2026-09-29

GreWi: Arche Noah? Erste Ergebnisse von Kernbohrungen in der Durupinar-Formation



Merkez (Türkei) – Ein internationales Forschungsteam hat die Ergebnisse erster Kernbohrungen innerhalb der sogenannten Durupinar-Formation im Osten der Türkei veröffentlicht. Die Schiffsförmige Struktur steht im Zentrum einer seit Jahrzehnten schwelenden Debatte darüber, ob es sich dabei um die versteinerten Überreste der biblischen Arche Noah handeln könnte.

In einem ersten Bericht vom zweiten Arbeitstag der angelaufenen Bohrungsarbeiten erläutert die Forschungsinitiative „Noah’s Ark Scans“, dass Proben aus Tiefen von bis zu 18 Metern gewonnen werden konnten. Besondere Aufmerksamkeit legen die Forschenden demnach derzeit auf eine Schicht, in rund vier bis fünf Metern Tiefe, die so hart sei, dass der Bohrkopf zerbrach. Unter anderem wollen die Forschenden nun prüfen, ob es sich bei dieser Schicht um versteinertes beziehungsweise stark mineralisiertes Holz handeln könnte. Die entsprechenden Untersuchungen sollen durch unabhängige Labore erfolgen.

Sollte sich die Hoffnung des Grabungsteams bestätigen, und es sich bei dem Material um versteinertes Holz handeln, könnte dies die seit Jahrzehnten kontrovers diskutierte Frage, ob die 157 Meter lange Durupinar-Formation auf dem Berg Tendürek Dagi (nicht identisch mit aber in der Nähe des höheren Ararat, auf dem laut Bibel die Arche strandete) tatsächlich die Überreste eines großen Holzschiffs handeln könnte, erneut befeuern. Zugleich unterstreichen die Forschenden aber auch, dass die bisherigen Beobachtungen noch keine Bestätigung dieser Interpretation darstellen.

Hintergrund: Noahs Arche auf dem Berg Tendürek Dagi

Die Durupinar-Formation wurde 1948 von einem kurdischen Hirten in der Nähe des Dorfes Doğubeyazıt auf dem Berg Tenderük Dagi (30 km südl. des Ararat) gelegene entdeckt, nachdem starke Regenfälle und Erdbeben Teile des Bodens freigelegt hatten. Ihre Form und Lage nahe dem Ararat weckten früh Spekulationen über einen Zusammenhang mit der biblischen Arche Noah. Laut Bibel kam diese nach der Sintflut auf den „Bergen von Ararat“ zur Ruhe, nachdem die Erde 150 Tage lang überflutet war. Bibel-Forscher deuten die vor Ort gefundenen Maße als jene der in der Genesis beschriebenen Arche, die etwa 155 Meter lang, 26 Meter breit und 16 Meter hoch gewesen sein soll.


Die gelandete Arche Noah, hier in einem historischer Holzschnitt (Illu.).
Copyright: Gemeinfrei

Erste Bohrkerne mit organischem Material

Die von türkischen Universitäten und internationalen Forschern durchgeführte Expedition steht unter der Leitung des Archäologen Prof. Dr. Cenker Atila von der Sivas Cumhuriyet Universität. Andrew Jones von „Noah’s Ark Scans“ ist als Vizepräsident des Noah’s Ark Research Project an der internationalen Feldarbeit beteiligt. Nach Angaben der Initiative findet die Untersuchung mit offizieller Genehmigung türkischer Behörden statt.

Ziel der Bohrungen sei es, erstmals umfangreicheres physisches Material aus dem Inneren und außerhalb der Formation zu gewinnen. Die Bohrkerne sollen im kommenden Winter unter anderem hinsichtlich ihrer Zusammensetzung, organischer Bestandteile und Stratigrafie analysiert werden.

Nach Angaben des Teams wurden bislang Schichten mit hohem Anteil organischen Materials sowie mehrere Hohlräume festgestellt. Einer dieser Hohlräume habe sich während der Bohrarbeiten weiter mit Wasser gefüllt. Innerhalb der bisher gebohrten Bereiche sei zudem kein durchgehender Untergrund aus festem Kalkstein oder eindeutigem Grundgestein festgestellt worden (…GreWi berichtete).

Die Projektverantwortlichen sehen darin Hinweise, die aus ihrer Sicht mit der bisherigen Annahme einer ausschließlich natürlichen Felsformation nicht ohne Weiteres vereinbar sind. Ob dies tatsächlich der Fall ist, soll die weitere Untersuchung klären.


Blick auf die Durupinar-Formation.
Copyright/Quelle: Zorka Sojka (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 4.0

„Härter als Kalkstein“

Nach Darstellung des Projekts könne versteinertes Holz aufgrund seiner Mineralisierung eine erhebliche Härte erreichen. Daraus lasse sich derzeit doch noch nicht ableiten, dass es sich bei der fraglichen Schicht tatsächlich um versteinertes Holz handelt.

Die geplante Laboranalyse soll deshalb unter anderem mineralogische Untersuchungen, Mikroskopie und Analysen organischer Bestandteile umfassen. Die Proben werden nach Angaben der Initiative für die Untersuchung durch externe Labore und Universitäten aufbewahrt und gekühlt.

Untersuchung bereits kartierter Strukturen

Den Bohrungen gingen monatelange Vermessungsarbeiten voraus. Dazu gehörten präzise GPS-Kartierungen, dreidimensionale Geländemodelle, bisherige Bodenproben sowie hochauflösende geophysikalische Untersuchungen. Frühere Messungen hatten nach Angaben des Teams lineare Strukturen, rechtwinklige Überschneidungen, geschichtete Anomalien und längliche Hohlräume gezeigt, die als mögliche Korridore oder kammerartige Bereiche interpretiert werden (…GreWi berichtete).

Auch der zuvor am Standort eingesetzte US-Verteidigungswissenschaftler Dr. Khosrow Bakhtar lieferte nach Angaben der Initiative auf Grundlage seiner Radarmessungen Koordinaten für die Bohrungen. Ein vorläufiger Bericht habe innerhalb der untersuchten Bereiche kein Grundgestein festgestellt (…GreWi berichtete). Weitere Einzelheiten sollen noch veröffentlicht werden.

Als nächster Schritt ist nun der Einsatz des speziell entwickelten Untergrundroboters vorgesehen. Das mit einer hochauflösenden Kamera ausgestattete Gerät soll durch schmale Bohrungen in bereits kartierte Hohlräume, Tunnel und mögliche Korridore eingeführt werden, ohne dafür größere Grabungen anlegen zu müssen.

Hintergrund: Versteinert Holz binnen 5.000 Jahren…?

für gewöhnlich dauert der Versteinerungsprozess auch von Holz viele Tausend bis Millionen von Jahren. Glaubt man jedoch der Bibel, so soll die Arche Noah erst vor rund 5.000 gelandet sein. Wie passt diese Diskrepanz also zu der von Bibel-Forschern wie dem „Noahs Ark Scans“-Team vertreten Hypothese, dass es sich bei der Durupina-Formation um die versteinern Reste eines Holzschiffes oder sogar der Arche Noah handeln soll?

Befürworter der Arche-Noah-These zur Durupinar-Formation erklären eine mögliche Versteinerung von Holz innerhalb weniger tausend Jahre mit der umstrittenen sog. „rapiden Versteinerung“. Entscheidend sei demnach nicht die vergangene Zeit, sondern das Vorhandensein geeigneter chemischer und physikalischer Bedingungen, die so angeblich schon binnen Jahren zur Versteinerung führen soll. Alledings muss hier zwischen sogenannter Kalktuff-Bildung und einer echten mineralisch durchdrungenden Versteinerung unterschieden werden, da bei ersterer Gegenstände oder Pflanzen in bestimmten durch chemische Prozesse (etwa in Bächen oder Einlagerungen) in wenigen Jahren von einer harten Kalkkruste überzogen werden können.

Als mögliche Faktoren nennen Vertreter mineralreiches, kieselsäurehaltiges Wasser, starken Vulkanismus, die rasche Einbettung des Holzes unter Sedimenten und Lava sowie unmittelbaren Sauerstoffentzug. Mineralien hätten dabei die organischen Strukturen des Holzes schnell durchdrungen und ersetzt. Zur Untermauerung verweisen die Befürworter auf Beobachtungen aus geothermalen Gebieten wie Japan und Yellowstone, wo Holz unter bestimmten Bedingungen innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit stark mineralisiert worden sein soll. Daraus leiten sie ab, dass auch eine Versteinerung innerhalb der von ihnen angenommenen 4.500 bis 5.000 Jahre grundsätzlich möglich sei.

Viele Geologen (darunter auch kreationistische Forscher) bezweifeln hingegen, dass es sich bei der Struktur um die Reste eines Schiffs, geschwiege denn der Arche, handelt und sehen in der Struktur lediglich eine kuriose Laune der Natur.

Aussagekraft soll sich erst im Labor zeigen

Die Expeditionsteilnehmer betonen, dass die aktuellen Befunde zunächst untersucht werden müssen. Die Bohrungen wurden sowohl innerhalb der bootsförmigen Struktur als auch an Kontrollstellen außerhalb des Umrisses angelegt. Dadurch sollen die gewonnenen Proben mit dem umgebenden Untergrund verglichen werden können.

Laut den aktuellen Informationen erklärte Prof. Dr. Atila, dass die Untersuchungen von 2026 durch Radar, Bodenproben, Tiefenbohrungen und Oberflächenvermessungen neue Informationen geliefert hätten. Jetzt brauche es aber detaillierten Laboranalysen, um zusätzliche Hinweise auf die tatsächliche Beschaffenheit der Formation zu geben.

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