2026-11-08

Christine Stark: „Tage, wie diese…“


Liebe Leserin, lieber Leser,
da bin ich wieder! Ich hoffe, es geht Ihnen gut! Auch, wenn Tage wie diese wirklich nicht einfach sind!

Sogar manche „alten Hasen“ legen da die Ohren an

und haben morgens schon mit seltsamen „Anwandlungen“ von „schlechter Laune“ und vollkommen ungerechtfertigter Frustration zu kämpfen.

Aber wir sind schließlich immer noch Menschen, egal wie!

Ich hab mir alles vergeben, was mir seit heute Morgen nicht gepasst hat und mir gesagt, dass es dann eben so ist.

Dass frau nicht immer nur „Himmelhoch jauchzend“ durch die Gegend springen kann. Ist eben einfach so.

Ich hab den Tag – wie immer – in GOTTES Hände gelegt und mich an den wundervollen Spruch erinnert:

„Ich weiß nicht, was das Beste für mich ist.
Aber GOTT weiß es, und ER wird es mir bringen!“

Dann hab ich alle Erwartungen losgelassen und den lieben GOTT einen guten Mann sein lassen.

Ich hab mir einfach eine Aus ZEIT gegönnt. Immerhin war ja Sonntag. Jawoll!

Bei dem November-Grau, das seit heute Morgen hier in der Luft liegt, brauche ich mich über meine Stimmung nicht zu wundern.

Egal, wie schön die Gegend hier ist – egal, wie herrlich das Herbst Laub in allen Farben prankt… keine Ahnung, woher dieses „Grau in Grau“ plötzlich gekommen war!

Aber dann hatte der liebe GOTT ein Einsehen.

Ein Buch, nachdem ich gefragt hatte, fand sich plötzlich im Regal und auf einmal war alles anders!

Von jetzt auf gleich tauchte ich in die Lebensgeschichte eines Mannes ein, die in so atemberaubend kraftvollen Bildern geschildert wurde, dass mir die frühe Dunkelheit draußen vollkommen egal war.

Es ist das Leben eines Mannes, der zu seiner Zeit auf dem Darss als „Forstmeister“ gewirkt hat.

Sein Name hat dort oben in der Gegend immer noch einen guten Klang.

„Der Zauberwald vom Darss", wie ich diesen Wald am Nationalpark immer nenne, ist wunderbar und einzigartig!

Aber darum geht es mir jetzt nicht.

Eben noch war ich in die Schilderung der Kindheit dieses Mannes und seiner beiden jüngeren Brüder versunken...

begeistert von der Freiheit, die diese drei Buben dort mit all den Jagdhunden genießen durften…

Dann habe ich, wie ich es meistens tue, die hinteren Seiten aufgeschlagen.

Hier erzählt er als wohl schon alter Mann am Ende seines Lebens davon, dass er jetzt mitten in einer Stadt lebt, davon, dass er trotz allem zufrieden ist…

Die Worte, die er da findet, um den Sinn, den er auch jetzt noch in seinem Leben sieht, zu beschreiben, haben mich tief berührt.

Es ist die Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Seine frühere Heimat ist für ihn verloren… nicht aber die Erinnerung daran…

die Erinnerung an die Werte, die ihn geprägt haben und sein Denken noch immer bestimmen.

Viele gleichaltrige Männer sind im Krieg geblieben…

Er schreibt:

„Ich habe noch einmal eine Frau gefunden, zudem die Witwe eines Kameraden, deren vier Jungen jemanden brauchten, der ihrer Mutter ein bisschen half, sie groß zu machen;

und ich habe auch sonst junge Menschen um mich, das Beste, was uns geblieben ist: Söhne und Töchter von Vätern, die nicht zurückgekehrt sind aus dem Kriege.

Ich versuche, ihnen etwas mitzugeben von dem, was mir wert erscheint, weitergegeben zu werden, und was ihnen ihre Väter wohl sonst gesagt hätten:

Dass wir nicht um unserer selbst willen da sind, sondern um der Aufgaben willen, die uns gestellt werden,

und dass das, worauf es ankommt unter Männern, nach dem Wort eines unserer besten Soldaten ist, „sich selber vergessen zu können um der Sache willen, der man dient.“

Ich versuche ihnen zu sagen,

dass man lernen muss zu verlieren, ohne bitter zu werden; dass die Dinge um uns herum, die unser Eigentum scheinen, Leihgaben sind;

dass man sich erheben muss aus der Niederlage, den Staub des Falles aus seinen Kleidern klopfen und neu beginnen

nicht nur im Tun, auch im Denken; daraus erhält die Niederlage ihren Sinn.

Es sind Dinge, die weder neu sind noch im geringsten populär, und nach denen die Jungen doch hungern;

denn sie wollen, dass wir Bilder vor ihnen aufrichten, auf die sie zugehen können.

Sie sind ein wenig wie junge Bäume, voll Saft, voll Leben, voll Zukunft…“


Als ich diese Zeilen las, wusste ich, dass ich seine Worte an Sie weitergeben sollte.

Weil dies eine unserer wichtigsten Aufgaben ist:

Unsere WAHRHEIT zu bewahren,

unsere INTEGRITÄT des DENKENS und HANDELS,

und unser eigenes „altmodisches“ Verständnis von Menschlichkeit und Mit-Menschlichkeit!

So vieles scheint derzeit nicht mehr viel zu „gelten“-

und doch sind dies Werte, die „nicht verhandelbar“ sind, wenn wir die Neue Welt aufbauen wollen.

Jedenfalls sehe ich das so.

Ich weiß, es ist nicht leicht, den eigenen Werten treu zu bleiben…

Aber, wenn nicht WIR, wer dann?

Mit herzlichen Grüßen,
Christine Stark

8. November 2026

PS: Wolfgang Frank, Verklungen Horn und Geläut, Die Chronik des Forstmeisters Franz Muelle-Darß, blv, S. 433 f

PPS: Danke an alle, die diesen Text freundlicher Weise vollständig und unverändert auf ihren Blog übernehmen!

Bitte immer mit Hinweis auf meine Webseite Home (christine-stark.de) und dem folgenden Hinweis:

Es ist nicht gestattet, ausschließlich Teile des Textes wiederzugeben oder diesen akustisch für andere zugänglich zu machen.

© Christine Stark www.christine-stark.de

Quelle: https://www.christine-stark.de/blog/2105-tage-wie-diese

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