2026-01-31

Klaus Praschak: Die Weisheit der Einfachheit


Nun bin ich schon einigen Menschen begegnet, die eine positive Einstellung gegenüber dem Leben entwickeln konnten, ohne das sie etwas über Spiritualität zu wussten. Sie kannten keine Definition über das Gemüt, hatten noch nie vom höheren Selbst gehört und trotzdem schien es als würde ihnen ihr Leben gelingen. Diese Menschen leben, ohne ihren Intellekt zu schulen, ihre naturgegebene Herzlichkeit. Man kann sagen, dass ihr Bewusstsein im Satya Yuga lebt, jenem goldenen Zeitalter, das auch als Zeitalter der Wohltaten beschrieben wird. Hierbei handelt es sich um uralte Seelen, die bereits viele Erdenleben hinter sich haben und dessen Gemüt so gelichtet ist, dass sie über das Verstandeswissen hinausgewachsen sind.

Ihr Handeln entspringt keiner inneren Suche und keinem bewussten Streben nach Entwicklung, sondern einer stillen Selbstverständlichkeit. Sie müssen nichts hinterfragen, weil sie nicht getrennt sind; sie müssen nichts benennen, weil sie leben, was andere erst zu verstehen versuchen. In ihrer Gegenwart zeigt sich eine Qualität von Einfachheit, die auf manche naiv wirkt, jedoch ist sie durchdrungen von Erfahrung. Sie tragen keine Konzepte in sich, sondern eine stille, wahrhaftige Übereinstimmung mit dem Leben selbst. Diese Menschen erinnern daran, dass Bewusstsein nicht zwangsläufig über Erkenntniswege reift, sondern auch durch gelebte Güte, Vertrauen und Offenheit.

Während andere sich mühsam durch Theorien, spirituelle Systeme und innere Prozesse arbeiten, scheinen sie bereits jenseits dieser Etappen angekommen zu sein. Ihr Dasein wirkt als Beweis dafür, dass das Ziel des inneren Weges nicht Wissen ist, sondern Verkörperung. Für sie geht es nicht um das Verstehen des Lebens, sondern um das Einssein mit ihm. So stehen sie oft unauffällig am Rand der großen Erzählungen über Erwachen und Bewusstsein, und doch tragen sie eine Tiefe in sich, die nicht erklärt werden muss. In ihnen zeigt sich, dass das goldene Zeitalter kein historischer Abschnitt ist, sondern ein innerer Zustand, der sich jederzeit im Menschen, jenseits von Sprache, Lehre und bewusster Suche verwirklichen kann.

Solche Menschen zeichnen sich oft durch eine stille, unaufdringliche Art aus. Sie meiden Massenveranstaltungen nicht aus Angst oder Abgrenzung, sondern weil sie die Verdichtung fremder Stimmungen, Erwartungen und Energien als unnötig empfinden. Ihr Wohlbefinden ist nicht abhängig von Reizen, sondern von Stimmigkeit. Wo Lautstärke, Wettbewerb oder Selbstdarstellung dominieren, ziehen sie sich meist zurück, ohne darüber zu urteilen.

Sie bevorzugen überschaubare Begegnungen, klare Beziehungen und einfache Umgebungen. Natur, vertraute Orte und ruhige Tätigkeiten sprechen sie stärker an als weltliche Beschleunigung. Oft sind sie aus innerer Genügsamkeit gern allein, denn Alleinsein ist für sie kein Mangel, sondern ein natürlicher Zustand, in dem nichts kompensiert werden muss.

Auffällig ist, dass sie selten über sich selbst sprechen. Sie verspüren keinen inneren Druck, sich zu erklären oder zu positionieren. Ihr Selbstwert speist sich nicht aus Anerkennung oder Zugehörigkeit, sondern aus einer stillen inneren Ordnung. Dadurch wirken sie oft bodenständig, manchmal unscheinbar, und werden leicht übersehen, obwohl ihre Präsenz beruhigend und klärend auf andere wirkt.

Konflikte vermeiden sie nicht aus Schwäche, sondern aus Klarheit. Sie wissen intuitiv, welche Auseinandersetzungen fruchtbar sind und welche nur Energie binden. Wo sie Grenzen setzen, tun sie dies ruhig und ohne emotionale Aufladung. Ihr Mitgefühl zeigt sich weniger in großen Worten als in konkreter, selbstverständlicher Hilfsbereitschaft.

Diese Menschen neigen auch nicht dazu, spirituelle oder philosophische Begriffe zu verwenden. Sie sprechen einfach, oft bildhaft, und bleiben nah an der unmittelbaren Erfahrung. Tiefe Einsichten erscheinen bei ihnen nicht als „Erkenntnisse“, sondern als gesunder Menschenverstand. Was andere suchen, leben sie bereits, ohne es benennen zu müssen. Ihr Bewusstsein strebt nicht nach oben, sondern es ruht. Es will nichts erreichen, nichts optimieren und nichts transzendieren und darin liegt ihre besondere Qualität, denn sie sind nicht auf dem Weg - sie sind angekommen, ohne zu wissen, dass es je einen Weg gab.

Klaus Praschak

Bild. Printerest.de danke

Quelle: Klaus Praschak

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