Er muss die Welt nicht verlassen, um ihr anders zu begegnen. Er beginnt, sie mit anderen Augen zu sehen und inmitten ihrer Dichte das Feine wahrzunehmen. Er begegnet dem Menschen vor sich nicht mehr nur als einer Persönlichkeit mit ihren Stärken und Schwächen, sondern als einem Wesen, in dem – noch verborgen – dasselbe Leben wirkt, das auch ihn selbst trägt.
Der neue Mensch muss seine Menschlichkeit nicht überwinden. Er beginnt vielmehr, sie zu durchlichten. Seine Erkenntnisse wollen nicht länger nur Gedanken bleiben, sondern in seinem Fühlen, Sprechen und Handeln Gestalt annehmen. Aus Erkenntnis wird Haltung, aus Haltung wird Handlung und aus Handlung wird gelebter Geist. Es genügt, immer wieder wahrzunehmen, wo Angst, Urteil, Abgrenzung oder Bedürftigkeit den Raum in ihm verengen – und dort wieder frei zu werden für Liebe.
So wird auch die Welt nicht dadurch verwandelt, dass wir sie bekämpfen, sondern indem wir aufhören, das, was wir in ihr verändern möchten, selbst weiterzutragen. Frieden beginnt dort, wo wir nicht mehr aus innerem Unfrieden heraus handeln. Freiheit beginnt dort, wo wir uns nicht länger von unseren eigenen Ängsten führen lassen. Und Liebe beginnt dort, wo wir sie auch dann bewahren, wenn sie uns nicht entgegenkommt. Dies kann die eigentliche Geburt des neuen Menschen sein, der immer weniger von dem verdeckt, was in seinem Innersten bereits lebendig ist.
Er wird zum Raum, durch den das Licht in diese Welt eintreten kann.
Und so bedeutet „Hüter des Lichts“ am Ende gar nicht, das Licht festzuhalten oder es vor der Dunkelheit zu schützen. Es bedeutet, dafür zu sorgen, dass das Licht in uns nicht erlischt – gerade dort, wo die Welt dunkel wird.
Klaus Praschak
Bild: printerest.de

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