So unterschiedlich diese Modelle auch sind, haben sie doch eines gemeinsam; sie sind Versuche des menschlichen Verstandes, das Unbegreifliche in Bilder und Konzepte zu fassen. Sie mögen faszinierend sein, anregend für den Intellekt und geeignet, bestehende Denkgewohnheiten infrage zu stellen. Doch aus der Perspektive des inneren Weges stellt sich die Frage, ob diese äußeren Erklärungsmodelle tatsächlich von zentraler Bedeutung sind. Aus innerer Erfahrung heraus, aus der Innenschau, zeigt sich uns ein ganz anderes Bild, denn der Nachthimmel erscheint zwar als materielles Weltenall, weit entfernt und scheinbar unendlich, doch das eigentliche Universum liegt nicht „dort draußen“, sondern im Inneren. In dieser inneren Dimension verlieren Konzepte wie Entfernung, Größe oder räumliche Struktur ihre Bedeutung. Bewusstsein ist hier nicht an Raum und Zeit gebunden, sondern der Raum erscheint im Bewusstsein selbst.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass kosmologische Modelle, ganz gleich welcher Art, für den inneren Pfad letztlich eine untergeordnete Rolle spielen. Entscheidend ist nicht, wie die Welt objektiv aufgebaut ist, sondern wie Wirklichkeit erfahren wird und wer oder was diese Erfahrung macht. Ob die Erde als Kugel, Scheibe oder als Teil eines vielschichtigen Bewusstseinsfeldes gedacht wird, ändert nichts an den grundlegenden Fragen nach Identifikation, Freiheit, Verbundenheit oder innerer Klarheit. Für den inneren Weg liegt die Wahrheit daher weniger im Austausch eines Weltbildes gegen ein anderes, sondern im Durchschauen aller Bilder und Konzepte. Der Verstand sucht nach Erklärungen für die Welt, das Bewusstsein jedoch erkennt sich selbst als den Raum, in dem alle Erklärungen erscheinen. In diesem Sinn mögen neue kosmologische Theorien interessant sein, doch für die innere Entwicklung sind sie nicht entscheidend.
Wenn erkannt wird, dass Raum im Bewusstsein erscheint und nicht umgekehrt, verschiebt sich der Bezugspunkt grundlegend. Identität liegt dann nicht mehr in einer Vorstellung über die Welt, sondern in dem, was jede Vorstellung überhaupt erst möglich macht. Dieses Bewusstsein, das wir „das Selbst“ nennen, ist nicht das Ergebnis eines Denkprozesses und auch nicht abhängig von kollektiven Narrativen, Autoritäten oder alternativen Theorien.
In dem Moment, in dem Raum, Zeit, Körper und Welt als Erscheinungen im Bewusstsein durchschaut werden, verliert Meinung ihre bindende Kraft. Theorien, ob sie nun wissenschaftlich, spirituell oder alternativ sind, können weiterhin existieren, aber sie definieren nicht mehr, wer man ist. Sie werden zu Beschreibungen innerhalb der Erfahrung, aber nicht zu Fundamenten der Identität. Das Selbst in diesem Sinn ist nicht „richtig“ im Gegensatz zu anderen Ansichten, sondern vor jeder Ansicht. Es muss sich nicht verteidigen, nicht beweisen und nicht überzeugen und darin liegt seine Freiheit, denn es ist unabhängig davon, ob ein bestimmtes Weltbild gerade dominiert oder verworfen wird. Selbst wenn sich alle kosmologischen Modelle ändern würden, bliebe dieses Erkennen unberührt, weil es nicht im Inhalt der Erfahrung liegt, sondern in ihrem Ursprung. Darum ist folgende Betonung wichtig; nicht ein neues Bild der Welt macht frei, sondern die Einsicht, dass alle Bilder im Bewusstsein erscheinen. Wer sich darin verankert, ist nicht mehr abhängig von Meinungen oder Theorien anderer, weder von „offiziellen“ noch von „alternativen“. Der innere Weg führt zwar nicht zu einer besseren Erklärung der Welt, aber zu einem tragfähigen Grund, der keiner Erklärung mehr bedarf.
Klaus Praschak
Bild: printerest.de danke

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