Dabei wirken unterschiedliche Kräfte auf uns ein.
Es gibt Kräfte, die uns nach außen ziehen: die Sehnsucht nach Anerkennung, Sicherheit und Besitz, die Angst vor Verlust, der Wunsch dazuzugehören, der Vergleich mit anderen und die ständige Aufforderung, mehr leisten, mehr haben oder mehr darstellen zu müssen. Und es gibt etwas in uns, das sich diesen Bewegungen nicht vollständig unterordnet. Eine tiefere Wahrnehmung, die irgendwann beginnen kann zu fragen: Was bewegt mich eigentlich? Und aus welcher Tiefe heraus lebe ich? An dem Punkt beginnt Bewusstwerdung. Denn vieles, was uns im Leben bestimmt, geschieht nicht bewusst. Wir übernehmen Vorstellungen, Wertvorstellungen und Verhaltensweisen, weil sie uns vertraut sind. Wir richten unser Leben nach dem aus, was andere für wichtig halten, und bemerken manchmal erst spät, wie sehr Angst, Anpassung oder das Bedürfnis nach Sicherheit unsere Entscheidungen beeinflussen. Auch die moderne Welt verstärkt diese Bewegungen. Bilder, Worte, Werbung, Nachrichten und soziale Medien konkurrieren ständig um unsere Aufmerksamkeit. Sie können Bedürfnisse wecken, Ängste verstärken und unseren Blick immer wieder nach außen ziehen. Das bedeutet nicht, dass all dies grundsätzlich schlecht wäre. Entscheidend ist vielmehr, ob wir noch wahrnehmen, was es mit uns macht. Hier beginnt Freiheit. Sie beginnt dort, wo wir erkennen, dass nicht jeder Impuls, der in uns entsteht, auch zu unserem Handeln werden muss. Wir können Angst wahrnehmen, ohne aus ihr heraus zu handeln. Wir können einen Wunsch wahrnehmen, ohne ihm folgen zu müssen. Wir können Ablehnung erfahren, ohne selbst in Ablehnung zu gehen. Wir können den Lärm der Welt hören, ohne ihn zu unserem inneren Lärm werden zu lassen. Und wir können beginnen, zwischen dem zu unterscheiden, was uns enger macht, und dem, was uns weiter werden lässt. Das Licht würde ich heute deshalb nicht mehr als Gegenkraft zur Materie verstehen. Auch die Welt selbst ist nicht unser Gegner. Die eigentliche Trennung entsteht dort, wo wir vergessen, dass wir mehr sind als unsere Ängste, unsere Rollen, unsere Bedürfnisse und unsere Vorstellungen von uns selbst. Das Licht zeigt sich für mich eher als eine Qualität des Bewusstseins: als Liebe, Klarheit, Mitgefühl, Wahrhaftigkeit, Dankbarkeit und Gleichmut. Es zwingt nicht, es braucht keine Angst, es muss niemanden überzeugen und wirkt dadurch, dass wir ihm Raum geben.
Wenn wir still werden, können wir manchmal wahrnehmen, wie sehr wir von äußeren Bewegungen bestimmt sind. Und in dieser Wahrnehmung entsteht etwas Neues: ein innerer Abstand zwischen dem, was geschieht, und unserer Reaktion darauf. Dieser Abstand ist ein Tor zur Freiheit. Dann geht es auch nicht darum, die „Kräfte der Dunkelheit“ zu besiegen. Denn damit würden wir ihnen bereits wieder unsere Aufmerksamkeit schenken und uns in einen Kampf hineinziehen lassen. Die eigentliche Aufgabe vielmehr darin, das Licht so zu leben, dass wir selbst nicht zur Dunkelheit werden, gegen die wir uns wenden. Liebe wird dann nicht zu einer Idee. Mitgefühl wird nicht zu einem Ideal. Frieden ist nicht nur etwas, das wir von der Welt verlangen. Sie beginnen in der Art, wie wir einem Menschen begegnen, der uns nicht versteht. In der Art, wie wir mit unserer eigenen Angst umgehen. In der Fähigkeit, einen Gedanken loszulassen, der uns immer wieder in Trennung führt. In der Bereitschaft, nicht auf jeden Reiz zu reagieren. So wird aus Erkenntnis langsam Haltung. Aus Haltung wird gelebtes Leben. Hier beginnt das, was ich heute Gelebten Geist nenne. Wir müssen uns nicht für eine Seite entscheiden, als würden Licht und Dunkelheit irgendwo außerhalb von uns gegeneinander kämpfen. Wir dürfen vielmehr immer wieder wahrnehmen, welcher Bewegung wir in uns Raum geben. Dann entscheidet sich unsere Entwicklung nicht daran, was wir über Licht und Dunkelheit wissen, sondern daran, was durch uns hindurch in diese Welt gelangt.
Klaus Praschak
Bild: printerest. de danke
Quelle: Klaus Praschak

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