2026-09-26

Frank Schwede: Lithium - das unterschätzte Spurenelement und seine Wirkung auf die geistige Gesundheit



Lithium hat sich vor allem bei der Behandlung psychischer Erkrankungen und sogar bei der Therapie von an Alzheimer erkrankte Menschen bewährt. Einige Mediziner sind sogar davon überzeugt, dass ein Lithium-Mangel negative Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden hat. Dennoch ist Lithium als Nahrungsergänzungsmittel in der EU nach wie vor verboten.

Lithium gehört zur Gruppe der Leichtmetalle und es besitzt die geringste Dichte aller festen Elemente. Es kommt in Gesteinen, im Meerwasser und in Böden vor. Vor allem in der Industrie findet es vielfach Verwendung. Beispielsweise in der Gummiproduktion und bei der Herstellung von Batterien - aber auch in der Medizin spielt Lithium zunehmend eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Bislang sind sich Mediziner in der Frage uneins, ob Lithium ein für den Organismus lebensnotwendiges essentielles Spurenelement ist. Lange Zeit waren Experten überzeugt, dass dies nicht der Fall ist. Inzwischen haben aber viele Studien gezeigt, dass Lithium nicht nur in hoher, pharmakologischer Dosierung eine positive Wirkung auf das zentrale Nervensystem hat.

Vor allem bei psychiatrischen Erkrankungen, beispielsweise bei einer bipolaren Störung oder bei schweren Formen einer Depression, werden sehr hohe Dosen reines Lithium von mindesten 113 Milligramm täglich verabreicht.

Im Vergleich dazu nehmen wir über die Nahrung nur Mikrodosen auf. Das entspricht in etwas weniger als 1 Milligramm pro Tag. Bei schweren psychiatrischen Leiden reicht diese Dosis bei Weitem nicht aus, um eine pharmakologische Wirkung zu erzielen.

Weil zu viel Lithium im Blutspiegel zu erheblichen Nebenwirkungen wie Durchfall, Erbrechen, Mundtrockenheit und Krämpfen führt, wird eine Lithium-Therapie engmaschig kontrolliert. Eine Überdosierung kann im schlimmsten Fall sogar lebensgefährlich sein.

Neueste Studien zeigen, dass selbst Mikrodosen eine schützende Wirkung auf das Nervensystem und einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit haben. Verantwortlich dafür sind entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften sowie die Regulierung des Stoffwechsels des Nervensystems.

Bereits in der Antike wurden psychische Erkrankungen wie Depressionen durch Bäder in Heilquellen mit stark lithiumhaltigem Wasser behandelt. Ab dem Mittelalter ging dieses Wissen leider verloren. Um das Jahr 1850 wurde Lithium in der westlichen Medizin vor allem bei der Behandlung von Gicht und Infektionskrankheiten angewendet. Allerdings erwies sich Lithium bald als unwirksam. Danach verschwand das Leichtmetall für lange Zeit vollständig aus der Medizin.

Erst 1949 wurde Lithium von dem australischen Psychiater John F. Cade aufgrund seiner antimanischen Wirkung wiederentdeckt. Cade stellte fest, dass Meerschweinchen nach einer Lithium-Injektion weniger stark auf äußerliche Reize reagierten und ruhiger wurden.

Nach einem Selbstversuch durch Cade wurde die Verwendung von Lithium-Carbonat als Medikament zur Behandlung depressiver, schizophrener und manischer Patienten in einer umfangreichen Studie untersucht.

Eine Langzeitstudie des dänischen Psychiaters Mogens Schou aus den 1960er Jahren hat gezeigt, dass eine Behandlung mit Lithium die Zahl manischer und depressiver Phasen drastisch senken kann. Seither wurden viele Studien zur Wirksamkeit, zu den Nebenwirkungen und den Langzeitfolgen von Lithium erstellt.

Bislang konnte in keiner Studie eine direkte Kausalität zwischen dem Lithium-Gehalt in Lebensmitteln und Trinkwasser und Erkrankungen nach langfristiger Aufnahme nachgewiesen werden.

Jedoch wird eine zu geringe Aufnahme über die Nahrung wiederum mit vielen psychosozialen Störungen in Verbindung gebracht. Das heißt, je mehr natürlich vorkommendes Lithium im Wasser, desto geringer die Suizidrate, die Anzahl von Klinikeinweisungen aufgrund psychischer Probleme und umso geringer auch die Häufigkeit von aggressivem Verhalten.

Diese Ergebnisse sprechen nach Meinung vieler Mediziner dafür, dass es sich bei Lithium tatsächlich um ein essentielles Spurenelement handelt, das für den Körper, vor allem aber für das Nervensystem, von wichtiger Bedeutung ist. Der Molekular-Genetiker Michael Nehls schreibt in seinem Buch „Das Lithium Komplott“:

„Die fatalen Folgen eines Lithiummangels werden uns jedoch als unabänderliche Normalität verkauft, und gleichzeitig weigern sich die zuständigen Behörden, die essenzielle Bedeutung dieses Spurenelements anzuerkennen.

Allein die Tatsache, dass viele mangelbedingten Verhaltensstörungen in der kindlichen Entwicklung meist erfolglos mit nebenwirkungsreichen, aber höchst lukrativen Medikamenten behandelt werden, lässt monetäre Interessen hinter diesem Missstand vermuten.“

Abschließend stellt Nehls die Frage, ob es wirklich nur um Profit geht, oder ob wir es bereits mit einem pervertierten Machtanspruch über den Geist des Menschen zu tun haben. Wem nützt eine Gesellschaft, die körperlich und psychisch immer kränker und weniger belastbar wirkt und in chronischer Zukunftsangst lebt?

Schon seit Jahren liegen Hinweise vor, dass Lithium bei ausreichender Aufnahme über die Ernährung und das Wasser das Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen oder sogar vorbeugen kann. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Lithium die Eiweißablagerungen, die für Alzheimer verantwortlich sind, vermindert.

Laut einem im Jahr 2021 durchgeführten Review regt niedrig dosiertes Lithium außerdem die Nervenbildung im Hippocampus an und verbessert die kognitiven Fähigkeiten. Nach einer dreimonatigen Lithium-Behandlung wurde bei Patienten mit Alzheimer sogar eine Verlangsamung des kognitiven Abbaus beobachtet.

Eine weitere Studie hat gezeigt, dass selbst bei einer Mikrodosis von 0,3 Milligramm Lithium pro Tag der Zustand von Alzheimer-Patienten über 15 Monate stabil blieb, während sich der Zustand in der Placebogruppe weiter verschlechtert hat.

Michael Nehls ist der Überzeugung, dass ein Mangel an Lithium an der Entwicklung von Alzheimer beteiligt ist. Nehls schreibt, dass die tägliche Einnahme von mikrodosiertem Lithium, mindestens 300 µg mit lithiumhaltigem Trinkwasser, von hoher therapeutischer Relevanz sein kann.

Eine weitere interessante Studie aus dem Jahr 2024 hat gezeigt, dass Lithium sich auch bei der Behandlung von Parkinson als durchaus positiv erwiesen hat. Außerdem haben verschiedene Beobachtungsstudien mit bipolaren Patienten gezeigt, dass es offenbar einen Zusammenhang zwischen einer Lithium-Behandlung und einem verringerten Krebsrisiko gibt. Auch in einer Kohortenstudie mit mehr als 252.000 Teilnehmern war ein höherer Lithium-Gehalt im Trinkwasser mit einem verringerten Krebsrisiko verbunden.

Nahrungsergänzungsmittel mit Lithium sind in der gesamten EU und vielen anderen Ländern verboten. Begründet wurde das Verbot damit, dass Lithium nicht als essentielles Spurenelement anerkannt ist und die Gefahr einer Vergiftung durch Überdosierung hoch ist, obwohl das Risiko bei einer Mikro-Dosierung als eher gering eingeschätzt wird.

In den Vereinigten Staaten kann Lithium als Nahrungsergänzungsmittel völlig legal erworben werden. Meistens enthalten die Produkte Lithium-Orotat, das zu etwa 3,86 Prozent aus Lithium, zu 86,14 Prozent aus Orotat und zu 10 Prozent aus Wasser besteht.

Laut neuesten Studien gibt es in Bezug auf die Toxität von Lithium-Orotat in niedriger Dosierung keine Bedenken. Lithium-Orotat sorgt für ein ruhiges Gefühl, Stressabbau und ein weniger impulsives Verhalten.

Eine Umfrage unter 211 Teilnehmern in Großbritannien hat gezeigt, dass die Einnahme rezeptfreier Lithium-Präparate die Stimmung verbessert, bei Angstzuständen hilft und die kognitiven Fähigkeiten erhöht.

Schätzungen zufolge werden 66 bis 90 Prozent des täglich aufgenommenen Lithiums über Getreide und Gemüse gedeckt. Allerdings ist in Europa die Lithium-Aufnahme eher gering.

Laut einer Studie betrug die durchschnittliche Aufnahme durch die tägliche Nahrung bei polnischen Studenten 10,7µg, bei Erwachsenen in Belgien konnte ein Durchschnittswert von sogar nur 8,6µg ermittelt werden.

Obwohl Lithium offiziell nicht als Mikronährstoff gilt, wird eine Einnahme von 1000 µg pro Tag für einen 70 Kilogramm schweren Erwachsenen empfohlen, das entspricht 1mg (14,3 µg/kg Körpergewicht).

Diese Empfehlung entspricht vorsichtigen Schätzungen und ist individuell. Das heißt, möglicherweise ist sogar eine höhere Einnahme zur Erhaltung der optimalen Gesundheit erforderlich. In Deutschland nimmt jeder Bundesbürger täglich rund 0,8 Milligramm Lithium zu sich, wobei die Bandbreite zwischen 0 und 3 Milligramm liegt.

Fazit: Lithium ist ein in der Medizin offenbar noch immer unterschätztes Spurenelement, das einen wichtigen Beitrag vor allem für die Psyche und das seelische Gleichgewicht leistet.

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Frank Schwede 
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