auf ganz andere Weise erlebt. Auch er hatte einen flüchtigen Blick in eine andere Welt, so, als habe jemand einen Vorhang zur Seite gezogen und gesagt, „du siehst plötzlich alles ganz klar.“ Was er beschreibt, liegt weit außerhalb unseres Bewusstseins und unserer Vorstellungskraft. Er sagt, sein Blick habe ihm gezeigt, dass wir alle miteinander verbunden sind:

„Viele Menschen glauben: Wir werden geboren, wir sterben, wir werden zu Staub. Ich glaube: Es gibt ein Davor und ein Danach. Bei meiner Zeremonie habe ich dieses Davor und Danach gesehen. Ich habe es erlebt.“

Strassmans Forschungen mit DMT sind umstritten. Die einen halten sie für durchweg fragwürdig, die andere für bahnbrechend. Tatsache ist, psychedelische Substanzen öffnen Menschen nicht erst seit Strassmans Forschung das Tor zu einer Welt jenseits der irdischen, sondern schon seit Tausenden von Jahren.

Zeremonien mit psychedelischen Substanzen, beispielsweise mit Ayahuasca, werden zu Recht als „pequena muerte“ beschrieben, Spanisch für „kleiner Tod“. Die anschließende Wiedergeburt soll zu einem Gefühl der Erleuchtung führen.

DMT ist ein natürliches Halluzinogen, das nicht nur im menschlichen Körper, sondern auch bei Tieren und Pflanzen vorkommt. Menschen extrahieren seit Jahrhunderten DMT aus Pflanzen. Oral eingenommen zeigt es zunächst keine Wirkung, weil es durch die Monoaminoxidase (MAO), ein Enzym des menschlichen Verdauungstraktes, abgebaut wird.

Schamanen im Amazonasgebiet kennen einen alten Trick und wenden eine eigene Rezeptur an, indem sie eine DMT-haltige Liane mit Pflanzen kombinieren, die MAOIs beinhalten, sogenannte Monoaminoioxidase-Hemmer, die den enzymatischen Abbau von DMT unterbindet. Das aus dieser Kombination entstehende psychoaktive Getränk wird als Ayhuasca bezeichnet, hergeleitet von aya (Geist) und waska (Ranke).

Seit Jahrhunderten wird Ayhuasca mit Spiritualität in Verbindung gebracht – vor allem unter den indigenen Stämmen Südamerikas. Die moderne Wissenschaft hat erst zu Beginn der 1930er Jahre erkannt, dass DMT als natürlicher Neutransmitter im menschlichen Körper vorkommt.

Man vermutete das Molekül aufgrund der Mythologie in der Zirbeldrüse. Die Krux ist, dass DMT bisher nicht direkt im Gehirn isoliert werden konnte. Experimente an Ratten haben aber neben humanen Studien gezeigt, dass Gehirne, einschließlich der Zirbeldrüse, Enzyme enthalten, die für eine Synthese von DMT notwendig sind.

Es ist nach wie vor schwierig, eine direkte Verbindung von DMT und Nahtoderfahrungen zu belegen – aber genauso schwierig ist es, sie zu widerlegen, während im Gehirn von Ratten DMT nachgewiesen werden konnte, dessen Konzentration nach einem künstlich herbeigeführten Kreislaufstillstand erhöht ist.

Fazit: Forschenden fehlt bislang noch immer der nötige eindeutige Beweis, dass DMT in direkter Verbindung zu Nahtoderfahrungen steht. Nichtsdestotrotz erfüllt die Zirbeldrüse eine wichtige Stoffwechselfunktion, die nicht zu unterschätzen ist – ob mit oder ohne DMT.

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Frank Schwede 
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BIC: BYLADEM1KMS

[max: Danke, lieber Frank💖]

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