2026-01-27

Klaus Praschak: Kein Vorbote, sondern ein Spiegel


Einmal mehr scheiden sich die Gemüter der Menschen. Kaum zeigt sich ein außergewöhnliches Phänomen am Himmel, werden Linien gezogen, hier die einen, dort die anderen. Die einen suchen nach technischen Erklärungen, die anderen nach natürlichen Ursachen, wieder andere wittern Manipulation oder verborgene Mächte. Was dabei fast unbemerkt sichtbar wird, ist weniger das Phänomen selbst als die tiefe Trennung in der Art, wie Wirklichkeit betrachtet wird. Diese Spaltung verläuft nicht nur zwischen Meinungen, sondern zwischen Bewusstseinsebenen. Zwischen dem Bedürfnis nach Kontrolle und dem Vermögen zu staunen. Zwischen dem Drang, alles einzuordnen, und der Bereitschaft, sich berühren zu lassen. Auch hier zeigt sich, wie sehr wir gelernt haben, die Welt zu zerlegen, statt sie zu erleben. In dieser Atmosphäre der Polarisierung betritt der Mystiker einen anderen Raum. Er stellt sich nicht auf eine Seite, weil er die Seiten selbst als Teil der Illusion erkennt. Für ihn liegt die Wahrheit nicht im Streit um Ursachen, sondern im Sinn der Erscheinung. Es geht ihn nicht ums Außen, sondern um den inneren Widerhall dessen, was sich zeigt und aus dieser Perspektive beginnt eine andere Art des Sehens.

Ein Mystiker stellt sich nicht die Frage, ob Polarlichter technischen oder natürlichen Ursprungs sind, sondern was sich durch sie zeigt. Sein Blick bleibt nicht am Mechanismus hängen, sondern richtet sich auf die Bedeutung der Erscheinung im inneren Raum. Für ihn ist die Welt nicht in erster Linie ein System von Ursachen und Wirkungen, sondern ein sprechendes Geschehen, das gelesen werden will. Aus dieser Perspektive sind Polarlichter keine Anomalien, sondern Offenbarungen von Durchlässigkeit. Sie zeigen, dass das, was wir Himmel nennen, nicht fern ist, und dass das, was wir Materie nennen, nicht abgeschlossen ist. Unsichtbare Kräfte werden sichtbar um erinnert zu werden. Der Mystiker fragt: Was wird hier berührt ? und nicht, wer hat sie gemacht ?

Für ihn lebt die Welt in Symbolen als Spiegel. In Zeiten innerer und äußerer Umbrüche verdichten sich solche Erscheinungen, weil das Bewusstsein der Menschen selbst in Bewegung ist. Wenn Sicherheiten brüchig werden, wird der Blick empfänglicher für das, was größer ist als das Gewohnte. Das Licht am Himmel ist dann weniger ein Ereignis als ein Resonanzraum. Ob Sonne oder Technik beteiligt sind, ist für den Mystiker zweitrangig. Beides gehört zur Erscheinungswelt. Entscheidend ist, dass etwas Unsichtbares sichtbar wird und dass es gesehen wird. Der Mystiker weiß: Erscheinungen sind keine Information, sondern Öffnung. Sie laden zum Staunen ein und Staunen ist der Moment, in dem der Verstand innehält und das Herz wach wird. In einer Welt, die sich über Kontrolle definiert, sind solche Phänomene eine stille Unterbrechung. Sie erinnern daran, dass nicht alles erklärbar, planbar oder verfügbar ist. Für den Mystiker ist das kein Mangel, sondern ein Geschenk. Denn dort, wo Erklärung endet, beginnt Beziehung. So wird das Polarlicht zu einem Gleichnis für das Zusammenspiel von Kosmos und Erde, von Sichtbarem und Unsichtbarem, von Innen und Außen. Es sagt nichts Konkretes und verspricht nichts Bestimmtes. Aber es erinnert daran, dass das Leben mehr ist als das, was wir messen können und dass Licht manchmal genau dann erscheint, wenn Dunkelheit zur Gewohnheit geworden ist.

Nicht wenige Menschen sehen in diesen Polarlichtern Vorboten eines „Great Reset“ im politischen Sinn, doch im tieferen Sinn sind sie keine Ankündigungen oder Codes, die entschlüsselt werden müssen. Wer sie so liest, bleibt im gleichen Muster von Angst, Kontrolle und Projektion gefangen, das er eigentlich überwinden möchte. Das wäre nur eine Umkehrung desselben Denkens, statt Vertrauen nun Misstrauen, statt Ordnung nun Bedrohung. Doch ist es kein Zufall, dass viele Menschen sie als Zeichen eines Wandels empfinden, denn sie erscheinen in einer Zeit, in der Wandel bereits geschieht. Wir leben in einer Phase, in der alte Sicherheiten bröckeln und wenn vertraute Strukturen instabil werden, richtet sich der Blick instinktiv auf das, was größer ist als das Gemachte. Der Himmel wird zum Spiegel der inneren Bewegungen. In diesem Sinn sind die Polarlichter kein Signal von außen, sondern ein Resonanzphänomen. Sie fallen auf einen Moment erhöhter Spannung, Offenheit und Verunsicherung und genau dann beginnen Menschen, in Erscheinungen Bedeutung zu suchen und das weniger aus Naivität, sondern aus einem tiefen Bedürfnis nach Orientierung.

Der „Great Reset“, so wie er von elitären Menschen angekündigt wurde ist ein mentales Narrativ. Ein Versuch, komplexe Übergänge in ein kontrollierbares Bild zu pressen. Der wirkliche Wandel vollzieht sich jedoch nicht durch Ereignisse, sondern durch Bewusstseinsverschiebungen. Wenn man von einem Reset sprechen will, dann eher in dem Sinn, das nicht Systeme zurückgesetzt werden, sondern Gewissheiten und nicht Strukturen brechen zuerst, sondern innere Selbstverständlichkeiten und das macht den Menschen Angst. Für den Mystiker sind die Polarlichter kein Warnsignal, sondern ein Zeichen für Durchlässigkeit und das, was wir für fest hielten schon immer in Verbindung mit größeren Kräften steht. Der tiefere Wandel geschieht nicht am Himmel, sondern im Menschen und auch nicht sichtbar als Ereignis, sondern spürbar als innere Unruhe, als Fragen, als Abschiede von alten Bildern. In diesem Licht kündigen Polarlichter keine Bedrohung an, aber auch keine Verheißung. Sie sind ein Zeichen dafür, dass Übergänge immer auch sichtbar werden, wenn genug Spannung im Feld ist.

Klaus Praschak

Bild: printerest.de danke

Quelle: Klaus Praschak

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