Was sich zwischen uns und diese Erfahrung stellt, ist weniger eine äußere Trennung als die Art, wie wir uns selbst und die Welt wahrnehmen. Gedanken, Ängste, alte Prägungen, Erwartungen und die ständige Beschäftigung mit dem Außen können unseren Blick so sehr bestimmen, dass wir den stilleren Strom des Lebens kaum noch wahrnehmen.
Deshalb geht es nicht darum, Gedanken und Gefühle zu beherrschen, sondern ihnen immer bewusster zu begegnen. Einen Gedanken wahrnehmen, ohne ihm sofort zu folgen. Ein Gefühl fühlen, ohne es unmittelbar in Handlung verwandeln zu müssen. Einen Impuls erkennen, ohne ihm zwangsläufig nachzugeben. Und irgendwann zu entdecken, dass zwischen dem, was in uns geschieht, und dem, was wir daraus machen, ein Raum entsteht. In diesem Raum kann etwas Neues geschehen. Wir beginnen, anders zu sehen. Nicht weil wir uns eine höhere Wirklichkeit erdacht haben, sondern weil unser Bewusstsein stiller und empfänglicher geworden ist. Erkenntnis ist deshalb weniger das Ansammeln von Wissen als vielmehr ein Empfangen dessen, was sich uns wahrhaftig zeigt. Und je mehr wir empfangen, desto weniger müssen wir festhalten. Hier beginnt eine andere Beziehung zu dem, was wir Gott nennen.
Wir müssen nicht erst irgendwohin gelangen, um Gott zu begegnen. Wir dürfen vielmehr entdecken, dass die Quelle des Lebens uns niemals verlassen hat und dass die vermeintliche Entfernung vor allem in unserem eigenen Erleben entstanden ist. Jesus hat gesagt: „Ich bin die Tür.“ Für mich liegt darin ein tiefes Geheimnis. Eine Tür ist kein Ziel. Sie ist ein Übergang. Christus weist damit auf einen Weg hin, auf dem das Göttliche nicht mehr nur außerhalb von uns verehrt oder über uns gedacht wird, sondern in unserem Menschsein lebendig werden kann. „Ich Bin“ bedeutet deshalb weit mehr als die Behauptung einer persönlichen Identität. Es weist auf ein Sein, das nicht erst geschaffen werden muss. Ein Sein, das nicht von unserem Besitz, unserer Rolle, unserem Erfolg oder unserer Geschichte abhängig ist.
Darin liegt die Verbindung zwischen Christus und dem Leben selbst: Das Göttliche will nicht nur erkannt werden. Es möchte durch uns hindurch gelebt werden. Dann wird aus Erkenntnis Verkörperung. Aus Liebe wird Handlung. Aus Frieden wird unsere Art, einem anderen Menschen zu begegnen. Aus Wahrheit wird Wahrhaftigkeit. Und aus dem, was wir einst als geistige Erkenntnis erfahren haben, kann langsam Gelebter Geist werden. Deshalb sehe ich das Erwachen nicht als Erreichen einer höheren Welt, sondern Erwachen für das, was hier und jetzt bereits lebendig ist. Leben und Gnade sind Geschenke des Höchsten, Erkenntnis ist Empfang und die Verkörperung ist Antwort.
Die tiefste Erfahrung des Lebens ist jene, in der wir für einen Augenblick erkennen: Wir sind nicht vom Leben und Gott getrennt – Wir sind mitten in ihm.
Bild: printerest.de danke
Die tiefste Erfahrung des Lebens ist jene, in der wir für einen Augenblick erkennen: Wir sind nicht vom Leben und Gott getrennt – Wir sind mitten in ihm.
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Quelle: Klaus Praschak

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